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Thassos im März, Anreise, Karneval und der kleine archäologische Rundgang unterhalb von Theológos

Ein Gast erzählt

 

Ich frage mich immer, warum so wenige Menschen Thassos im Winter besuchen, denn ich kann mir kaum eine schönere Zeit vorstellen, außer im Mai, wenn alles duftet und kräftig blüht. Es fängt schon bei der Anreise an. Der Flughafen in der Nähe von Kavala wird im Winter von Deutschland aus nicht angeflogen und somit muss man auf den 160 km entfernten Flughafen der zweitgrößten Stadt Griechenlands, Thessaloniki ausweichen.  Das macht die Anreise aber umso spannender. Dieses Jahr sind wir im strömenden Regen in Thessaloniki gelandet und nachdem wir wie immer zügig unseren Mietwagen in Saloniki entgegengenommen haben, ging das Abenteuer los. Abenteuer zurecht, denn wer die Ringstraße rund um Thessaloniki kennt, weiß wovon ich rede. Eine Art Schnellstraße, die kurze Auf- und Abfahrten hat, hoch und runter geht, scharfe Kurven, die die Einsicht erschweren und jeder fährt wie er möchte und das so schnell wie möglich. Es regnete in Strömen und die Straße war ein einziger See. Erfreulicherweise fuhren selbst die Einheimischen vorsichtig und ich konnte mich langsam entspannen. Die Schnellstraße mündet in die A2 über, der Autobahn in Richtung Kavala / Alexandroupouli, und ab da wird das Fahren zu einem Genuss. Nicht nur, dass die Autobahn fast immer leer ist, sie führt auch durch wunderschöne Landstriche, vorbei an zwei großen Seen an denen wir gerne Rast halten, um die schöne Aussicht und Pelikane zu genießen.

Es gibt daneben eine noch schönere Strecke, die wir gerne im Mai fahren, um die Mohnfelder zu bestaunen. Es ist die alte Route 2 die unterhalb der Autobahn an den zwei Seen vorbei in Richtung Asprovalta, Amphipolis, Nera Peramos hin nach Kavala führt. Ich liebe diese Strecke, weil wir überall Halt machen können, was auf der Autobahn zwischen Saloniki und Kavala nur 2 – 3x möglich ist, außer man fährt von der AB hinunter.

Dieses Jahr wollten wir es nochmal versuchen den griechischen Karneval ohne sindflutartigen Regen zu genießen, wie er vor zwei Jahren die Insel überschüttete. Es hat auch geklappt, zumindestens war es größtenteils trocken. Meine liebe Freundin Katharina meinte: ihr habt den Regen mitgebracht. Meine liebe Freundin Tanja meinte: vor euch war es wochenlang mild und sonnig, unser Freund Georg lachte …………… nun gut, ich weiß ja, dass sich das Wetter recht schnell wieder ändern kann auf Thassos. Ich muss aber gestehen, es war kalt ………… sehr kalt, vor allen Dingen nachts. Somit haben wir jeden Sonnenstrahl der uns in dieser Zeit begegnete doppelt genossen. Ich freue mich immer wie ein Kind, wenn die Luft klar ist ist und die Sonne die unglaublichste Farbenvielfalt hervorbringt.

Nachdem wir recht zügig Kavala erreichten, fuhren wir von der AB ab und direkt an den Hafen wo es die weltbeste Bäckerei gibt. Zu Stoßzeiten ist es ein Erlebnis dort einkaufen zu gehen. Die Menge geht in die Bäckerei wie auf einen Trichter zu und wer vorne steht wird bedient. Die Verkäuferinnen sind so dermassen auf Zack, dass ich vor lauter Staunen meinen Mund nicht aufbekomme und meistens die griechischen Wörter vergesse, um auszudrücken was ich möchte. So ging es mir auch diesmal. Der ganze Laden ist eine riesige Duftwolke und dort gibt es das beste Brot, was ich je gegessen habe. Es ist ein rundes, großes Brot (den Namen habe ich leider auch wieder vergessen) und muss auf einer Sauerteigbasis hergestellt sein. Dieses Brot wird von Tag zu Tag besser, bleibt feucht und knusprig und ist einfach nur herrlich. Wir kommen in der Regel mehr als eine Woche mit diesem, großen Brot hin und wenn es geht, kaufen wir für Thassos immer dort ein. Abgesehen von den anderen Köstlichkeiten, die man dort einkaufen kann, bekommt man „immer“ ein paar weitere Leckereien mit hinzugeschenkt,  als kleines Dankeschön. Diese Bäckerei versteht ihr Handwerk und backt hervorragend. Sehr zu empfehlen ist ein salziger Mürbeteig, mit Käse gefüllt, von dem ich nicht genug bekommen kann.

Brot Kavalax

Hinter dem alten Hafen von Kavala hielten wir kurz an, um unseren Hunger zu stillen und erfreuten uns an der warmen Brise, die vom Meer her kam und wie immer, wenn wir ankommen werden unsere Herzen frei und gleiten wie die Möwen davon und alles was hinter uns liegt, ist vergessen.

In Keramoti angekommen überraschte uns eine vollkommen umgestylte ältere Fähre, die „Anassa“. Wenn ich ehrlich bin: sie mir viel zu modern, gerade der Innenraum, der eher an eine Lounge erinnert, als an ein Fähreninneres. Schön sind die neuen Holzsitze draußen und die geschwungene Breite der Fähre, die interessante Ausblicke gewährt.

Fähre

Die ersten Tage verbrachten wir mit der Erkundung der Insel und da frage ich mich wirklich, warum sind so wenig Gäste im Winter da ? Ich habe die Insel für mich ganz alleine, menschenleere Strände so weit das Auge reicht. ……………… Eine einsame, frühlingshafte Natur, entspanntes Genießen mit Freunden in den Tavernen, alles was das Herz begehrt. Nur das Schwimmen klappt nicht so ganz, da bin ich dann ganz Mann (ich bin eine Frau), das Wasser ist sooo (klein) kalt ………

Aliki Thimonia

Am Sonntag und Montag haben wir die Karnvalszüge in Potamia und Limenaria „trocken“ erleben dürfen und im Anschluss an den Umzug in Limenaria hatten wir noch einen sehr schönen Nachmittag in der Taverne von Stelios in Limenaria verbracht. Übrigens ein kleiner Tipp nebenbei: die Taverna von Stelios ist grundgriechisch und schön eingerichtet. Stelios selber ein liebevolles Rauhbein, den ich sehr zu schätzen weiß.

Thassos-Limenaria
Thassos-LimenariaMit Tanja der Vorsitzenden von ACT Animal Care, gehe ich in meinen Urlauben sehr gerne spazieren. Auch dieses Mal überlegten wir, was wir uns gemeinsam anschauen könnten und haben uns für den sehr schönen, angelegten kleinen Rundwanderweg unterhalb von Theológos entschieden. Das Wetter unten in Limenaria versprach nicht so schön zu werden, aber sobald wir oben in Theológos ankamen, brach der Himmel auf und die Sonne erstrahlte das Dorf in den schönsten, südländischen Farben.

Theológos wurde erstmals im Jahre 1287 von dem byzantinischen Kaiser Andronikos II Palaiologos dokumentiert. Theológos selber als Dorf entstand viel später 1750, als die Küstenbewohner Schutz vor den Piraten im höheren Landesinneren suchten. Während der türkisch-ägyptischen Herrschaft war Theológos bis 1840 die Hauptstadt der Insel und wurde von Panagia abgelöst. Im März 1813 wurde das Gebiet an Ägypten abgetreten und wurde vom Gouverneur Mehmet Ali Pasha verwaltet. Während dieser Zeit hat sich Theológos sehr schnell entwickelt und genoss eine gewisse Autonomie (innere Selbstverwaltung durch die Griechen und Steuerfreiheiten), bis 1912, als Thassos den Griechen wieder zurückgegeben wurde.

Theológos soll weiterhin nach dem Evangelisten Johannes benannt worden sein, der den Beinamen „Der Theologe“ getragen haben soll und in einer Höhle nahe Theológos gelebt haben dürfte.

Theológos ist ein Straßendorf, langgestreckt bis hin zum Norden. Alte Steinhäuser und Herrenhäuser (thrakisch-makedonische Architektur), enge, geplasterte Gassen mit kleinen Geschäften und Kafenias. Im Jahr 1979 wurde Theológos zur kulturellen Hauptstadt von Thassos erklärt. Jeden 15. August wird an Mariä Himmelfahrt für die Bewohner und Touristen die thassitische Hochzeit gefeiert.

Mehrere Kirchen, eine sehr schönes Folkloremuseum, Tavernen, Cafes, Herrenhäuser, Denkmäler, Gedenkhäuser, zwei kleine Friedhöfe und sehr viel Archäologie finden sich hier ebenso wie eine wunderbare Natur. Theológos ist eingebettet zwischen kargen Felsen, Bachläufen, Mischbäumen und vielen, interessanten Gärten. Nicht zu vergessen der Weg zu der steinernen Bogenbrücke, dem kleinen Wasserfall, den Kalkstein-Brennofen und n. v. m., über den ich heute berichten möchte.

 

 

 

Thassos-Theologos
In Theológos ist viel wieder aufgearbeitet worden. Oft angelehnt an die alte Architektur, manchmal aber auch ein bisschen farbenfroher, wie hier. Dieses Haus erinnert mich irgendwie an den Film „My big fat greek wedding 1 / 2 „, aber viel, viel schöner und authentischer.
Thassos-TheologosGanz besonders mag ich aber die alten, verlassenen Häuser, die immer noch ihren eigenen Charme bewahrt haben, wie dieses Haus, an dessen Steinzaun sich diese wunderschöne Platane verewigt hat. Ich hoffe, sie darf ewig dort leben und ihre Schönheit weiter ausbreiten.
Thassos-Theologos
Tanja kommt ursprünglich aus Holland und wohnt schon seit einigen Jahren auf Thassos und als wir an diesem Haus vorbeigingen musste ich lachen. Uns sprang ein „Klein-Holland“ entgegen: Tulpen über Tulpen. Einfach nur schön !
Thassos-Theologos
Nicht zu vergessen: der berühmte Schuhmacher von Theologos. Einzigartig in seiner Arbeitsweise fertigt er besonders bequeme Sandalen und Schuhe an, die bei den Einheimischen wie Touristen sehr beliebt sind. Auch sein 1908 erbautes Haus ist Beispiel einer gekonnten Renovierung und lässt die Menschen neugierig in seine Fenster schauen.
Thassos-Theologos

Der Rundweg fängt unterhalb der Kirche Agia Paraskevi (an der Dorfschule) an und endet vor der Kirche Agios Dimitrios (beide Kirchen haben beeindruckend, geschnitzte Ikonostasen).
Thassos-Theologos
Ich weiß nicht mehr, wann der Weg komplett angelegt worden ist. Früher habe ich die alte Brücke nie gefunden, weil die vielen Gärten mit ihren Steinzäunen ein Hinderniss bildeten und ich mich immer verlaufen hatte. Was auch nicht schlecht war, denn dadurch konnte ich viele andere schöne Dinge hier entdecken. Am Bachlauf wollte ich nie entlanglaufen, es war mir zu nass und die Natur zu dicht. Als ich 2007 das erste Mal diesen Weg betrat war ich sehr begeistert. Die letzten Jahre war aber die Brücke über den Bachlauf eingesackt und erst dieses Jahr kann man den Weg wieder vollständig begehen. Die Brücke war zwar gesperrt, halt griechisch versperrt, d. h. ein kleiner Drahtzaun hielt uns nicht ab, die Brücke zu betreten. Ein kurzer Test und die Brücke wurde für „fest“ empfunden und betreten, wie man auf den folgenden Bildern sehen wird.

Der Frühling kam um diese Zeit im März schon mit gewaltigen Schritten, nur die großen Bäume waren noch ohne Blätter. Für uns machten diese blattlosen Langschläfer die Natur rund um Theológos nur noch interessanter.
Thassos-Theologos
Iris, Disteln, Schafgabengewächse, Mageriten, Nelken, Anemonen, Gänseblümchen, Lilien, Mohn, Sommerflieder, Kräuter, alles was das Herz begehrt findet sich hier in diesen alten, angelegten Gärten und auf den Wegen. Im Mai explodieren die menschlichen Ohren von dem Summen und Brummen der Insekten. Nicht zu vergessen der süße Duft, der von den vielen Blumen und Pflanzen ausgeht. Die Bienen auf Thassos haben ein Paradies, nicht umsonst schmeckt der Honig so gut.
Thassos-Theologos
Der Weg ist traditionell mit alten Steinen geplastert. So wurden früher die Wege angelegt und schon beim Laufen spürt man, wie anstrengend diese Wege für Mensch und Tier gewesen sein müssen. Allerdings wurden diese Wege auch nicht überschwemmt und das viele Regenwasser im Winter konnte gut ablaufen und schützte somit Mensch und Tier vor gefährlichen Ausrutschern. Festes Schuhwerk ist hier schon angebracht, auch im Sommer.
Thassos-Theologos

Thassos-TheologosDie Lampen entlang des Weges sind alle erneuert worden und führen auch in der „blauen Stunde“ sicher über den Rundweg. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in dem Abendlicht dieser Weg noch viel spannender erscheint und ein Picknick auf einen der vielen Bänke oder Ruheplätze zu einem unvergesslichen Erlebnis werden könnte.
Thassos-Theologos

Neben Sträuchern, Blumen, Kräutern finden sich hier viele der wilden Maccia-Gebüsche, die mit ihrem spitzen, ilexartigen Blättern ein dichtes Buschwerk entlang des Weges bilden. Diese Maccia-Gebüsche sind eine sekundär enstandene, anthropogene, immergrüne Gebüschformation der mediterranen Hartlaubvegetationszone (siehe Wikipedia). Diese sonderbare Form der Vegetation findet man auch zuhauf oben in Kastro und wenn der Wind durch ihre scharfen Blätter jagt, erzeugt dies einen sehr feinen, aber durchdringenden Laut. Wie auch hier habe ich immer das Gefühl, ein paar Jahrhunderte in der Vergangenheit plötzlich zu sein. Ein schwer zu beschreibendes Gefühl.

Auf Thassos bestehen die Gebüschformationen hauptsächlich aus Kermeseichen, Judasbäumen, Ginster, Zistrosen (ein herrlicher Duft), Baumheide und Mastix-, sowie Erdbeerbäumen. Die meist anzutreffende Form ist allerdings die Kermeseiche, die als ausgewachsener Baum eine stattliche Höhe erreichen kann und der Eiche an sich in nichts nachsteht. Entlang an diesen Gebüschen findet man oft die typischen Inselkräuter wie Salbei, Oregano, Rosmarin und auf der ganzen Insel verteilt,  die kleinen und großen Thymianbüsche (Thassos ist eine Thymianinsel).

Thassos-TheologosVon jeder Stelle aus hat man einen faszinierenden Blick hoch nach Theológos und je mehr Wolken sich am Himmel tummeln, um so dramatischer, schöner wirkt diese Kulisse. Gerade rund um Theológos haben die schweren Brände, 1985, 1989 und 1993 übel gewütet. Ich erinnere mich, dass ich als junges Mädel durch einen Märchenwald mit meinen Eltern hoch nach Theológos gefahren bin und Theológos immer mein Traumschloss war. Diese präsente Erinnerung, die ich immer noch habe, kann ich bis auf die hohen, die im Mai gelbblühenden Ginsterbüsche am Straßenrand und den wieder nachgewachsenen Bäumen, nicht wiederfinden. Wie man aber unschwer erkennt, ist die Natur trotz karger Berge oberhalb von Theológos, dicht und grün unterhalb bis in die Berge hinein. Ein kontrastreiches Naturprogramm, welches man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Thassos-Theologos

Tanja war schon vor mir an der Kapelle und neugierig wie wir beide sind, versuchte sie sofort, die Türe zu öffnen. Ein Glück war sie offen, denn der Innenraum ist ebenso liebvoll eingerichtet.

Die kleine Kapelle des Erzengels Michail Archangelos wurde urprünglich von Mönchen erbaut, die in Theológos lebten. Von hier aus wurden Wallfahrten zum Kloster Michail Archangelos durchgeführt. Ein Brauch, der auch heute noch erhalten geblieben ist, d. h. an Ostern oder Weihnachten wird die wertvollste Ikone (die den höchsten Stellenwert hat) aus dem Kloser Archangélou für einige Tage hierher gebracht. Auch dieser Platz ist sehr schön angelegt in alter Steinbauweise und einem hölzernem Pavilion, der zum Ausruhen wie auch zu einem Picknick einlädt. Die kleine sehr schöne Kapelle ist offen und in ihrem Innern finden sich viele Ikonen und wie in den meisten Kapellen auf Thassos, der traditionell angelegte Altarraum.

Thassos-Theologos
Thassos-Theologos
Thassos-Theologos
Thassos-TheologosRund um den Platz sprießen um diese Jahrezeit hunderte von diesen kleinen Wiesenanemonen und Gänseblümchen. Erstaunlich, wie sie dem starken Wind trotzen und leuchten. Ein Hauch Zartheit zwischen all den alten Marmorsteinen.
Thassos-TheologosEin Stück weiter hinter der kleine, hübschen Kapelle befindet sich ein Rundbau / Kalkofen von besonderem architektonischem Wert. Dieser archäologische Kalkofen überzeugt durch seine extreme Festigkeit, seinen sonnengetrockneten Ziegeln. Ein Brennofen für die Herstellung von Branntkalk aus Kalkstein. Dieses Verfahren ist uralt und gehört zu den ältesten, bis heute bedeutendsten, technischen Produktionsverfahren. Bereits im Altertum war die Kunst des Kalkbrennes weit verbreitet. Bei diesem Ofen waren Kalk und rote Kreide die Hauptverbindungsmaterialien. Die dadurch entstandenen Steine wurden im Hausbau verwendet.

Eine interessante Vorstellung mit welch hohen Temperaturen die Steine vor langer Zeit schon gebrannt worden sind. Die Steine wurden von oben nach unten langsam transportiert, um die Temperatur ständig zu erhöhen. Als Brennstoff wurde in der Regel Holz, Torf oder Kohle eingesetzt. Die Form des Kalkofens erinnert an einen kleinen Meiler.

 

 

Thassos-Theologos Kurz hinter dem Kalkofen erreichten wir die sehr gut erhaltene Gefyri Brücke, erbaut im 18. Jahrhundert von Avgoustis Komliki. Bei starken Regengüssen war es unmöglich für die Bewohner von Theologos den Bauchlauf mit ihren Tieren und Lasten zu passieren. Die Bogenbrücke besteht aus Lehmziegeln und Steinen und ist vollständig intakt geblieben. Die Brücke vereinigte die griechisch-christliche Siedlung mit dem türkischen Viertel von Theologos. Die Grenze war die Kapelle des Michail Archangelos, von der ich vorab berichtet habe. Die Brücke hat eine Höhe von 6 m und überquert einen kleinen Flußlauf der sich zur anderen Seite hin in einen engen, kurz steil abfallenden, Wasserfall verwandelt. Die Brücke wird heute wie früher ursprünglich genutzt, d. h. die vielen Ziegen und Schafe überqueren die Brücke wie auch Wanderer und Einheimische, um ihren Weg fortzusetzen.

 

Thassos-Theologos
Thassos-TheologosNatürlich hatten Tanja und ich wie immer auf unseren kleinen Foto-Wanderungen, viel Spaß. Hier verfolgte uns seit der Kapelle eine kleine Ziegenherde und sie wurden vor der Brücke immer neugieriger. Tanja und ich schnalzten mit der Zunge, riefen und lockten sie und kurze Zeit später hatten wir eine original Greeks Next Topmodel-Show vor unseren Augen. Mehrmals posierten die Ziegen auf der Mauer und schauten uns etwas ängstlich, aber doch neugierig an. Wir mussten schon arg lachen, denn solch ein Ziegen-Posing erlebt man nicht alle Tage.
Thassos-TheologosHinter der Gefyri-Brücke geht es leicht steil wieder hoch in Richtung Theologos und weiterhin zu beiden Seiten Wiesen voller noch – leider – nicht aufgegangenen Irispflanzen. Tanja meinte, die Blüten würden nicht lange halten. Ein paar Tage, dann wäre der Zauber schon wieder vorbei. Ich hätte ihn gerne erlebt, diesen Iriszauber, aber das viele Grün ihrer Blätter haben mich auch so schon fasziniert.
Thassos-Theologos
Thassos-TheologosTanja, wie immer an diesem Tag, einen Schritt voraus und perfekt für mich zum fotografieren.
Thassos-TheologosNoch ein wunderschöner Langschläfer, der majestätisch seine Äste in den Himmel reckt.
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Thassos-TheologosDer Weg endet an der Kirche Agios Dimitrios, die wie am Anfang schon erwähnt sehr sehenswert ist. Eine Ikonostase aus vielen Schnitzarbeiten dominiert das Kircheninnere. Es wird gesagt, dass der Künstler 18 Jahre dafür benötigt hatte, dieses wunderschöne Stück, bestückt mit Engeln, Blättern, Blumen, Geschichten von den Heiligen und den Aposteln. Alleine schon der Raum außen, wie sich die Kirche mit ihren im Kirchhof hohen Zypressen präsentiert, ist einmalig schön.
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Thassos-Theologos
Thassos-TheologosThassos-Theologos

Thassos-TheologosAnmerkung aus: Griechische Küstenfahrten, Löher, Franz von Bielefeld, 1876

Die Häuser in Theologos haben meist zwei Stockwerke, das untere ist aus grauem Marmor, der notdürftig behauen, gemauert, das obere zimmert man von rotbraunem Fichtenholz; unten werden Vorräte bewahrt, oben wohnt man. Das Dach besteht aus Schindeln und ist mit Steinen beschwert. Da der Sommer heiß und lang, so ist am oberen Stockwerk gewöhnlich eine Art offener luftiger Vorhalle angebracht. Das Wohnzimmer hat regelmässig eine Holzdecke, die mit Leistenwerk getäfelt ist. Niemals fehlen der große hölzerne Wandschrank, das Heiligenbild mit Lämpchen, und das oben umherlaufende Brett, auf welchem allerlei Geschirr ausgestellt wird. In den ärmeren Häusern hängen auch die Festkleider zur Schau auf der Leine. Die ganze Einrichtung verrät kleinbäuerlichen Geschmack, aber ebenso entschieden das Streben nach Nettigkeit und Bildung. Alles das erinnert mich an die Dörfer in unseren Alpen. In der Tat, denkt man sich aus unseren Gebirgsdörfern die großen Bauernhäuser, Sägemühlen, Kirchen und Wirtshäuser weg und lauter Kleinhäuser hin, so hat man eine thassitische Ortschaft vor sich, in die Häuser aber muss man sich kleine Herde und eine äußerst trockene und schmale Küche hineindenken. Es passt ganz dazu das Hochgebirge mit Nadelholz, und im Winter der Schnee, der in Theologos öfter ein paar Fuß hoch fällt. Es sei vorgekommen, so erzählt man, dass der starken Schneefälle wegen, die Menschen hätten aus den Fenstern springen müssen, um mit Wurfschaufeln die Haustüren frei zu bekommen, die vom Schnee verschüttet waren.
Thassos-TheologosIch muss dem Herrn Franz von Bielefeld irgendwie Recht geben. Auch ich habe oft das Gefühl, dass ich mich manchmal in alpine Bergdörfer versetzt fühle. Ich stelle mir manchmal vor, wie das Leben früher in den Bergdörfern auf Thassos gewesen sein muss und für diese Vorstellungen eignet sich das Folkloremuseum, hinter dem Schuster weiter gen Norden, hervoragend. Es ist ein zweistöckiges Haus (des Bürgermeisters Hatzigeorgiou der 1821 die Revolution auf Thassos gegen die Türken anging) und im ersten Stock befinden sich die Handwerksausstellungsstücke, Arbeitsgeräte, Mühlen etc., oben befindet sich die traditionsgetreue Nachbildung eines alten Herrenhauses.

Nachdem Tanja und ich unseren Rundgang beendet haben, hielten wir Rast in einem der schönen Kafenias in Theologos und tranken einen leckeren, eiskalten Frappé, der unsere aufgewärmten Körper von dem Rundgang herrlich kühlte.

 

Thassos-Theologos
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8 replies »

  1. Jetzt habe ich das so oft gelesen und mir die schönen Aufnahmen angesehen. Ich hoffe du bist wohlauf und genießt die Zeit auf Thassos oder in Köln. herzliche Grüße aus Hannover, Wili 🙂

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    • Hmm liebe Wili, ich hatte dir schon länger geantwortet, sah aber nun, ist keine Antwort von mir da. Also nochmal 😉 : vielen lieben Dank, ich freue mich darüber. Ja noch bin ich in Köln, im Juni geht es wieder auf Reisen. Liebe Grüße aus Köln

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  2. ……… salziger Mürbeteig mit Käsefüllung! Hast du davon kein Foto? Das kann ich mir lecker vorstellen. Das Sauerteigbrot sieht lecker aus. Aber haben denn die Griechen nicht meistens helle Brote? Habe ich mir so vorgestellt. VG Ulla

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    • Liebe Ulla, hmm da muss ich suchen, ich habe sie leider immer sofort gegessen, weil die so furchtbar lecker waren. Aber ich werde auf Rezeptsuche gehen, noch habe ich keine Schimmer wie die heißen ;). Ja in der Regel weißes Brot, aber gute Bäckereien haben ein vielfältiges Angebot an Broten. Dieses hier ist eine Wucht und wie beschrieben, schmeckt es von Tag zu Tag besser. Es ist auch ein weißes Brot, aber mit Sauerteig vermengt und hatte eine längere Gehzeit – ich denke mal kalte Führung. Ich versuche immer mehr aus den Damen in der Bäckerei zu erfahren, aber die ist immer so dermassen voll, dass ich keine Chance habe – aber ich bleibe dran ;). LG Ariane

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  3. Man bekommt nur alleine vom Lesen, und den sehen der Bilder Sehnsucht nach einer Insel die man nicht kennt. Danke für diese wunderbare Vorstellung. Liebe Grüße Andreas

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    • Lieber Andreas, ich danke dir 🙂 und freue mich, dass der Bericht dir gefällt. Er hat für mich jetzt noch mehr Erinnerungen parat, da ich mit Chris dort auch war :). Alles Liebe Ariane

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