Allgemein

Vasilopita oder Hefezopf ?

 

Wir begrüßen das neue Jahr

Thassos-Limenaria

Der Fischer erzählt

Thassos-Archangelou

 

Das neue Jahr begrüßen wir in der Regel immer sehr ruhig. Theresa meine Frau hat an Sylvester immer einen Hefezopf gebacken. Es erinnerte sie an die Zeit in Deutschland, wenn sie am Neujahrmorgen den Hefezopf angeschnitten hatten, um den Tag im neuen Jahr genussvoll anzugehen. Hier auf Thassos (in ganz Griechenland) nennen wir unser Neujahrsbrot Vasilopita (Βασιλόπιτα) und in diesem Brot ist eine Münze eingebacken. Früher war es eine Goldmünze und auch heute soll die eingebackene Münze das Gold symbolisieren, welches den Menschen Reichtum und Glück verspricht. Der Kuchen wird entweder um 00:01 oder am späteren Morgen des Neujahrtages aufgeschnitten und verteilt. Derjenige der das Stück mit der Münze bekommt, dem wird ein Jahr voller Glück versprochen. Somit ist der Kuchen sehr beliebt und wer ihn nicht selber backen möchte: alle Bäckereien, Supermärkte führen die Vasilopita, für den schnellen Einkauf. Die Münze ist oft aus Plastik oder billigem Blech.

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Im Grunde ist es ein süßes Brot, was wir auch abgewandelt an Ostern essen (Tsoureki), aus einem Hefeteig erstellt und mit Gewürzen verfeinert. Jede Region, Insel, hat ihr eigenes Rezept zur Verfeinerung des Hefeteiges mit Gewürzen. Sei es mit Zimt und Nelken, Vanillestangen, Brandy, Orangenzesten oder Mastix ein Harz, der nur aus dem Pistazienbaum auf der griechischen Insel Chios gewonnen wird. Die Rinde des Pistazienbaumes wird im Juni angeritzt und das Harz kann herauslaufen. Es ist ein sehr teures Gewürz, welches ebenso in der Kosmetik, Malerei, Räucherwerk und vieles mehr verwendet wird. Daneben gibt es noch Machlepi (Nelkenpfeffer genannt), ein sehr aromatisches Gewürz, süß-sauer und nussig im Geschmack, der aus dem weichen Inneren der Steinweichselfrüchten der Mahalebkirsche gewonnen wird. Das Pulver wird sehr oft als Backzutat verwendet, wie auch beim Osterbrot Tsoureki.

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Aber Theresa hat nie Mastix oder Machlepi als Gewürze verwendet, sie backte eine eigene Form der Vasilopita. Ihr Hefeteig war deutsch/griechisch, gemischt mit Marzipan, den sie selber herstellte aus unseren Mandeln aus dem Garten, Vanille und Haselnusschnaps, mit einem Hauch von Kardamon, Zimt und Nelken. Jedes Jahr mühte sie sich ab, den Teig zu flechten. Den Teig einfach in eine Form zu bringen und eine normale Vasilopita daraus zu backen, gefiel ihr nicht. Allerdings sahen die Zopfvasilopiten immer sehr komisch aus. Manchmal waren sie unten verbrannt und oben noch hell, manchmal der Teig zäh oder brüchig und wenn es dann gar nicht klappte, wurden kleine Kugeln aus dem Teig geformt und gebacken. Dann hatten wir viele kleine „Milchbrötchen“ und in einem war dann die Goldmünze. Ja Theresa legte immer eine Goldmünze in einem der Zöpfe oder Brötchen hinein. Nachdem die Goldmünze entdeckt wurde, wurde sie schnell wieder in ein rotes Samttuch gepackt und versteckt. Wie meine Mutter so versteckte auch Theresa ihre Schätze sehr gut, so dass ich sie nie finden konnte. Wie aus dem Nichts heraus, brachte sie mir Dinge, die ich nie im Leben vermutet hätte.

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Brauchtumserklärung Vasilopita-Brot

Thassos-View

Wenn wir Lust hatten, gingen wir mit Freunden Sylvester aus. Wir trafen uns in einer Taverne, die im Winter geöffnet hatte und bildeten eine größere Parea (Kreis von Freunden) und bestellten uns die Köstlichkeiten, die der Tavernenwirt vorrätig hatte. Manchmal war das Essen gewaltig, manchmal hatte der jeweilige Wirt keine Lust und brutzelte irgendetwas zusammen. Einmal regnete es in Strömen und die Taverne, in der wir vor ein paar Jahren saßen, löste sich so langsam auf. Der Regen kam die Wände hinunter und es wurde immer kälter und das Essen nass. Ein Jahr feierten wir mit einem befreundeten Päärchen in einer der ältesten Tavernen von Limenaria und wir waren so gut drauf, dass die abgekauten Souvlakistäbchen durch das Lokal flogen. Wir hatten einen Spaß, das werde ich nie vergessen. Sotiros, der Wirt nahm es gelassen hin ……..

Thassos-Coast

Ein anderes Mal feierten wir in der Taverne Pelikanos (Limenaria) und erfreuten uns an einer der riesigen Portionen Spaghetti mit leckerer Sosse, geschmückt mit Rosmarinzweigen und Blumen. Kosta wie auch sein Lokal sind ein Unikum und wir feierten solange, bis meine Fischerfreunde – die raus aufs Meer müssen, wenn ein großer Fang lockt – spätnachts wieder nach Hause zurückkehrten, um den Fisch den Tavernen morgens anzubieten. Oft machten sie einen kurzen Halt bei Kosta und auch mit ihnen alberten und tanzten wir die restliche Nacht herum, bis wir nicht mehr konnten.

PELIKANOS VIDEO

 

Als meine Mutter noch lebte, feierten wir oft Zuhause. Das heißt, es gab ein einfaches Essen oder unser Mütterken schlachtete eines ihrer geliebten Ziegen, die wir nie essen konnten, weil wir selber die Tiere so liebten und nur unser Mütterken fröhlich schmatzend das Festmahl genoss. Wir waren froh als wir keine Ziegen mehr hatten. Der Beginn des neuen Jahres haben wir aber ebenso auch öfters verschlafen. Aber eine Hefezopfvasilopita stand immer wie von Zauberhand auf unserem Tisch bereit. Ob nun kurz nach Mitternacht oder zum Frühstück. An diesen Sylvesterabenden wenn wir Zuhause waren spielten wir Kartenspiele. Rommé konnte Theresa sehr gut und das Spielen gehört zu einer weiteren Sylvestertradition in Griechenland. Zumindestens haben wir Männer es früher ausgiebig genossen, zu spielen. Karten- und Würfelspiele (Glücksspiele) standen hoch im Kurs und diese Spiele spielten wir bis weit in die Neujahrsnacht, denn: wer viel gewonnen hatte von uns, dem stand ein ganzes Jahr Glück in allen Lebenslagen bevor und vor allen Dingen Geld und den Verlierern zumindestens das Glück in der Liebe. Kurz: wir zockten die ganze Nacht durch, was meiner Frau früher überhaupt nicht gefiel. Natürlich tranken wir daneben auch eine ganze Menge und das gefiel Theresa noch viel weniger. Sie konnte Ouzo und Tsipouro ihr ganzes Leben nicht ausstehen. Sie mochte den Geruch nicht.

Thassos-Livadi Beach

Ein Feuerwerk gibt es in der Regel nicht. Es wird in die Luft geschossen, um das neue Jahr zu begrüßen. Ich glaube letztes Jahr habe ich gerade mal zwei Raketen gesehen, die sich schnell in Luft auflösten. Ein Feuerwerk ist bei  uns auf Thassos nicht so verbreitet, aber es wird immer mehr. In den Städten auf dem Festland sieht das mittlerweile ganz anders aus. Für uns ist nach Neujahr der 6. Januar der weitere wichtige Tag. Wir feiern die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer und die Erscheinung des Heiligen Geistes (Tag der Epiphanie (Gotterscheinung) in Griechenland). Am Vortag wird in den Kirchen Wasser gesegnet, welches Haus und Hof schützen und zu einer guten Ernte verhelfen soll. Ebenso gehen Kinder an diesem Tag von Haus zu Haus und singen traditionelle Kalanta-Lieder. Nach Beendigung der Lieder werden den Kindern als Dankeschön Geldstücke gegeben, heute – früher waren es kleine Süssigkeiten. Die Kalantalieder werden nicht nur am 6. Dezember gesungen, sondern ebenso am 24. und 31. Dezember. Bei uns haben die Kinder meistens eine Triangle als Instrument mit dabei. Die Kinder klopfen an die Türe und fragen: Na ta pume ? Dürfen wir das Lied vortragen ? Ein alter Brauch an den ich mich gerne zurückerinnere. Zu uns sind die Kinder nie gekommen, wir wohnen zu weit draußen, aber wir haben immer einen Korb Süssigkeiten vor der Haustüre stehen lassen.

Thassos-Ferryboat Keramoti

Der 6. Januar ist ein gesetzlicher Feiertag in Griechenland und an diesen Morgen zieht es die Menschen in die Kirchen und nachfolgend geht eine Prozession zum Hafen und der Pope steigt in ein Fischerboot, welches ein paar Meter hinaus aufs Meer fährt. Der Pope wirft das Kreuz ins Meer und ein paar mutige junge Männer springen dem Kreuz hinterher. Der, der das Kreuz wieder hochholt, dem verspricht der Brauch zufolge Glück das ganze Jahr hindurch. Allerdings wird nicht überall das Kreuz „offen“ in das Meer geworfen. Oft – wenn das Meer z. B. zu stürmisch ist – wird ein Seil an das Kreuz gebunden. Im Landesinneren werden dann eher Behältnisse genommen, die eine größere Menge an Wasser aufnehmen können, um den Brauch des Kreuzes – in das Wasser zu werfen –  zu vollziehen. Ich habe als junger Mann auch ein paar Mal mein Glück versucht. Ich habe es nie geschafft, aber ich hatte trotzdem fast mein ganzes Leben lang Glück und vor allen Dingen in der Liebe.

 

Thassos-Kinira

Mein Lieblingskalantalieder:

https://www.youtube.com/watch?v=SFdEGCVRc-o

https://www.youtube.com/watch?v=LQai0ZZYkxE

Thassos-San Antonio Potos

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und ich hoffe, das nächste Jahr wird ein besseres Jahr. Dieses Jahr ist viel passiert und auch einige traurige Sachen, aber sie sollen mich nicht abhalten, weiter von meiner schönen Insel zu berichten. Ab und zu mit Hilfe von meinem Thýmos und unseren Gästen. Wir wünschen einen schönen Start in das neue Jahr und sehen uns im nächsten Jahr wieder.

Thassos-Skala Kallirachi Thassos-Skala Kallirachi2

Eυτυχές το νέον έτος

Kαλή Xρονιά

Thassos-Skala Marion

 

6 replies »

  1. Auch ich wünsche einen guten Übergang und ein glückliches neues Jahr. Mögest du heute die Goldmünze finden und Glück im Kartenspiel haben. Ich bin ja gerade schon reich beschenkt worden mit diesem liebevollen und ein wenig melancholischen Text. Danke dir dafür.

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  2. Danke dir liebe Wili :). Ich wünsche dir von Herzen auch einen wundervollen Übergang in das neue Jahr und sende dir symbolisch eine Goldmünze und das sich alles erfüllen mag, was du dir für dich und andere wünschst.

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  3. There is nothing quite like the first day of the year, and like you I too prefer a nice mellow day ~ the baking of sweet bread with a coin inside is such a great tradition, this is the first I’ve heard of it. The tradition of meeting with friends and family to enjoy a meal is timeless, and a thread of beauty through all cultures. From your photos and words (which google translates pretty well 🙂 ) it seems you have a great start to the New Year. Best wishes ~

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    • Yes Dalo it is a nece tradition with the coin in sweet bread in Greece and thank you again for your comment and wishes. I like to give it back and wish your a wonderful, peaceful and healthy year 2016 :).

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    • Liebe Ulla, ich danke dir und freue mich, wenn dir mein Blog gefällt :). In den 1970er Jahren waren die griechischen Insel noch ein richtiges Abenteuer. Ich war in dieser Zeit auch das erste Mal als Kind auf Thassos. Ich wünsche dir, dass du bald noch mal auf eine griechische Insel kommst LG Ariane

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