Thassos - Astris

Ein Rezept

Der Fischer erzÀhlt

 

Dieses Jahr ist das Wetter auf Thassos sehr wechselhaft. Regen, starke Gewitter, Erdbeben und Überschwemmungen. Wir hatten viel zu tun. Tagelang war letzte Woche unser Telefon tot und wir hatten viel Arbeit, Freunden zu helfen, den vielen Schlamm aus den ĂŒberfluteten HĂ€usern zu schaffen, der vor zwei Wochen durch einen extrem starken Regen und Gewitter den Weg in viele HĂ€user gefunden hatte. Aber es wird eine gute Olivenernte geben lieber ThĂœmos und du kannst dich schon mal auf eine harte Arbeit in den Olivenhainen einstellen. Ich freue mich wie jedes Jahr auf das goldene Öl, welches meinen alten Knochen sehr gut tut.

 

Gestern saß ich nachts noch ein wenig draußen und plötzlich erhellte die stumpfe Dunkelheit ein riesiger Blitz und ich bin vor Schreck fast auf meine Lieblingskatze getreten, die neben mir Schutz suchte vor der SchwĂ€rze der Nacht. Ich konnte sekundenlang nichts sehen. Heute ist das Wetter schlecht und ich habe keine Lust fischen zu gehen. Ich werde dir mein lieber ThĂœmos wenn du magst eine Geschichte von einem Gast aus Köln erzĂ€hlen, der es einfach nicht lassen konnte, stĂ€ndig literweise Bier zu trinken und uns mit seinen Liedern, die er dann sang, zur Verzweiflung zu bringen und uns stĂ€ndig die Schamesröte ins Gesicht trieb. Heute muss ich herzhaft darĂŒber lachen, aber frĂŒher – es ist schon lange her – waren wir jung und sein abstruses Verhalten und seine Lieder in der komischen Aussprache waren uns suspekt und erst recht meinen Freunden aus dem Dorf.

 

Also mein lieber ThĂœmos, setz dich zu mir und ich erzĂ€hle dir von Peter aus Köln und wie wir ihn dazu brachten, dem Biergenuss zu entsagen.

 

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Peters Albtraum, ein ZwiebelsÀckchen

OlivenThassos Blatt
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Viele GĂ€ste hatten wir frĂŒher. Mit einigen haben wir tiefe Freundschaften geschlossen, andere waren nervig, ein paar waren unverschĂ€mt, laut und frech und daneben gab es Charaktere, die ich nie vergessen werde. Darunter war auch Peter aus Köln. Ein stĂ€mmiger Bursche, der nichts lieber tat als Bier zu trinken und Lieder zu singen. Es gefiel ihm hier so gut bei uns auf Thassos, dass er jeden Tag seine Freude durch das Trinken von unzĂ€hligen Litern alkoholisiertem goldenen Nass zum Ausdruck brachte.

 

Ne wat is dat schon hier, giv mir doch nochens en Bierchen war sein Spruch, wenn er sich wieder einmal anfing zu „freuen“. Am Anfang haben wir das noch als kleines UrlaubsvergnĂŒgen angesehen, aber nach einer Woche wurde das mir und meiner Frau schon etwas lĂ€stig, denn anscheinend war Peter ein Fass ohne Boden. Es lief und lief und lief in seine vor LautstĂ€rke trotzende Kehle herunter. Eines Tages dachten wir, nehmen wir Peter mit in unser kleines Cafehaus, wo meine Freunde und ich nachmittags sitzen und einen kleinen Ouzo mit Meze genießen. Ja, das gefiel unserem Peter besonders gut, denn neben dem Ouzo gab es leider auch Bier. Der Ouzo und das Bier beschleunigte seine Freude wie ein Laubfeuer ĂŒber die Schönheit des Momentes, die Gastfreundschaft meiner Freunde, das leckere Meze und die leise Bouzoukimusik im Hintergrund.

 

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Nach ein paar Stunden wollte ich mit Peter gehen. Als Peter, ein BĂ€r von einem Mann, dem Fass ohne Boden, anmutig alkohlisiert aufsprang und zu dem Bouzoukispieler hechtete. „Jung, du spielst Ă€ffer soo joot, ich binens so bejeistert, kannste auch kölsche Tön spelle ? Stellte sich in die Mitte des Raumes und sang aus vollster Kehle: Watt isses am Rhing so schön ………… ! Ich erstarrte und glotze ihn an. Alle starrten Peter an, aber anstelle aufzuhören, der Bouzoukispieler war ebenfalls in seinem Spiel erstarrt, fĂŒhlte er sich motiviert, weiterzusingen.
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Ich habe nicht verstanden, was er sang. Da ich aber jahrelang in DĂŒsseldorf gearbeitet hatte, wusste ich, dass es das typisch rheinische Platt war, was sich mir nie eröffnet hatte. Die Wörter kamen mir zu grob und hölzern vor. Peter war nicht mehr aufzuhalten und sang weiter bis er wie ein Baumstamm ins Wasser, auf den Boden, fiel und keinen Pieps mehr aus seiner Kehle kam. Der kleine Skandal war perfekt. Alle redeten wild und gestikulierend durch die Gegend. Wohl oder ĂŒbel mussten wir den schweren Mann auf einen Pickup laden und nach Hause bringen. Am anderen Morgen war alles beim Alten. Peter hatte nie einen Kater, er hĂŒpfte nach langem Schlaf erfrischt aus dem fĂŒr ihn viel zu kleinem Bett, stellte sich auf den Balkon und schmetterte sein erstes „ich freue mich“-Liedchen aus seinem unerschöpflichen Reservoir rheinischen Liedergutes.
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Meine alte Mutter schĂŒttelte den Kopf und ließ missmutig ihre langen, weißen Zöpfe wirbeln. Ein paar Tage spĂ€ter luden wir Peter hoch auf eine Fahrt nach Kastro ein. Wir dachten, wenn wir ihn beschĂ€ftigen, dann wird er vielleicht seiner dĂŒrstenden Freude nicht mehr so extrem nachgehen. Fehl gedacht, Peter zauberte wie aus dem Nichts einen Kasten Bier hervor, nahm hinten auf dem Pickup Platz und öffente seine erste Flasche Bier auf. Was sollten wir tun ? Ihm das verbieten ? Nein, wir waren viel zu höflich und fuhren los. FrĂŒher war der Weg hoch nach Kastro ein schmaler, kaum erkennbarer Weg und hart an der Grenze des Abhanges vorbei. Peter störte das nicht, er sang begeistert, wir verstummten, wir erstarrten, er bewegte sich munter da hinten auf seinem ungemĂŒtlichen Platz. Oben angekommen, stieg Peter aus und fiel wie beim letzen Mal im Kafenion wie ein abgesĂ€gter Holzstamm um und war im Nirwana seiner alkoholisierten TrĂ€ume entschwunden. Höchstwahrscheinlich sang er dort weiter …………

 

Diesmal war es richtig peinlich, denn ich musste Freunde aus Kastro fragen ob sie mir helfen, den besoffenen Kerl wieder ins Auto zu verfrachten.

 

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Jetzt war es genug und ich beratschlagte mich mit abends mit meiner Frau, was wir tun können, damit uns Peter nicht weiter in peinliche Situationen hineinfeuerte. Wir mochten ihn gerne, da er ein herzensguter Kerl war, aber das konnten wir so weiter nicht zulassen. Meine Frau hatte eine rettende Idee. Nachmittags als Peter zu uns herunterkam forderte meine Frau Peter auf, Platz zu nehmen. Peter, meinte sie, ich kenne ein altes griechisches Hausmittel, wie du sofort wieder nĂŒchtern wirst. Viele der Frauen oder MĂŒtter haben dieses Rezept an ihren Söhnen und MĂ€nnern angewendet, wenn sie einfach nicht mehr wach zu bekommen waren. Peter war sehr interessiert und rutschte nĂ€her.

 

Man nehme:

1 scharfe große Zwiebel
Etwas Olivenöl
1 Stoffserviette

Einen Faden

 

Die Zwiebel wird ganz fein gehackt und mit etwas Olivenöl zu einem groben Brei zerstoßen. Diese Masse kommt in eine Stoffserviette, die oben mit einem Faden zu einem SĂ€ckchen zusammengebunden wird. Wenn die MĂ€nner und Söhne besoffen im Bett oder sonst wo lagen, sind die Frauen und MĂŒtter mit diesem SĂ€ckchen zu ihnen gegangen und haben das SĂ€ckchen ganz leicht an ein anderes körperliches SĂ€ckchen gehauen. Der Duft der Zwiebel und die ErschĂŒtterung an einer sensiblen oder sensibelsten Körperstelle des Mannes hat die harten Jungs wieder zu einer sofortigen AusnĂŒchterung verholfen.

 

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Nee nee meinte Peter, dat glöve ich ever net. Doch, doch meinte meine Frau, wenn du das nĂ€chste Mal wieder umkippst und wir uns Sorgen machen, dass wir dich nicht mehr wach bekommen, komme ich zu dir und wende diese Ă€ußerst wirksame Prozedur an. Dann wirst du schnell wach und wir mĂŒssen uns keine Sorgen mehr machen und du kannst den Tag noch erfrischender als vorher beginnen. Das ist doch was oder Peter ?

Peter konnte die nÀchste Nacht kein Auge zutun und schaute stÀndig auf die Treppe, ob meine Frau mit dem SÀckchen ihm einen Besuch abstatten kam. Peter machte auch in der nÀchsten Nacht kein Auge zu. Wir wussten das und lachten uns in den Schlaf. Auch wurden seine Biere merklich weniger und anscheinend hatte seine goldene Kehle den Sack verschluckt, denn gesungen hat der den restlichen Urlaub nicht mehr.

Die Geschichte ist wahr, ob es allerdings wirklich ein altes, griechisches Hausmitel ist, das bleibt mein Geheimnis.

 

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2 replies »

  1. möchte tausend mal entschuldigen,aber ich glabe nich …
    ne ne ne !!!
    nicht das rezept nicht gibt,sondern das der Peter sein liblings beschĂ€ftigung nach gab …
    αγάπη χαιρετισμούς

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  2. Hallo Alex,

    🙂 klar ging er seiner LieblingsbeschĂ€ftigung nach, aber er musste auch mal eine Pause machen und da musste ein griechisches Rezept her ;).

    Eυχαριστώ πάρα πολύ, με πολλούς χαιρετισμούς, γεια σου 🙂

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