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Winterzeit auf Thassos

Meine gro├če Liebe ~ der Fischer erz├Ąhlt

Es ist „noch“ Winter auf Thassos, aber ! langsam fangen die Mandelb├Ąume an zu bl├╝hen und kleine Blumen brechen aus der kalten Erde hervor. Wir hatten viel Regen, Schnee in den Bergen und im Moment wird es wieder w├Ąrmer. Ich genie├če diese ruhige Zeit und wir hatten viel Mu├če in den letzten Wochen die Dinge zu tun, die wir immer im Winter machen. Freunde treffen, gut essen gehen, lange Spazierg├Ąnge, kleine Ausbesserungsarbeiten, an warmen ├ľfen sitzen und nat├╝rlich Weihnachten feiern wie auch das neue Jahr zu begr├╝├čen. Nicht mehr lange und Karneval steht vor der T├╝r und die nachfolgende Fastenzeit.
ThassosAnfang Dezember musste ich meine Frau in das neue Krankenhaus in Kavala bringen, da sie sehr krank war. Das neue Krankenhaus in Kavala liegt oberhalb der Stadt kurz vor den Auffahrten auf die Autobahn nach Saloniki oder Xanthi. Viel Zeit habe ich dort verbracht durch lange Wartezeiten und Gespr├Ąche mit ├ärzten und Krankenhauspersonal. Viele Missverst├Ąndnisse und ├ärgernisse, da ich im Grunde alles erfragen und nachverfolgen musste damit ich sicher war, dass meine Frau dort gut versorgt ist. Die kleinen Pausen habe ich au├čerhalb verbracht und wurde oft mit einem sehr sch├Ânem Blick in Richtung Samothraki und Thassos belohnt. Kavala wie immer imposant, als Tor zum Meer im Vordergrund. In diesen Minuten fand ich eine kleine Auszeit von den Sorgen und N├Âten, die ich mit meiner Frau teilte.
Thassos
Oft fuhr ich traurig wieder nach Thassos und schaute abends lange auf das Meer und versuchte Antworten auf die Fragen zu bekommen, die mich qu├Ąlten. Bei diesen Gedanken ging ich weit zur├╝ck in meine Vergangenheit. In die Zeit wo ich das erste Mal meine Frau erblickt hatte.
Thassos
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Es war ein dunkler Tag kurz vor Weihnachten, als ich in den 1960er Jahren Thassos verlie├č, um in Deutschland arbeiten zu gehen, wie viele meiner Freunde auch. Nach einer langen Reise kamen wir in D. an, wo ich schnell eine Anstellung in einer Schlosserei fand. Ebenso hatte ich Gl├╝ck und fand ein kleines Zimmer in einem etwas heruntergekommen Haus in einem Vorort. Die Vermieterin war eine alte Dame, die mir von Anfang an half, meinen ungewohnten neuen Alltag mit zu gestalten. Die Arbeit war fremd f├╝r mich und ich musste mich sehr zusammenrei├čen, sie zu erlernen. Hinzu kam die fremde, ungewohnte Sprache, die ich abends an meinem K├╝chentisch m├╝hsam ├╝bte. Aber mein Blick schweifte mehr als oft zu dem K├╝chenfenster und ich fing an zu tr├Ąumen. Ich tr├Ąumte von einem warmen Kaminfeuer hoch oben in Kazaviti, wo wir oft im Winter essen gegangen waren. Fr├╝her gab es noch keine Stra├čen, es waren kleine Wege und trotzdem besuchten wir dort Freunde und sa├čen stundenlang in einer gro├čen Runde und a├čen k├Âstliche Speisen.
Thassos
Es war eine sch├Âne Zeit und den Duft von gebratenen K├Âstlichkeiten aus dem Ofen, Kartoffeln, duftende Winterkr├Ąutersalate, Zitronen, Orangen, Anis und meinem Lieblingsgericht „K├│tsi sto fo├║rno“ Schweinshaxe mariniert und lange gebraten im Ofen mit Kr├Ąutern, werde ich nie vergessen.
Thassos
Ich bekam eine heftige Sehnsucht nach Thassos und K├│tsi und stand auf, um das Fenster zu ├Âffnen. Ich brauchte kalte Luft, um wieder zu mir zu kommen. In dem Moment wo ich vor langer Zeit aus dem Fenster hinausschaute sah ich meine Frau zum ersten Mal. Die sch├Ânste Frau, die ich je gesehen hatte und mich durchzuckte ein elektrischer Schlag und er schlug mitten in mein Herz. Wie ein sabbender Hund gaffte ich dieser Erscheinung hinterher und konnte mich gerade noch zur├╝ckhalten, nicht auch noch zu jaulen vor Erstaunen.
Thassos
Die ganze Nacht lag ich wach und dachte an diese Frau, nebenbei hatte ich argen Hunger und morgens entschied ich, dass ich mir dringend Schweinehaxen besorgen musste, damit ich mein Lieblingsgericht nachkochen konnte, auch um mich abzulenken. Ich f├╝hlte, dass ich mich auf den ersten Blick in diese Frau verliebt hatte.
Thassos
Schweinehaxen ……….. ich ├╝berlegte wie ich diese bekommen k├Ânnte aber vorab musste ich das deutsche Wort daf├╝r finden. Ich fragte meine Vermieterin, bzw. versuchte ich ihr das was ich wollte zu erkl├Ąren. Ich sprach von K├│tsi und malte ihr Schweine auf, aber anscheinend sahen meine Schweine aus wie Katzen, denn sie meinte nur die „Kotzen“, Katzen. Erst viel sp├Ąter wusste ich, dass ihr Dialekt – sie kam aus Bayern – die naheliegendste Erkl├Ąrung f├╝r K├│tsi war. Aber Katzen wollte ich nicht essen ……… ein n├Ąchster Versuch von ihr war auch nicht kl├Ąrend f├╝r mein gesuchtes Wort. Sie dachte ich meinte „Kotzen“ und f├╝hrte mich zur Toilette, wo sie ein Erbrechen imitierte. Nein, nein beruhigte ich sie und belie├č es f├╝r heute dabei, so kamen wir nicht weiter, denn ich wusste nicht, wie ich es ihr weiter erkl├Ąren sollte und die damaligen ├ťbersetzungsb├╝cher die ich zur Verf├╝gung hatte, f├╝hrten das Wort nicht.
Thassos
Ich sah die sch├Âne Frau noch ein paar Mal die Stra├če entlanglaufen und eines Tages hatte ich Gl├╝ck, dass meine Vermieterin bei mir war und ich fragte sie, ob sie sie kennen w├╝rde. Sie lehnte sich schmunzelnd zur├╝ck und meinte: vergiss es Herr Fischer, das ist nicht deine Liga. Die Frau kommt aus reichem Hause und sie wird dich wohl nie beachten, geschweige denn ein Gespr├Ąch mit dir beginnen. Warum fragte ich ? Weil sie einen sehr reichen Vater hat und ich ihn kenne. Er w├╝rde es nie erlauben, dass sie mit dir ausgehen darf. Verstanden habe ich das nicht wirklich, aber auch hier belie├č ich es dabei und machte mir meine eigenen Gedanken und ich wusste – ahnte, dass ich sehr wohl die Chance bekommen w├╝rde, sie kennenzulernen.
Thassos
Ein bisschen traurig an diesem Abend war ich schon und als ich in mein Bett stieg war mir kalt. So kalt wie ich es aus Thassos kenne, wenn ich auf dem Weg in die Berge und Schnee gefallen war. Oft kam der eisige Wind aus ├Âstlicher Richtung durch die Berge hinab ans Meer gefegt und brachte als Beilage dicken Hagelzucker aus Schnee mit. Der Wind peitschte den Schnee wie eisige Geschosse in mein Gesicht und die Wege durch die Berge wurden zu einer Tortur. Ich freute mich sehr, wenn ich wieder unten am Meer war. Der Schnee war meistens verschwunden und nur der Wind w├╝hlte mich und das Meer weiter auf.
Thassos
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Thassos
In dieser Nacht tr├Ąumte ich von einem dieser wahnsinnigen Sonnenunterg├Ąnge im Winter am Meer. Die Farben unwirklich in Lila-Gelb und Rott├Ânen und die Schw├Ąrze, die anfing die Welt um mich herum zu verdunklen. Ich tr├Ąumte davon, dass die sch├Âne Unbekannte neben mir sa├č und es geno├č, die Sonne mit mir untergehen zu sehen. Wer wei├č, vielleicht hatte ich ja bald schon die Gelegenheit dazu ………… Ich musste nur weiter fest daran glauben und warten …………. glauben und warten ………. glauben und warten …………. hoffen und bange warten ……….. hoffen und bange warten ……….. nur nicht die Hoffnung verlieren ……….
Thassos
Der Tag kam und auch die Schweinshaxe lernte ich kennen. Zwischenzeitlich fiel mir auf, dass die Menschen hier gerne deftige Sachen essen und ab und zu Schweinshaxen auf den Speisekarten der Lokalit├Ąten hier angeboten wurde und ich somit auch das deutsche Wort kennenlernte. Ich machte mich an einem Freitag auf den Weg in eine kleine Metzgerei, um sie mir zu kaufen. Ich st├╝rmte freudig in den Laden und stie├č sobald mit einer Frau zusammen, die an der Theke stand und gerade im Begriff war, etwas zu bestellen. Ich entschuldigte mich sofort und packte sie vorsichtig mit meinen starken Armen, damit sie nicht stolperte und blickte in dicke, riesige, dunkle, braune Augen …….. Sie war es, meine sch├Âne Unbekannte, die ich vor ein paar Wochen, nein Monaten, aus meinem K├╝chenfenster heraus erblickt hatte und Eros mich mit begehrlicher Leidenschaft beworfen hatte und Aphrodite sp├Ąter das Zepter in die Hand nahm und mich zus├Ątzlich mit Liebe, Sch├Ânheit und Sinnlichkeit infizierte.
Thassos
Ich entschuldigte mich in vollendeter Form und bat sie gleichzeitig als Wiedergutmachung mit mir einen Kaffee trinken zu gehen. Sie schaute mich kurz fragend an, willigte aber ein und wir gingen in ein stadtbekanntes Caf├ę und bestellten etwas. Ich erz├Ąhlte ihr sofort von unserer ersten Begegnung vor einiger Zeit vor meinem K├╝chenfenster und das ich schon lange darauf gewartet hatte, sie kennenzulernen. Ich versuchte so gut wie m├Âglich meine Deutschkenntnisse zum Besten zu geben und sie verstand mich. Als ich ihr die Geschichte mit der Schweinshaxe erz├Ąhlte, dem Gericht „K├│tsi sto fo├║rno“ brach sie in schallendes Gel├Ąchter aus. Auch sie wollte heute in der Metzgerei f├╝r das Wochenende Haxen kaufen und nat├╝rlich hatten wir beide es vergessen, nachdem ich sie nach unserem Zusammensto├č zum Kaffee eingeladen hatte.Hier hatte wohl der griechische Gott „Kairos“ seine H├Ąnde im Spiel. Der Gott der g├╝nstigen Gelegenheiten, des rechten Augenblicks. Kairos war der j├╝ngste Sohn von Zeus und nun verstand ich auch den Stromschlag, der mein Herz ereilt hatte. All diese G├Âtter hatten mich vorab gefangen genommen und nun sa├č ich im Gerichtssaal und diese Stunden w├╝rden entscheiden, ob ich frei kam und diese Frau f├╝r den Rest meines Lebens begleiten d├╝rfte. Ich konnte, durfte das „Gl├╝ck am Schopf packen“.

So beschreibt der griechische Dichter Posidippos aus dem 3. Jh. v. Chr. den Gott „Kairos“:

Woher kommt dein Sch├Âpfer?
Aus Sikyon.
Wie hei├čt er?
Lysippos.
Wer bist du?
Ich bin Kairos (die Zeit, der Augenblick), der alles ├╝berwindet.
Warum l├Ąufst du auf Zehenspitzen?
Ich laufe best├Ąndig.
Warum hast du Fl├╝gel an den F├╝├čen?
Ich komme pl├Âtzlich wie der Wind.
Warum hast du in der rechten Hand eine Schneide?
Um den Menschen zu zeigen, dass ich sch├Ąrfer zertrenne als alle anderen.
Warum f├Ąllt dir eine Haarlocke in den Stirn?
Damit derjenige der mich begegnet, mich auch ergreifen kann.
Warum in Gottes Namen hast du einen kahlen Hinterkopf?
Wenn ich einmal vorbeigeflogen bin, wird mich keiner von Hinten ergreifen, sosehr er sich auch bem├╝ht.
Warum hat dich der K├╝nstler geschaffen?
Wegen euch Wanderern als Denkansto├č.

Thassos
Ich erz├Ąhlte ihr von Thassos, der wundersch├Ânen gr├╝nen Insel, dem Meer, die Sonnenunterg├Ąnge und meinem Leben dort. Sie erz├Ąhlte von ihrem Leben, dass sie sich gefangen f├╝hlt, weil ihr Vater ihr kaum etwas erlaubte, sie immer fr├╝h zu Hause sein musste und er eifers├╝chtig dar├╝ber wachte, mit wem sie zusammen ausging. Sie f├╝hrte zwar ein Leben voller augenscheinlicher Annehmlichkeiten, aber sie kaum die Welt um sich herum kannte. Ich fragte sie vorsichtig, ob wir es nicht irgendwie einmal hinbekommen k├Ânnten, dass sie mit mir griechisch tanzen geht. Sie hatte Lust, meine Lebensart zu entdecken und ├╝berlegte, wie sie ihren Vater austricksen k├Ânnte.
Thassos
Ich muss aber noch erz├Ąhlen, dass ich „kein“ griechischer „Kamaki“ war, ein Aufrei├čer, der nur eines im Kopf hat, den Frauen nachzujagen. Meine Mutter lehrte mich schon fr├╝h, dass man Frau wie Mann gleichwertig respektiert. Das Frauen irgendwann einen besonderen Platz in meinem Leben einnehmen werden und das Leben nur wirklich wertvoll w├Ąre durch die Liebe, den Respekt und die Toleranz. Da ich meine Mutter sehr liebte, hatte ich das schnell begriffen. Im Gegensatz zu meinem Bruder, der war in dieser Beziehung ganz anders. Er war wild und nicht kontrolliert. Er trank gerne und am├╝sierte sich oft. Ich meine zu oft in seinem Leben und so einige Menschen hatten darunter gelitten. Es dauerte lange bist er verstand, dass sein Leben so auf Dauer nicht zu leben war, ohne dass er Schaden nahm. Vielleicht war es unsere Armut, mit der er nicht klar kam und der Alkohl diese Gef├╝hle d├Ąmpfte und ihn mutig machte Dinge zu tun, die ihm letztlich nicht gut getan hatten. Aber besser sp├Ąt als gar nicht.
Thassos
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Meine Sch├Âne noch Unbekannte schaffte es, ihrem Vater einen Schwimmkurs nahezulegen, den sie besuchen wollte. Als Anreiz erz├Ąhlte sie von dem Urlaub, den sie mit ihrer Schwester im n├Ąchsten Jahr in Italien verbringen wollte. Der Kurs w├╝rde ihren Schwimmstil sicher machen und ihr Vater br├Ąuchte weniger Sorgen zu haben, wenn sie im italienischen Meer schwimmen gehen w├╝rde. Er sah das als logisches Argument und erlaubte ihr den Kurs, der sp├Ątabends in einem nat├╝rlich etwas entfernteren Schwimmbad in den n├Ąchsten Wochen stattfinden sollte.
Thassos
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Den Badeanzug nahm sie mit zu unserem zweiten Treffen und vorsorglich, damit sie es nicht verga├č, n├Ąsste sie ihn in der Toilette der kleinen griechischen Tanzkneipe ein und wickelte den vermeindlich benutzten Badeanzug in ein Handtuch. An diese Abend – glaube ich – verliebte sie sich nicht nur in mich, sondern auch in die griechische Lebensart. Wir sa├čen an einem kleinen Tisch, tranken einen leichten Rotwein und a├čen winzige Vorspeisen, die ihr k├Âstlich mundeten. Als die Musik anfing und die ersten M├Ąnnern tanzten, sah sie sprachlos zu. Sie fragte mich: kannst du auch so tanzen ? Ja erwiderte ich: m├Âchtest du mich tanzen sehen ? Aber sicher meinte sie und ich begab mich auf die Tanzfl├Ąche und fing an, ruhig zu tanzen. Die Musik wurde intensiver und rhythmischer und auch ich drehte mich schneller und sprang oft in die Hocke, riss meine Arme hoch und schloss beseelt die Augen nachdem ich bemerkte, dass „Theresa“ meinen Tanz in vollen Z├╝gen genoss.
Thassos
Ich k├╝sste sie an diesem Abend zum ersten Mal und entgegen der negativen Meinung meiner Vermieterin wurden wir ein Paar. Wir trafen uns in der kleinen Tanzkneipe solange, wie der Schwimmkurs von Theresa gehen sollte. Danach kamen noch ein N├Ąhkurs, der unbedingt belegt werden musste, wie auch ein Koch- und Hauswirtschaftskurs. Nie sahen die Kursleiter und Teilnehmer Theresa, ich aber daf├╝r umso mehr.
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———— ~ so habe ich meine Frau in Deutschland kennengelernt und sie sp├Ąter nach unserer standesamtlichen Heirat mit nach Thassos genommen, wo wir anfingen ein Haus zu bauen um sp├Ąter eine kleine Pension zu er├Âffnen. Theresa wurde von ihren Eltern enterbt und rausgeschmissen als sie herausbekamen, dass sie heimlich das erste Mal nach Thassos / Griechenland mit dem Zug gefahren war, um das Land, die Insel, kennenzulernen anstelle mir ihrer Schwester nach Italien zu reisen ……………
Aber das ist eine andere Geschichte ………
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