Thassos - Prinos

Thassos Montags-Markt in Prinos und Thassos Honig

Thassos, am 14. August 1828

Ich habe mich lange gesehnt, diese Insel zu sehen, von der fast kein Reisender spricht. Da wir ein paar Raaen bedurften, so beschlossen wir, diese holzreiche Insel zu besuchen. Wir gingen am 7.6. unter Segel, lavierten am 8. zwischen Mytilene und Scio, waren am 8. hart an Agioi Strati, einer öden Insel, die dennoch ein Dorf nährt und ankerten am 10. an der Klippe Thasopulo, der Einbucht von Thassos gegenüber. Gleich nach Tische bestieg ich die Insel. Ein hölzerner Damm, auf Marmorblöcken liegend, lässt die Anfahrt zu dem einzigen Haus, neben dem ein paar Hütten und ein Kramladen stehen. Der Uga bewohnt es während des Tages, zieht aber jeden Abend, aus Furcht vor den Seeräubern, in das andertalb Stunden entlegene Dorf Panagia. Ich bestieg an diesem Abende die Burg und nahm einen allgemeinen Überblick. Darüber wurde es Nacht. Ich ging durch Gesträuch und Dornen, über Fels und Absturz herab.
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Tags darauf war ich schon früh auf meinem antiquarischen Ausfluge. Von der Burg aus liegen See und Land weithin aufgethan. Im äußersten Südost schwebt Imbros, dem gegen Nord die hohen Samothraken aufsteigen. Weiter hin verliert sich der Blick in die See, bis er Kap Marogna und dem Berge Imaros der macedonischen Küste begegnet. Dann zeigt sich der Golf von Lagos und das flache Vorgebirge, wo die Ebene von Sariffuban beginnt, die mehrere Meilen tief und beit, mit Oelbäumen und anderem Anbau bedeckt, im Norden von Thassos sich hinbreitet, bis wo an ihrem westlichen Ende das Gebirge von Kavala in die See tritt. Kavala zeigt sich sehr stattlich. Die Mauern der Stadt scheinen aus den Wellen zu steigen; Gebäude und Moscheen ragen darüber und werden ihrerseits wieder von dem Schlosse überragt. Zur Rechten verbindet eine Wasserleitung mit Bogen und zwei Stockwerken übereinander gestellt, zwei Hügel. Im Rücken der Stadt entdeckt man die Straße nach Saloniki. Zur äuersten Linken hatten wir den Mond Pangeus.
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So weit wir die Insel überblickten, war nur Wald und Gebirg. Nur Griechen bewohnen sie. Man zählt dermalen neun Ortschaften: Bolgaro, Kassawith, Sotiro, Kaikarahi, Marieß, Kastro, Theolog, Potamia und Liman oder Panagia. Diese haben zusammen 120 Häuser; die Bevölkerung wird also zwischen fünf und sechstausend Seelen sein. Die Haupterzeugnisse der Insel sind Öl, Mais, Honig, Wein und Bauholz.
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Die Griechen von Thassos nahmen teil an dem griechischen Aufstande, aber sie beschränkten sich darauf, den Uga, ohne ihm Leides zu tun, an die macedonische Küste zu führen. Die Überschwemmung durch Seeräuber, welche die Insel bald darauf erlitt und die, an 800 Mann, die Dörfer plünderten, und die reinen Sitten dieser wenig besuchten Stellen mit Füßen traten, stimmte sie gegen den Aufstand. Sie holten ihren Uga wieder und kauften sich seit dieser Zeit von den Plünderungen der geichischen Kreuzer durch eine Art Tribut los, welche sie denselben „für den Schutz gegen den Seeraub“ zahlen.
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Auszug aus:
Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus dem Orient vom Ritter Profesch von Osten, Stuttgart 1837

1Der kleine Wochenmarkt und Treffpunkt von Prinos
2Hallo mein lieber Fischer, ein interessanter Textauszug aus einem alten Buch, wie bist du denn an dieses Buch gekommen ? Mein lieber Thýmos, in meiner langen Zeit in Deutschland habe ich oft nach Büchern gesucht, die meine Heimat beschreiben und in Antiquariaten wurde ich manchmal fündig und dazu gehörte dieses Buch. Ich wollte mir immer vorstellen, wie es vor langer Zeit auf Thassos ausgesehen haben mag, wie die Menschen lebten, Thassos entdeckt und empfunden haben. Meine Familie konnte mir nicht viel erzählen, da das Leben meiner Eltern sehr mühevoll war und wir keine Bücher besaßen. Umso mehr freute ich mich, wenn ich ein altes Reisebuch in staubigen Regalen finden konnte, das mir das Leben auf Thassos vor langer, langer Zeit näher brachte. Wie ich immer wieder herauslesen konnte, auch dieses Leben war nicht einfach, aber unsere Insel wurde schon immer als ein wunderschönes Kleinod bezeichnet. Grün, voller Leben, in prachtvolles Licht gebadet und reich an natürlichen Produkten.

 

3Der Wochenmarkt von Prinos findet jeden Montag in den frühen Morgenstunden statt. Prinos ist ein mittelgroßes Dorf, welches an der Westküste von Thassos liegt. Es lohnt sich diesen kleinen Wochenmarkt zu besuchen, auch wenn er nicht zu den klassischen Märkten zählt, die z. B. in Saloniki zu finden sind. In der Saison ist der Markt allerdings sehr voll und es wird schwer, morgens einen Parktplatz in den engen Straßen rund um das Health-Center (eine kleine klinische Einrichtung in Prinos) zu finden. Jeder nur verfügbare Platz wird zum parken genutzt. Der Weg ist oft versperrt oder es gibt kein Vor- und Zurück, da die Schlange der parkplatzsuchenden Menschen in ihren Autos stauähnlichen Charakter annimmt.
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4Hier sollte man schon früh auf den Beinen sein, am besten vor 09:00 Uhr und sich einen Parkplatz suchen. Ein bisschen laufen schadet nicht, denn der Ort selber bietet viele, schöne Stellen und kleine Cafés die vor und nach dem Marktbesuch einladen, sich etwas auszuruhen. Natürlich halten auch die Busse (Haltestelle unübersehbar) am Marktgelände.

 

5Das kleine Krankenhaus (Health-Center) befindet sich von Limenaria aus kommend ein paar Straßen vor dem Marktplatz rechter Hand. Der Markt selber befindet sich in der Ortsmitte auf dem länglichen Platz. Die kleine Bäckerei links gegenüber dem Platz auf der Küstenstraße ist ein kleiner Tipp: sehr leckeres, schmackhaftes Brot und Backwaren, wie auch eine sehr freundliche Bedienung die gerne hilft, sich bei den vielen leckeren Angeboten zu entscheiden.

 

6Im oberen Teil des Marktes finden sich hauptsächlich Kleidung, Jeans, Lederwaren, Haushaltsutensilien, Bettwäsche, Stoffe, Unterwäsche, Schuhe etc., im unteren Teil zur Küstenstraße hin den größten Teil des Obst- und Gemüseangebotes, Blumen, Samen, Oliven, Honig, Kräuter und natürlich Tsipouro.
7Die Obst- und Gemüsevielfalt ist riesig. Es lohnt sich zuzuschlagen, denn die Preise sind günstiger als in den Lebensmittelläden. Alles was der Boden anbietet zu den verschiedenen Jahrezeiten wird laut angepriesen.
8Ich selber gehe immer gerne an den kleinen Ständen einkaufen. Liebevoll verpackte kleine Päckchen mit den verschiedenen Olivensorten. Probieren geht immer und wird gewünscht, denn dadurch entstehen die kleinen, netten Unterhaltungen mit den Menschen vor und hinter den Ständen, auch um die brandneuen Neuigkeiten weiter zu verbreiten, die, wenn sie in die Zeitung kämen, schon lange veraltet wären.

 

9Bei den sehr günstigen Preisen bietet es sich an, mit abgezählten Geld zu bezahlen. Sehr große Geldscheine sind nicht gerne gesehen, denn es benötigt viel Zeit, das Geld zu wechseln und der nächste Kunde, der hinten ansteht wird gerne nervös, wenn es nicht weitergeht.
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11In der Mitte des Marktes steht ein lieber, älterer Grieche, der seine selbstgepflückten Kräuter anbietet. Bergtee, Thymian, Oregano und das schon seit vielen Jahren. Er hat lange in Deutschland gearbeitet und freut sich immer, ein paar Brocken Deutsch zu reden und wenn jemand aus Köln oder Umgebung kommt, strahlt er noch ein bisschen mehr und freut sich über kleine Erzählungen aus seiner zweiten Heimat.

 

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15In den warmen Monaten wird es schon in den frühen Morgenstunden sehr heiß sein auf dem Markt. Ein kleines Café auf der Mitte des Marktes wird gerne aufgesucht, um seinen Durst zu stillen. Hunger hat man ebenfalls, denn das Café bietet gegrillte Souflaki an, und der Geruch lässt einen schnell das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ebenso kann man von dieser Stelle aus das Treiben des Marktes beobachten. Man möchte gar nicht mehr aufstehen von diesem Logenplatz.
16Umkleidekabinen gibt es nicht, anprobiert wird hinter dem Stand entweder verdeckt von einem Tuch oder im Kleinlaster, wenn er dahinter steht. Die Anbieter finden in der Regel „immer“ eine passende Hose oder anderes Kleidungsstück aus ihrem reichhaltigen Größenangebot. Das Handeln lohnt sich nicht wirklich, oft sind es schon Festpreise und die sind schon so günstig, dass es unhöflich wäre, den Preis noch mehr drücken zu wollen.
17Jetzt habe ich noch eine kleine Überraschung für dich lieber Thýmos. Wir sind eingeladen, beim Honigschleudern zuzuschauen und gleich geht der Bus nach Rachoni, wo wir uns mit Freunden treffen werden.
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Theokritos
Übersetzung Leo von Seckendorf

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Der Honigdieb

Eros, den näschigen Dieb, stach jüngst ein tükkisches Bienchen,
Als aus dem Korb er Honig entwendete, traf ihm der Finger
Spitzen all‘ in der Hand. Das schmerzet‘ ihn sehr, in den Händchen
Blies er, stampft‘ auf den Boden, und sprang hoch auf. Afroditen
Zeiget‘ er nun sein Weh, und klagete, daß ein so kleines
Thierchen die Biene doch sei, und schlüg so gewaltige Wunden.
Lächelnd die Mutter darauf: Was ? bist du nicht ähnlich der Biene,
Bist du nicht selbst auch klein, und schlägst so gewaltige Wunden ?
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20Thassos ist sehr bekannt für seine Honigproduktion. Von bitter bis zuckersüß, hell bis dunkel und vielfältig in seiner Auswahl an Pinien-, Kastanien-, Thymian-, Wald-, Kiefern-, Blütenhonig. Honig wurde auf Thassos schon in der Antike gewonnen und war bekannt für seinen Geschmack und heilerischen Kräften.
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In der Honig-Fabrik nahe Skala Prinos kann man alles über den Honig von Thassos und seiner Herstellung erfahren. Ebenso sind dort verschiedene Arten von Honig und Bienenwachs-Produkte zu kaufen. Honig findet man aber überall auf Thassos, ob in den verschiedenen Geschäften oder am Straßenrand.

 

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Auszug aus der Imkergenossenschaft von Thassos (Skala Prinos)

 

Seit der Antike und in fast jeden Land der Welt wurde Honig gewonnen. Der Mensch wusste, dass Honig mit außergewöhnlichen Fähigkeiten verbunden war und wesentlich zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit mittrug, wie die Behandlung vieler Krankheiten. Im alten Ägypten, Babylon, Indien, China gibt es viele Beispiele an Vasen, in Schriftrollen, Wandbilder mit Szenen des Alltags, wo auf die Ernährung und Behandlung von Krankheiten, wie auch Verbesserung des Verdauungs- und Atmungssystems durch den Honig hingewiesen wurde. Honig regt die Durchblutung an, stärkt die Herzfunktion, lindert arthritische Schmerzen, heilt Wunden wie Verbrennungen und Hauterkrankungen durch Umschläge. Als Salbe zur Verbesserung von Augenkrankheiten, im Tee gegen Erkältungskrankheiten und nebenbei war und ist seine Verwendung als Kosmetikum unumstritten.
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Langlebigkeit und hilfreich zur Stärkung des Muskelaufbaus, entgiftende und reinigende Eigenschaften wurden dem Honig schon in der Antike zugeschrieben. Hippokrates, Aristoteles, Pythagoras und Demokrit schworen nicht nur auf die tägliche Ernährung mit Honig sondern auch die Heilfähigkeit des Honigs. Sie empfahlen ihren Schülern, Studenten, Honig zu verwenden, um alle möglichen Arten von Krankheiten zu behandeln. Ebenso ist bekannt, dass die antiken Sportler und Krieger(innen) äußerlich wie innerlich mit Honig behandelt worden sind mit guten Ergebnissen sowohl in der Leistung und in der Rehabilitation und Erholung des Körpers.
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Honig sollte in keinem Haushalt fehlen, auch für die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder.

 

22Kein Honig ohne Bienen und die Bienenkästen finden sich auf den unzähligen Wegen quer durch die Wildniss von Thassos oder in Meernähe. Die Bienen sind den Thassioten heilig, sie werden mit größtmöglicher Sorgfalt gepflegt und halten sie gesund. Die Bienen werden im Winter nicht zugefüttert, sondern mit ihrem eigenen Honig versorgt, was sie stärkt und gegen Krankheiten immunisiert.
23Honig enthält viele verschiedene Zuckerarten wie Glucose, Fructose oder Sacharose. Diese Zuckerarten sind wichtige Energielieferanten für den Körper, werden schnell aufgenommen und spenden Kraft bei größeren Belastungen. Nebenbei enthält Honig Spurenelemente, Enzyme, Proteine, Mineralien, Geschmacks- wie Farbstoffe, Pollen und Vitamine.

33Aus Honig / Waben werden nebenbei noch Scheibenhonig, Kerzen, Seifen, Cremes, Salben, Propolis, Blütenstaub und Gelée Royal hergestellt.

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25Der Honig wird rein und ohne jegliche Entfernung von den Komponenten der Waben kalt geschlagen. Es werden keine weiteren Zusatzstoffe hinzugefügt, der Honig bleibt rein. Ein natürlicher Prozess der reinen Honigproduktion ist die Kristallisierung des Honigs. Dieser Kristallisation beeinträchtigt nicht die Qualität des Honigs. Der kristallisierte Honig kann pur genossen werden oder im Wasserbad bei ca. 40° wieder verflüssigt werden.
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27Honig hat noch viel mehr Fähigkeiten. Honig verfeinert Milchspeisen, süßt, glasiert Speisen, trägt zur Geschmacksverstärkung bei, z. B. bei Käseplatten und ist in vielen Kochrezepten nicht mehr wegzudenken. Selbst die Zugabe von Kräutern wie Thymian geben dem Honigbrot- oder brötchen einen außergewöhnlich würzigen Geschmack. Honigeis, Honiggetränke, Honigcocktails, Honigbier …….. und noch vieles mehr, ergeben ein reichhaltiges Angebot, gerade der Thassos-Honig, der unvergleichbar in seinen Geschmacksnuancen ist.
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32Wenn die Möglichkeit besteht, beim Honigschleudern zuzusehen, sollte man die Gelegenheit wahrnehmen. Es ist eine spannende und seltene Gelegenheit.
34Kaum etwas schmeckt besser als vor dem Prozess der Honigerstellung an einem Stück Wabe zu kauen oder den später frisch geschlagenen Honig zu probieren.

 

35Nun haben wir uns genug von dem Honig den Bauch vollgeschlagen und werden uns auf dem Heimweg machen. Wir haben nebenbei so einige Gläser Honig mitnehmen können und werden von einem Freund nach Hause gefahren, den Honig ist schwer und schwer sind auch unsere Bäuche, die dringend Ruhe bedürfen, denn in ein paar Tagen werden wir wieder Besuch bekommen und wir möchten unseren Freunden so einiges im Mai auf unserer Insel zeigen.
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