ACT-Tierschutz auf Thassos

Mit Tanja nach Potamiá

 

Der Thýmos erzählt

Potamiá ist ein weiteres, kleines Bergdorf im Nord-Osten von Thassos. Potamiá liegt über der Bucht Chriysi Akti (goldene Küste), am Hang des Ipsarion Massiv, dem größten Berg auf Thassos. Von Potamiá bieten sich mit die schönsten Wanderwege an. Hoch, eine der anspruchvollsten Wanderungen auf Thassos, zum Ipasirio, vorbei an einer sehr üppigen, grünen, feuchten Vegetation mit spektakulären Ausblicken. Das Wort Potamiá beinhaltet das Wort Fluss (Ποτάμι)  und Ποτάμια = Flussgebiet / Landschaft. Wie das Wort schon andeutet fließt durch Potamiá viel Wasser. Ein Bach, viele Rinnsale und für die Gärten angebaute Bewässerungskanäle durchkreuzen das Bergdorf und die wunderschöne Gegend. Kleine und mittlere Wasserfälle können ebenso entdeckt werden rund um Potamiá wie eine eindrucksvolle Flora und Fauna.

Singvögel, der Scheltopusik oder die Panzerschleiche, Schlangen, Geckos, Eidechsen Smaragdeidechse(östliche Smaragdeidechse, europäische Schlangenaugeneidechse), Bienen, Frösche, Schildkröten, u. v. m. finden sich ebenso hier wie auch Kühe, die mich vor ein paar Jahren mitten im Dickicht liegend überrascht haben. Wiesen, Olivenhaine, Hügel, dichter Urwald, lässt das Herz höher schlagen. Im Winter kalt und oft mit Schnee bedeckt, im Sommer nicht überlaufen, bietet dieses kleine Bergdorf sehr viel an Authentizität (αὐθεντικός authentikós) und liebevoller Gastfreundschaft. Nicht zu vergessen der Sonntags vor Rosenmontag stattfindende kleine Karnevalsumzug, der mir noch besser gefällt als in Panagia an Rosenmontag.

Wann das Dorf genau entstand ist nicht ganz klar. Es ist wahrscheinlich, dass nach der Lehnsherrschaft von Thassos durch Muhammad Ali Pascha (osmanische Lehnsherrschaft 1813-1902) Potamiá entstand. Potamiá war neben den reichen Siedlungen Panagias und Theologos eine eher ärmere Siedlung, die sich erst später zu einem eigenständigen, größeren Ort entwickelte.

Der berühmte Bildhauer Polygnotos Vagis (1894–1965) ist hier geboren und nach seinem Wunsch hin vererbte er einen großen Teil seiner Werke seinem Heimatdorf. 1981 entstand das Vagis-Museum, welches ebenso einen Besuch wert ist wie ein Rundgang durch das Dorf mit seiner schönen Platia, dem Dorfbrunnen, die hübschen engen Gassen und z. Teil sehr aufwendig restaurierten Häusern. Potamiá hat zwei Dorfkirchen, die ältere Ágii Anárgiri und Ágios Nikólaos. Meine Wanderung mit einer Freundin beginnt hinter der zweiten jüngeren Kirche Ágios Nikólaos, durch die höher gelegenen Gärten von Potamia.

 

Das Dorf Potamiá wird von A. Conze „Reise auf den Inseln des Thrakischen Meeres“ 1860 schon beschrieben:

………….. Der weitere Weg von Potamiá nach dem grössten Dorfe von Thasos, Theológo, führt zuerst durch den südlichen Theil der eben beschriebenen Ebene. In dieser links ab vom Wege liegt im Buschwerk versteckt die Ruine eines altgriechischen Thurmes, von dem Hirten, der mich hinführte, einfach „sto elliniko“ genannt. Zwischen vielen durcheinandergestürzten Blöcken steht der untere Theil eines viereckigen Baues noch aufrecht, dessen nach O und W gerichten Seiten 10,00 Meter und die nach S und N gerichteten 9,80 Meter in der Länge messen; die einzelnen Blöcke von weissem Marmor sind von ungleicher Länge (einer 2,80 Meter lang) und ohne Bindemittel horizontal aufgeschichtet. Nach Besichtigung der Trümmer kehrte ich auf den Weg zurück, den ich bei zwei grossen mit Epheu und Wein überwachsenen Platanen neben einem Bache verlassen hatte. Der Weg begann nun ein wenig zu steigen und ich bemerkte links am Wege bis zu einer Kirche des heiligen Dimitrios hinauf die Trümmer einer zerstörten Ortschaft, nach der die Gegend Adina heisst. Oberhalb der Kirche ging es immer steiler durch Fels und Wald aufwärts. In vierundvierzig Windungen, wie mein Führer behauptete, ziehst sich im Zickzack an einer Bergwand der Pfad hinauf, auf dem sich das Maultier durch ein Gewirr oft auch den Weg hemmender moosbewachsener Felsblöcke und epheuüberwucherter abestorbener Bäume empormüht. Wir waren von Potamiá fast drei Stunden unterwegs gewesen, als wir die Berhöhe erreichten, die einen freien Blick vorwärts und rückwärts gewährt.

Auf solchen Strecken müssen die Agogiaten (die Agogiaten waren für den Proviant zuständig, der auf Eseln und Maultieren durch die Berge transportiert wurde. Sie liefen in der Regel zu Fuß neben den Tieren her) wohl ganz besonders auf die Kraft der Amulete rechnen, die sie ihren Thieren anhängen; mein Maulthier trug einen ledernen Beutel auf der Stirn mit einem Schweinezahn darin, von dem mein Agogiat einmal ganz ernsthaft versicherte, ohne ihn sterbe das Thier.  ………………

Für uns erscheint solch eine Wanderung schon anstrengend, wie muss es nur ein paar Jahrhunderte früher ausgesehen haben ……..

 

Thassos Potamia

 

 

Rund um die Insel mit Tanja ~ Das Bergdorf POTAMIA

 

Tanja van Egmond ist ja so einigen von euch ein Begriff. Sie ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins ACT Animal Care auf Thassos. Ich habe schon vor geraumer Zeit über ihre Arbeit berichtet. Ich kann mich nicht mehr ganz so genau erinnern, wie wir uns kennengelernt haben, aber ich erinnere mich, als ich mit meinem Fischer vor Jahren mal wieder Kosta hoch oben in Kastro besucht hatte, sah ich Tanja mit Freunden dort oben sitzen. Ich kannte sie „noch“ nicht, aber ich wusste, wer sie war  und es juckte mich, sie anzusprechen. Da sie aber mit einigen Leuten dort oben saß, wollte ich nicht stören und mein Fischer wollte unbedingt noch zu den Wasserfällen unterhalb von Kastro gehen, unserem Lieblingsweg durch den Märchenwald.

Wie es manchmal der Zufall so möchte, schrieb mir Tanja einige Zeit später, ob ich nicht Lust hätte, ein wenig auszuhelfen bei dem Schreiben von Artikeln für ihr Tierschutzseite. Ich zögerte nicht und stimmte zu. Im Laufe der Zeit haben wir uns näher kennengelernt und auch unsere gemeinsame Liebe zu der Natur auf Thassos. Für mich gibt es ja kaum etwas Schöneres, als Thassos immer und immer wieder zu beschreiben und egal ob ich zum xten Male an den gleichen Plätzen war – meinen Lieblingsplätzen, es wird mir nie langweilig. Da mein Fischer nicht immer mit mir laufen kann, habe ich mich gefreut als Tanja mir erzählte, sie würde gerne mal wieder etwas mehr laufen auf Thassos. Es ist ja so, wenn man an seinem schönsten, erträumten Platz lebt und wohnt, verliert sich manchmal der Wunsch, seine Umgebung nochmal neu wieder zu entdecken. So ergab es sich, dass wir eines Tages zu einer Inselrundfahrt aufbrachen am frühen Morgen in Richtung Aliki.

Je näher wir in Richtung Osten kamen wurde klar, es könnte Regen geben. Die Wolken bauten sich auf und wir mussten auf dem Weg nach Potamiá mehrmals Halt machen, weil das Wolkenspiel einfach viel zu schön war. Es war fesselnd, welche Unterschiedlichkeit der Formationen der Wolken sich hinter jeder Bucht aufbaute. Die Farben waren unglaublich und die Spiegelungen der Wolken auf der fast glatten See faszinierend. Nur für diesen Himmel hätten wir stundenlang dort verweilen können, um die Wechsel der Wolkengebilde zu fotografieren. Aber wir hatten ja vor, die Insel zu umrunden und wollten zumindestens Potamiá noch erreichen, bevor ein Gewitter oder ähnliches einsetzen würde. So lösten wir uns vor der Ioannis Bucht dann letztlich von den Bildern und fuhren ohne weiteren Halt weiter.

Thassos - Aliki

Thassos - Tanja ACT
Thassos Potamia
ThassosWir erreichten Potamiá, der Himmel verdunkelte sich weiter und die ersten Tropfen fielen. Aber so leicht gaben wir nicht auf und machten uns oben an der Kirche Ágios Nikólaos auf dem Weg.

Thassos Potamia
Thassos - PotamiaThassos - Potamia
Hinter der Kirche befindet sich ein kleiner, schön angelegter Weg der direkt auf einen kleinen Rundwanderpfad vorbei an den Gärten von Potamiá führt. Von Anfang an ist dieser Weg schön. Alle Gärten, ob Nutz- oder Blumengärten sind ein Blickfang, eingebettet in die sattgrüne Natur unterhalb des Ipsarionmassives. Wir hörten nur das Summen der Bienen, das Rauschen von Wasser und den Wind, der die dunklen Wolken wieder auseinandertrieb und den Blick auf den typisch blauen, griechischen Himmel freigab. Nicht zu vergessen der Duft, der von den unzähligen Blüten ausging. So stelle ich mir das Paradies vor ……….
Thassos - Potamia
Thassos - Potamia
Thassos - PotamiaKleine Scheunen, Steinbauten fügen sich perfekt in den grünen Dschungel ein, die linker Hand den Pfad säumen. Alte, urige Feigenbäume, Maulbeerbäume, Platanen, Granatapfelbäume u. v. m. bilden ein schützendes, natürliches Dach. Die Gärten beinhalten alles, was das Gärtnerherz begehrt. Salate, Kräuter, Artischocken, Tomaten, Gurken, Zucchini, Auberginen, Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Chilis, Spinat, Rukola ……… man kann die Vielfalt kaum beschreiben, die diese gute und nasse Erde hervorbringt. Dazwischen immer Büschel von Blumen in den schönsten Farben.
Thassos - Potamia
Thassos - Potamia

Thassos - Potamia

Thassos - PotamiaIch bin nicht zum ersten Mal hier gewesen. Den Weg bin ich schon vor Jahren mit meinem Fischer gegangen, allerdings wie oben kurz beschrieben, haben uns zwei liegende Kühe im hinteren Dickicht damals sehr erschrocken. Ja, es gibt auch Kühe auf Thassos und erst gestern habe ich erfahren, dass auch in Agios Georgios schon Kühe gesichtet worden sind. Eine andere Freundin erzählte mir, dass sie das nicht glauben wollte, als sie aber ein paar Kuhfladen entdeckt hatte, ging sie dem Geheimnis nach und auch sie fand zwei Kühe, bzw. eine Milchkuh und einen jungen Stier. Auf dem Weg von Skala Marion nach Klisma gibt es z. B. ein „Vorsichtig Kühe“ Verkehrszeichen, welches schon früher zu Belustigungen führte, weil man nie Kühe entdeckte auf Thassos. Aber es gibt sie und es ist ein sehr ungewohntes Bild und gerade wenn sie im Dickicht liegen, überrscht von uns, da wird einem schon mulmig. Die Kühe glotzten, wir glotzten und in weiser Voraussicht stahlen wir uns heimlich davon. Wer weiß, ob die Kuh nicht doch ein Stier ist – sie lagen ja und wir konnten nicht sehen, welches Geschlecht die beiden Überraschungseffekte unter sich trugen. Das zweite Mal war ich mit einer anderen Freundin und ihrem Sohn unterwegs, was wir nach dem Rundgang in der Taverna Platanos erlebten, beschreibe ich später noch.
Thassos - PotamiaTanja gefiel der Weg auch sehr gut und sie blieb oft stehen, um die Pflanzen zu begutachten. Ich glaube, sie hat so einige Samen mitgenommen auf unserem Spaziergang. Im späteren Frühling, wie hier treibt auch der Farn massiv aus. Wilder Fenchel, Bärlappe (gut gegen Gicht und Rheuma), Schafgabenpflanzen, Kamille, wilde Minze, um nur einige Kräuter zu nennen finden sich hier ebenfalls wie auch z. B. der Adlerfarn (kann bis zu 2 m hoch werden und ist giftig) wie auch der Wurmfarn (ca. 1 m), der wild und saftig im Frühling austreibt.
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Das viele Wasser, welches von den Bergen hinunterkommt, begleitete uns den ganzen Weg hinüber. Entweder als freies, fallendes Wasser umringt von riesigen Platanen oder gezähmt rinnend durch die langen Bewässerungskanälen für die Gärten.
Thassos PotamiaFür mich gibt es kaum schönere Plätze. Diese alten, sprechenden Bäume, die natürlich abspringenden Steinläufe, jahrhundertelang gespült mit dem eisigen, klarem Bergwasser. Hier finde ich die Ruhe, die ich mir wünsche, hier werde ich klar und kann meine Gedanken ohne Zwänge und Pflichten treiben lassen. Ich glaube, Tanja hatte ähnliche Gedanken, als sie sich niederließ, um den kleinen, romantischen Wasserfall zu fotografieren.
Thassos Potamia

Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos PotamiaNach einiger Zeit lösten wir uns von dem grünen Wasserschauspiel und begaben uns auf den fast nicht einsehbaren, kleinen Pfad hoch zu den Gärten oberhalb von Potamiá. Wir entdeckten weitere, schöne Blumen, Schmetterlinge und andere Insekten. Und ! ein Scheltopusik gewährte uns ein paar Sekunden, ihn bewundern zu können. Viele Menschen haben Angst vor dieser Echsenart – es ist keine Schlange. Sie sind vollkommen harmlos und haben mehr Angst vor uns als umgekehrt. Leider werden sie oft auf den Straßen überfahren, da sie sich dort nicht so schnell fortbewegen können. Hier in dem dichtem Gebüsch hätten wir ihn fast übersehen. Er wäre wohl auch ganz schnell weiter unsichtbar geblieben, wenn wir nicht auf der Stelle in unseren Bewegungen erstarrt wären, um ihn zu bewundern.
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Scheltopusik-Echsenart
Noch ein Stück weiter durch tiefes Dickicht, einem Tor aus verzweigten Büschen und wir standen auf der Höhe und das berauschende Bergpanorama, wie auch der Blick zum Meer tat sich vor uns auf. Es ist kein langes Stück und sobald waren wir auf der Steintraße in Potamiá die der Anfang der langen Wanderun hoch zum Ipsarion ist. Wir sind aber diesen Weg heute nicht gegangen, sondern wollten uns noch ein wenig das schöne Berdorf anschauen, solange das Wetter es noch zulassen sollte.
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia

Auf halben Wege durch Potamiá sprangen Tanja zwei Katzen entgegen. Eine ganz weiße und dieser sehr vorwitzige, getigerte Kater. Er ließ nicht ab von Tanja und krallte sich regelrecht fest, um sich noch weitere Streicheleinheiten von Tanja einzuheimsen. Für mich ein weiteres, schönes Kompliment von einem Tier, welches vielleicht spürt, dass Tanja sich für sie Tag und Nacht mit ihrem Mann und einigen weiteren Tierschützern auf Thassos einsetzt.
Thassos Potamia

Thassos Potamia
Potamiá ist immer noch ein stiller Ort. Ein Ort wo man sich ausruhen kann von der Hektik des Alltags im Urlaub. Kleine, hübsche Läden, ein paar Ein-Raum-Supermärkte, ein Atelier (Holzschnitzerei), kleine Cafes und ein paar Tavernen. Eine hübsche Dorfplatia und viel viel Wasser ……….. und natürlich sehr gastfreundliche Menschen. Es lohnt sich wie in allen Dörfern auf Thassos auf die vielen Details zu achten. Sei es aus der Vergangenheit, die Form der Architektur, die heute genutzten Dinge und das ganze, herrlich chaotisch anmutende Drumherum.
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia
In der Taverne Platanos haben wir anschließend eine Kleinigkeit gegessen, um uns für den weiteren Weg, der uns später noch nach Chrissi Amoudia, kleine Buchten hinter Limenas, einer verlassenen Ölmühle in Sotiras und zum krönenden lukullischen Abschluss in die Taverne Agristri Limenaria führte. Aber das sind dann wieder andere Geschichten und Wege.

Einen sehr heiteren und nassen Abschluss hatte ich vor ein paar Jahren mit einer anderen Freundin und ihrem Sohn. Auch wir haben nach dem kleinen Rundgang durch die Gärten von Potamiá eine kleine Stärkung hier eingenommen. Man sollte es vermeiden, in prall, mit Wasser gefüllten kleinen grünen eingelegten Chilischoten zu beißen, denn sie können nicht nur die zugegen sitzenden Freunde benässen, sondern noch meterweit zum nächsten Tisch sausen. Natürlich war ich derjenige, der in die Chilieschote gebissen hatte und nachdem ich erst mal fassungslose Blicke entgegengeschossen bekam, brach das Lachgewitter los und es hörte noch lange nicht auf.

Diese kleinen Erlebnisse füllen die schönen Unternehmungen weiter auf, werden zu unvergesslichen Erlebnissen und wir lachen heute noch gerne darüber. Je befreiter die Seele wird, je entspannter das Lachen, so entspannt, dass es schon wieder Spannung aufbaut, dem berühmten Muskelkater vom Lachen.
Thassos Potamia
Thassos Potamia
Thassos Potamia

 

 

Thassos - Skala Kalirachis