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Das „Tourlou“ von Thassos: der kleine Fischerhafen in Chrissi Ammoudi├í

Der Fischer erz├Ąhlt

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Thassos - Chrissi Ammoudia 39Chrissi Ammoudi├í hei├čt der Strand unterhalb von Panagia. Heute m├Âchte ich ├╝ber den letzten Strandabschnitt (nord├Âstlich), hinter der Taverne Vigli erz├Ąhlen. Dieser Strandabschnitt ist eines meiner Lieblingspl├Ątze auf Thassos. Hier befindet sich ein alter Fischerhafen, der anders ist, un├╝bertrefflich in seinem Chaos, bizarr und dazwischen immer wieder sch├Ân anzusehende Kleinode, wie die alten Bootsh├Ąuser und nat├╝rlich eine wundersch├Âne Natur. Ein paar der Bootsh├Ąuser wurden zu kleinen Ferienh├Ąusern umgebaut. Campingwagen, in jeder Ecke Materialien f├╝r den Fischfang, alte Best├Ąnde aus Bussen, wie Sitzreihen, Lampen und nat├╝rlich die von mir so geliebten Fischerboote.

Thassos - Chrissi Ammoudia 5Von hier aus hat man einen wundersch├Ânen Blick hin zu der langgestreckten Bucht von Golden Beach Potami├í und den Bergen. Oberhalb des Fischerhafens beginnt ein malerischer Wanderpfad zu der Landzunge Pirgos (Turm), auch Kap Ker├íkia genannt. Die ├ťberreste des im 6. Jh. v. Christi erbauten Leuchtturmes sind in dieser wilden und romatischen Natur noch zu finden. Dieser Wanderweg f├╝hrt weiter ├╝ber Vathi, Marmorabbau, Saliara bis hin nach Makryammos, Limenas.

Thassos - Kap Ker├íkia WanderwegIch nenne diesen kleinen Fischerhafen gerne das Tourlou von Thassos und Tourlou (╬ť¤Ç¤ü╬╣╬Č╬╝ (╬« ¤ä╬┐¤ů¤ü╬╗╬┐¤Ź) ¤â¤ä╬┐ ¤ć╬┐¤Ź¤ü╬Ż╬┐) ist die griechische Version des Ratatouilles. Ich finde allerdings, das unsere Version viel schmackhafter ist, weil hier nicht mit duftenden Oliven├Âl gespart wird. Tourlou ist sehr beliebt und es gibt kein festes Rezept daf├╝r, jeder kocht es anders. Es kann ein Gem├╝seeintopf sein oder im Ofen s├Ąmig oder kross angebraten. Ein buntes, duftendes und leckeres Durcheinander von verschiedenen Gem├╝sesorten, die die jeweiligen Jahreszeiten der Erde hervorlocken. Deswegen ist f├╝r mich dieser kleine, individuelle Fischerhafen von Chrissi Ammoudia mein „Tourlou“ von Thassos. Das geordnete Chaos, sch├Ân anzusehen und mit vielen visuellen ├ťberraschungen.
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Thassos - Chrissi Ammoudia 36Ich mag das Tourlou auf dem Teller gerne aus dem Ofen. Jede Gem├╝sesorte und die Kartoffeln m├╝ssen bei mir einzeln vorab in der Pfanne leicht knusprig angebraten werden, bevor sie in eine Auflaufform kommen und im K├╝chenofen oder im Holzofen nachbraten d├╝rfen. Vorab gehe ich hinunter in meinen Garten und schaue welche Kr├Ąuter ich hinzugeben kann. Am liebsten Thymian, da er bei mir an jeder Ecke wild w├Ąchst und ein duftendes, schweres Aroma hat. Ich gebe auch gerne Rosmarin hinzu, aber das m├Âgen nicht viele Menschen auf unserer Insel, da er ihnen zu streng schmeckt. Meine Freunde wissen gar nicht, was sie da verpassen. Es hat einen Vorteil: der Rosmarin kann ungepfl├╝ckt ├╝berall wachsen und er w├Ąchst m├Ąchtig, ungehindert als gro├čer Busch. Knoblauch, Salz und Pfeffer reichen, um das Tourlou weiter zu vervollst├Ąndigen. Ich weiche allerdings ein wenig ab, da ich gerne, wenn das Tourlou im Ofen ist, einen kr├Ąftigen Schuss von meinem selbstgemachten Wein hinzugebe, den ich von meinen vielen Trauben selber herstelle. Mein Wein hat viel S├╝├če und ├Ąhnelt dem griechischen S├╝├čwein Mavrodaphne. Vermischt mit dem Oliven├Âl, ergibt es eine s├Ąmige Sosse und obendrauf tummeln sich die krossen Gem├╝sesorten und Kartoffeln. Ein gutes St├╝ck Feta zum Schluss, am besten noch eingelegter Feta ………… und das Tourlou ist perfekt.

Tourlou

Tourlou
So wie ich dieses Tourlou gerne mag, so sehe ich diesen kleinen Hafen. Er ist unglaublich bunt. Ein Platz, der sich von der Masse absetzt, wie z. B. am goldenen Strand von Potamia, wo im Sommer Sonnenschirm an Sonnenschirm wie Liege an Liege, Taverne an Tavernen usw. liegen, ge├Âffnet sind. Es ist mir zu voll und mir fehlt dort der Charme der Individualit├Ąt. Nichts desto trotz laufe ich gerne ab und zu durch Potami├á am Meer. Eine sch├Âne kleine Kapelle, Caf├ęs, Tavernen und das schillernde Wasser machen den Einstieg zu einem meiner Liebslingspl├Ątze spannend und je n├Ąher ich dem kleinen Hafen komme, je mehr freue ich mich.
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Diese Idylle hier erinnert mich an die Zeit, als ich noch fischen ging. Die Ruhe, das Flicken der Netze, die Gespr├Ąche mit meinen Fischerfreunden ├╝ber Fangmethoden und die Ausbeute unserer F├Ąnge. Wie vor langer Zeit hatten, haben wir auch heute noch vier verschiedene Fangtechniken: neben dem Fischen mit dem Netz, den Stab – man sieht ihn auf Booten liegen -, nat├╝rlich auch der Fischreuse und dem Angelhaken. Wenn auch heute einige Angenehmlichkeiten dazu gekommen sind wie die Technisierung und Schutz, so ist die Arbeit letztlich nicht einfacher geworden. Abgesehen davon, dass das Meer immer weniger Fr├╝chte in sich tr├Ągt. Das Meer ist und bleibt unberechenbar und ben├Âtigt Menschen, die die Natur kennen, sie akzeptieren und huldigen. Keine hitzigen Menschen, die meinen sie k├Ânnten der Kraft der Natur trotzen. So waren wir in der Regel immer ein kleiner Kreis von M├Ąnnern, die sich untereinander austauschten und gegenseitig halfen.

Der Fischfang spielt schon seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle f├╝r uns. Die Fische, ob eingelegt, gep├Âkelt oder Frischfische, waren Lebensunterhalt wie Nahrungsquelle. Wir hatten nie einen gro├čen Markt auf unserer Insel und die Fische wurden in der Regel direkt vom Boot aus verkauft. Auch heute noch werden die Fische gerne vom Boot aus verkauft. Wenn man z. B. abends in Skala Marion am Hafen sitzt und das gro├če Fischerboot, begleitet von unz├Ąhligen M├Âwen ankommt, fangen erst die Katzen an zu betteln – denn sie werden vorab bedient und dann wird verkauft. Der Rest landet beim Fischh├Ąndler.

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Thassos - Chrissi Ammoudia 31War die Ausbeute beim Fischen gr├Â├čer, oder ertr├Ąglich, so nahmen wir uns die Zeit ein paar der Fische an Land zu grillen, um unseren Hunger nach der harten Arbeit zu stillen und uns auszuruhen, bevor wir weiterarbeiteten. Manchmal auch als Belohnung, wenn die Netze schwieriger zu entfischen waren, L├Âcher hatten die geflickt werden mussten oder das Wetter so ungem├╝tlich war, dass wir eine kleine Ablenkung brauchten sowie ein w├Ąrmendes Feuer.
Thassos - Chrissi Ammoudia 30Materialien, die wir nicht mehr zu Hause ben├Âtigten, wurden zum Hafen geschleppt, um dort eine weitere Verwendung zu finden. Wir haben immer schon alles weiter benutzen k├Ânnen, was f├╝r andere Menschen als nicht mehr verwertbar galt. Hier an diesem kleinen Hafen sehe ich wie fr├╝her, dass die Dinge weiter einen Nutzen haben und nicht als M├╝ll in der Natur landen.
Thassos - Chrissi Ammoudia 29Neben unseren Katzen, Hunden, V├Âgeln und vielen anderen Tieren, finden auch eher seltene Tiere wie G├Ąnse hier ihren Platz und laufen quer durch das ganze „Tourlou“ herum. Manchmal entdecke ich im Winter am kleinem Strand Delphine, die die Bucht durchschwimmen. Fr├╝her wie heute galten Delphine als heilige Tiere und durften nicht gejagt werden. Ich wei├č, dass das an vielen Stellen heute anders aussieht, aber wir haben die Delphine immer verehrt und uns an ihrem lustigen Spiel erfreut.
Thassos - Chrissi Ammoudia 28Ich erinnere mich an ein paar G├Ąste, die mit der Arbeit des Fischens so gar nichts anfangen konnten und eher das Gesicht verzogen. Sie interpretierten uns Fischer als ungepflegte Menschen mit einer primitiven Grundeinstellung. Ich musste dar├╝ber l├Ącheln denn sie sahen nicht, wie „reinlich“ ich war. Meine liebe Frau hatte immer Not mir klarzumachen, wie sehr ich meinen Sauberkeitesfimmel ├╝bertrieb. Fr├╝her wie heute wusch ich mir meine Finger nach jeder Arbeit mehr als gr├╝ndlich und ebenso gr├╝ndlich reinigte ich meine Gebrauchsgegenst├Ąnde. Wie sorgsam und gr├╝ndlich ich meine Fische entschuppte, entpuppte sich f├╝r meine Frau erst sp├Ąter als Segen als sie ihren ersten von mir gefangenen Fisch versuchte zu braten.

Theresa nahm den Fisch von mir fr├Âhlich entgegen und versicherte mir, sie w├╝rde mir einen Leckerbissen daraus zaubern und ich freute mich schon darauf. Es wurde ein Reinfall auf allen Ebenen, denn Theresa hatte den Fisch nicht entschuppt. Es war mir ein R├Ątsel, dass sie das nie bei mir beobachtet hatte. Sie ist, wie sie mir sagte, davon ausgegangen, dass sie den Fisch bratfertig von mir bekommen w├╝rde. Das ein Fisch Schuppen hat, wusste sie nicht. Ihr war nur aufgefallen, dass sich der Fisch komisch anf├╝hlte, so scharf und hart, dachte sich aber das das beim Braten eine krosse Haut ergeben w├╝rde. Wir haben stundenlang dar├╝ber gelacht. Theresa brauchte fr├╝her in Deutschland bei ihrer Familie nicht zu kochen, sie hatten eine K├Âchin und Fisch gab es nur als Filet, fertig und Freitags auf dem Teller.

Ein paar Tage sp├Ąter nahm ich meine Frau mit zum Fischen. Sie kam, sah und siegte. Ihr Angelhaken war immer voll und ich !, der manchmal stundenlang mit meinem Freund im Boot darauf wartete, bis endlich mal ein Fisch anbiss. Verquere Welt ! Nur zum Muschelnsammeln ist sie nie mitgekommen. Sie mochte die scharfen Felsen nicht, an denen ich die Miesmuscheln aberntete.

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Auch habe ich es nie geschafft Theresa dazu zu bewegen einen rohen Seeigel zu „schl├╝rfen“.┬á Austern mochte sie, wie Muscheln, aber das ging dann doch zu weit. Seeigel haben ein k├Âstliches Aroma. Alle Aromen des Meeres verbinden sich im festen Inneren und ich meine sogar, viel milder als z. B. eine Auster, die ich zwar in Deutschland probiert hatte, aber keinen gro├čen Gefallen daran gefunden hatte. Seeigel gibt es bei uns an den Felsen im Meer genug und je nachdem ist es sogar besser, Badeschuhe anzuziehen, wenn man sich nicht auskennt. Wer einmal einen entz├╝ndeten Stachel im Fu├č hatte, wei├č wovon ich spreche. Wenn uns das fr├╝her passiert ist, haben wir im wahrsten Sinne des Wortes auf unseren Fu├č gepinkelt und konnten somit den Stachel(n) recht schnell herausziehen. Eine kurze Kur innerlich wie ├Ąu├čerlich mit scharfen Tsipouro half gegen die Entz├╝ndung (Jod hatten wir fr├╝her nicht und feine Pinzetten ebenfalls nicht). Besser ist es, die Stacheln von einem Arzt herausziehen zu lassen. Die kleinen Stacheln haben Widerhaken und k├Ânnen unbehandelt durch Einweichen des Fu├čes mit Essig, Zitronens├Ąure, nicht sauber entfernt werden und entz├╝nden sich leicht.

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Neben den Seeigeln gibt es noch den Skorpionfisch (Drakos), Fische die im Sand eingegraben liegen und einen stacheligen R├╝cken haben. Die Stachel sind sehr giftig und die meisten Unf├Ąlle entstehen beim Fischen oder bei der Verarbeitung der Fische in der K├╝che. Sie schmecken sehr gut und sind beliebt. Der Stich dieser Fische verursacht starke Schmerzen und Ausstrahlung auf die ganzen betroffenen Extremit├Ąten. Schwellungen, Verletzungen, ├ťbelkeit, Schwitzen und Erbrechen k├Ânnen folgen. Die Teile des Stachels m├╝ssen sauber entfernt werden, ansonsten k├Ânnte es zu Wundheilungsst├Ârungen kommen. Ein Arzt sollte aufgesucht werden. Es gibt zwar Methoden wie z. B. der Hei├čwassermethode, aber die Wirksamkeit der Methode ist umstritten.

Ein Tipp: ├╝ber den flachen Sand im Wasser schlurfend laufen, also die F├╝├če nicht anheben, das verjagt den Skorpionfisch schnell.

Solche Verletzungen sind weder t├Âdlich, noch passieren sie oft.

Verletzungen durch Meerestiere

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Das die Ernte aus dem Meer auch als Heilmittel dienen k├Ânnten, wurde schon kurz nach der Geburt Chrisi das erste Mal beschrieben. Ob aus eingelegten, gekochten oder rohen Fischen oder der Oktopus als Aphrodisiakum, welcher angeblich den Geschlechtstrieb steigern sollte (kann ich als Fischer nicht best├Ątigen, da mir Oktopus immer viel zu gut schmeckte und ich viel zu satt war und einige Tsipouros ben├Âtigte anstelle …….). Die Leber des Zitterrochen galten als Geburtsthelfer, f├╝r M├Ąnner galt die Leber hier eher lusthemmend (ich glaube die Galle des Zitterrochens hatte meine Lust ad hoc get├Âtet …….. ). Die elektrischen Schl├Ąge des Zitterrochens allerdings wurden als Mittel gegen Kopfschmerzen angesehen (da w├╝rde ich eher Kopfschmerzen bekommen). Von einglegten Barben erwartete man eine empf├Ąngnisverh├╝tende Wirkung und Fischgalle wurde in der Augenheilkunde eingesetzt (alleine der Gedanke l├Ąsst mich gruseln und w├╝rde mein Augenlicht verschlechtern !).

Thassos - Chrissi Ammoudia 6Der Oktopus ist m. E. ein intelligentes Tier. Ich war vor 20 Jahren im Winter in Aliki und habe nach Seerosen gesucht und entdeckte in einer Felsspalte im Meer einen riesigen Oktopus. Ich war neugierig und b├╝ckte mich und hielt einen Finger in das kalte Meerwasser und schon eilte eine Tentakel des Oktopus hervor und umschlang meinen Finger. Ich zog meinen Finger langsam wieder zur├╝ck und das Spiel begann von Neuem. Ich hockte lange dort und spielte mit ihm und es fiel mir schwer, mich sp├Ąter von dem spannenden, gemeinsamen Spiel zu l├Âsen. Der Oktopus war weder ├Ąngstlich noch aggressiv, er schien das Spiel mit mir zu genie├čen. Danach konnte ich jahrelang keinen Oktopus mehr essen, weil ich mein Herz zu sehr an diesen gro├čen, mutigen Achtf├╝├čler verloren hatte.

Superhirne auf acht Beinen
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Sitzgelegenheiten an diesem Hafen gibt es genug, und wenn es die alten Sitze eines Busses sind. Ein Logenplatz mit freier, fantastischer Sicht ist garantiert. Hier kann ich mich gut erholen und dem Treiben im Sommer zuschauen. Es verlaufen sich nicht viele Menschen hierhin. Meistens stoppt der Tourismus vor der Taverne Vigli, aber es lohnt sich, den Spaziergang noch etwas auszudehen und hier Halt zu machen. Versprochen !

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2 replies »

  1. Once again you bring out the beauty of Thassos, and what you have discovered and shown here is an incredible stretch of beach, a place where I could spend weeks just enjoying the small beauties that an old fishing port can hold. Such places are my favorite, places where dreams still live ~ and what great photos of nature and man trying to live simply within its confines. Beautiful series of photos.

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