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Eine Sommerliebe auf Thassos oder was ist ein Kamaki ?

Was für ein herrlicher Sommer auf Thassos. Fast ein wenig zu heiß, aber der Wind kühlt und das smaragdfarbene, seidig, klare Wasser lädt ein, hineinzuspringen und glitzert in allen Schattierungen. Wer nicht arbeiten muss, der darf die sommerliche Schönheit von Thassos nun genießen, denkt sich unser Fischer und rückt seinen alten, kleinen Sessel aus den 1970er Jahren noch tiefer in den Schatten und nimmt eine Kleinigkeit zu sich. Kleines Mezze Hähnchenkeule, Auberginen, Schafskäse, Trumbaoliven x

Er muss schon lange nicht mehr arbeiten und sinniert mit seinem Freund, dem Thýmos über vergangene Zeiten. Wie in seiner heutigen Geschichte, die sich wohl in den 1980er Jahren abgespielt haben wird. Er hat sie mir vor einiger Zeit schon erzählt und heute ist der passende Tag, diese Geschichte niederzuschreiben. Der Fischer und seine Frau hatten viele Gäste in ihrer Pension auf Thassos und diese Gäste hatten oft Kinder oder angehende Jugendliche und die verliebten sich manchmal nicht nur in die Insel, sondern auch in einen Thassioten.

MöwenLZBSkala Marion Beach

Es ist schon schlimm genug, sich in Thassos zu verlieben – denn jeder verliebte Mensch bekommt diesen hundsgemeinen Thassos-Virus einfach nicht in den Griff. Er klammert sich wie eine überdimensionierte Krake an dein Herz. Diese Thassos-Viren, die die Krake mitschleppt, sind immun gegen jegliche Hilfsmittel (sie helfen wenn überhaupt nur kurz), außer dem grandiosen Heilmittel, wiederzukommen.

Pyrofani

Kätzchen

Wenn man sich auch noch in jungen Jahren ganz langsam in einen Menschen verliebt, der vor Ort lebt, dann wird es ganz böse. Doppelte Verkettungen von Emotionen durch die erste, kleine, zaghafte Liebe, der Insel, Sommer, Sonne, Strand, Kräuterduft, Sternennächte, Fischerböötchen, Glitzern, griechische Musik, nette Menschen, gutes Essen ……….., dann ist der Kummer groß, wenn diese doppelt infizierten Menschen Thassos wieder verlassen.

Skala Sotiras

Der Fischer und seine Frau haben in der Vergangenheit oft versucht, über so manchen Kummer und großen Tränen hinwegzuhelfen. Bei einigen, ehemaligen Gästen ist dadurch im Laufe der Zeit ein langer Briefwechsel entstanden. Ein paar wenige Menschen sind dem Ruf der Krake an ihrem Herzen weiter gefolgt und fahren immer noch nach Thassos oder leben sogar mittlerweile dort.

Skala Marion Centrum

An eine Geschichte erinnert sich der Fischer ganz besonders. Er hatte das junge Mädchen in sein Herz geschlossen, wie seine Frau auch. Eigentlich war das im Grunde nicht schwer, denn beide waren offene und sehr liebe Menschen und versuchten zu helfen wo sie nur konnten, um ihren Gästen einen unvergesslichen Urlaub zu bereiten.

Kiefernbucht

Ort des Geschehens: Limenaria

Limenaria Λιμενάρια ist ein beschauliches Städtchen. Limenaria bedeutet übersetzt „zweiter Hafen“. Limenas Λιμένας (Limin) von Limani Λιμάνι, der Hauptstadt von Thassos, ist somit die „erste Stadt“. Neben der guten Lage im Süden der Insel (häufig besseres Wetter als im Norden der Insel)  hat Limenaria so einiges zu bieten. Neben hübschen, alten Häusern, Gassen und einem schön, angelegten Hafen, befindet sich das alte Verwaltungsgebäude von Speidel, welches präsentabel auf einem Hügel über dem Hafen steht und langsam aber sicher immer mehr verfällt.

Thassos - Limenaria xThassos - Palataki Limenaria xLeider, denn es ist ein schöner Bau aus dem letzten Jahrhundert, zählt zur „Industriearchitektur“. Er ist zwar vor einiger Zeit mit EU-Geldern ein wenig aufgefrischt, aber später nicht weiter restauriert worden. Hinzu ist ein Teil des Sedimenthügels, auf dem das Palataki (Schlösschen) / Palati steht, vor ca. 12 Jahren herabgefallen, so dass ein Rundgang außerhalb des Palatakis am Rand des Hügels  nicht mehr möglich ist. Früher war das Palataki ein Ort für die Verliebten. Man traf sich dort, um den Sonnenuntergang zu beobachen, was bedeutete, dass man  ein bisschen näher zusammenrücken konnte, was unten im Dorf nicht möglich war. Das Palataki war Ort der ersten zaghaften Küsse, romantischen Begegnungen und so manchen Liebesabenteuern. Die großen, widerhallenden Räume könnten mit Sicherheit viele Geheinmnisse preisgeben, was sie aber bestimmt nicht tun werden.

Limenaria hat sehr viel zu bieten und wird in einem der nächsten Artikel näher beschrieben. Heute geht es um Sommer, Leichtigkeit, Liebe und Sehnsucht und vielen, schönen, einsamen Stellen auf Thassos.

 

 

 

 

Kazaviti

 

Thassos - Kastroebene x

 

Thassos - Lykos Rachoni x

 

Thassos - Skala Sotiras Festland x

 

Thassos - Skala Sotiras x

 

Thassos - Sotiras LP x

Thassos - Tripiti x

 

Thassos - Ypsario x

 

Thassos-Sommer 1x

 

Ein Gast erzählt

Ich bin mit meinen Eltern in den 1970er Jahren das erste Mal nach Thassos gefahren. Klassisch, mit dem Auto über den Autoput quer durch das ehemalige Jugoslawien. Es war eine Horrorstrecke und so einige Horrorstrecken sollten noch folgen, denn wir hatten uns von Anfang an in diese Insel verliebt und sind sehr viele Jahre später noch nach Thassos gefahren.

Thassos - LImenaria Athos x

Möwe

 

Ich habe auf Thassos mit 13 Jahren meinen ersten Kuss erhalten. Ich erinnere mich, als wenn es gestern war. Wir waren Gäste bei dem Fischer und seiner deutschen Frau und haben uns von Anfang an sehr wohl dort gefühlt und sind all die Jahre immer wieder dorthin zurückgekehrt. Neben uns gab es auch eine österreichische Familie, die einen Sohn in meinem Alter hatten. Wir freundeten uns alle an und waren tagsüber oft zusammen und abends immer in der Taverne bei Georg und seiner Frau Maria in Limenaria, die es heute nicht mehr gibt. Ich verliebte mich in den jungen Österreicher und irgendwann vor einem Hügel küsste er mich. Na ja, es war ein Hauch von einem Teenie-Kuss, aber für mich war das so aufregend, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Ich habe ihn nach diesem Urlaub nie wiedergesehen.

Thassos - Grand Beach x

Zwei Jahre später, mit 15 als wir wieder auf Thassos waren und abends bei Georg in seiner Taverna saßen fiel uns auf, dass ein junger Grieche immer wieder vorbei an unserem Tisch lief, irgendwie nervös, als wenn er etwas suchen würde. Ein paar Tage später kam Georg zu meinem Vater an den Tisch und fragte ihn ob Georg (es heißen wohl viele Griechen Georg) mit mir hier auf der Straße in Limenaria spazierengehen dürfte. Mein Vater hatte nichts dagegen, aber ich hatte etwas dagegen. Was sollte ich als junges Mädchen mit einem wildfremden Jungen, der mich linkisch aus den Augenwinkel anschaute ? Ich fand das so ziemlich blöd und wusste nicht was ich sagen sollte. Meine Eltern und Georg fanden das sehr lustig und lachten uns aus. Ich bin dann doch mit ihm spazieren gegangen, denn das Lachen meiner Eltern über mich fand ich noch blöder als, mit dem Jungen aus Limenaria spazieren zu gehen.

Athos Abendlicht

Eigentlich hatten wir uns nichts zu sagen. Sein Englisch war begrenzt, ich konnte kein Griechisch und hatte so gar keine Lust mich mit ihm zu unterhalten. Also gingen wir die Straße durch Limenaria – die untere Strandstraße gab es da noch nicht – immer wieder hoch und runter ………. bis meine Eltern sich erbarmten aufzubrechen. Was bei dem äußerst guten Essen, dem anscheinend noch besseren Wein und der anderen Gästen von Georg STUNDEN dauerte. Wie peinlich war das für mich, oberpeinlich und ich wünschte mir, dass das am nächsten Tag nicht wieder passieren würde. Leider hatte ich Pech, denn George, der Junge aus Limenaria stand kurze Zeit später wieder an unserem Tisch. Diesmal war er selbstsicherer und begrüßte meinen Vater mit Handschlag und nickte mit dem Kopf in meine Richtung, ob er wieder mit mir spazierengehen dürfte. Alles lachte wieder und ich glühte vor Wut. Ein weiteres Mal gingen wir wieder stumm die Straße hoch und runter, bis er einen Freund traf, der Deutsch konnte. Kosta, ein etwas älterer Junge – den ich übrigens damals viel attraktiver fand in meiner pubertären Phase – hatte eine deutsche Mutter und sprach beide Sprachen und fing an, Georgs Fragen und Bitten an mich zu übersetzen. Irgendwie wurde ich diesen Jungen einfach nicht los und da ich Kosta nicht enttäuschen wollte, ich fand ihn ja viiieeell netter, habe ich die Fragen von Georg an mich, beantwortet.

Thassos - Mohnblume xFog in Limenaria

Das wiederholte sich nun die nächsten Tage. Wir gingen essen, Georg, der Junge, kam, begrüßte meine Eltern und nahm mich mit. Da ich die Aussicht toll fand, Kosta wiederzusehen, bin ich dann doch gerne mitgegangen. An einem dieser Abende fragte mich Kosta ob ich Lust hätte – besser gesagt, überhaupt dürfte – mit Georg am nächsten Tag nachmittags mit einem Fischerboot die Küste ein wenig entlangzufahren. In der Annahme das Kosta mitkommen würde, habe ich freudig mit Ja geantwortet. Kosta kam sogar mit um meine Eltern zu fragen, die mich dorthin fahren mussten, da es zu weit zu Fuß war und auch viel zu heiß. Meine Eltern willigten ein und ich hatte eine schlaflose Nacht.

Schiffswerft PrinosNatürlich ist Kosta am nächsten Nachmittag nicht mitgekommen, sondern ich traf Georg alleine am Strand. Er stand lässig an einem riesigen, alten Fischerboot gelehnt und grinste wieder so blöd über das ganze Gesicht. Das Grinsen ist ihm aber bald vergangen, da er das riesige Boot keinen Millimeter vom Fleck bewegt bekam und nach einiger Zeit schwitzend und rot im Gesicht wie ein Pavianhintern, wütend davonstampfte und mich in der Hitze stehen ließ. Ich war so sauer, dass ich mich erst mal selber wütend in den Sand setze und vor mich hingrummelte. Nach einer gefühlten Ewigkeit wollte ich gehen, aber da sah ich von Weitem Georg mit ein paar Freunden kommen, die ihm dann halfen, das Boot zu Wasser zu lassen. Eher ungalant half er mir über die rissige Reeling des Bootes und ich fühlte mich so blöd, wie schon lange nicht mehr. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht mitfahren, traute mich aber nicht, einen Rückzieher zu machen.

Limenas

Gysir Beach

Grand Beach Limenaria Stelakis

Ein Glück war das Meer ruhig und wir kamen mit dem großen, alten Boot und den riesigen Paddeln recht gut voran. An diesen Nachmittag verliebte ich mich ein bisschen in Georg. Er zeigte mir wunderschöne Stellen, Höhleneingänge, durch die wir mit dem Boot fahren konnten und uns später auf einem ganz kleinen, sandigen Strand wiederfanden, halb offen, halb in einer Höhle. Ich erinnere mich heute gerne an diese Stelle, allerdings bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das wirklich so war, denn ich habe diesen Eingang nie wiedergefunden und weit konnten wir nicht gepaddelt sein, höchstens etwas bis hinter der Metalia Bucht. Auch Jahre später, als ich bei einem Diskothekentanzwettbewerb einen Boostausflug gewonnen hatte und eine Freundin mitnahm, habe ich die Stelle nicht gefunden. Aber sie existiert in meinem Kopf und annähernd so etwas Schönes muss mir Georg dort zwischen Limenaria und Metalia Bucht gezeigt haben. Vielleicht habe ich es aber auch nur geträumt ?

Potos

Als wir wieder am Strand von Limenaria eintrafen gab er mir den ersten Kuss. Ich dachte zwar immer noch in meinem jugendlichen Eifer an Kosta, aber nach diesem Kuss entschwand der verliebte Schmetterling für Kosta aus meinem Bauch vollständig und viele Schmetterlinge für Georg ließen sich in mir nieder. Nach diesem Ausflug waren wir unzertrennlich.

Skala Marion

Durch ihn habe ich eine nette Clique kennengelernt, die sich gegen Mittags immer in einem alten Cafe von Limenaria traf und chillte, wie es heute heißt. Da wir immer die ganzen Sommerferien auf Thassos waren, fanden sich in den 6 Wochen immer weitere Jugendliche ein, die auch auf Thassos ihren Urlaub verbrachten. Ich lernte zwei Mädchen aus Deutschland kennen, die sich wie ich in griechischen Jungs verliebt hatten, aber diese Jungs waren wesentlich älter und erfahrener, wie ich später durch einen Briefwechsel erfahren habe. Es waren angehende Kamakis, die typisch muskelbespannten, braungebrannten Jungs (Waschbrettbäuche wurden auch früher schon bevorzugt als Waschbärbäuche) die von sich meinten, sie wären die besten und schönsten jungen Männer auf der Welt. Wenn ich mir heute die alten Fotos anschaue muss ich zugeben, sie sahen sehr gut aus.

Limenaria Grand Beach

Ein Kamaki ist ein netter Aufreißer, ein griechischer Gigolo was der folgende Artikel sehr schön beschreibt, allerdings waren unsere Jungs aus Limenaria keine Profi-Aufreißer, sondern nette, unerfahrene Jungs, die den ausländischen wie auch einheimischen Mädchen gefielen. Wir waren aber noch viel zu jung und wir hatten kichernd unseren Spaß wenn sie ihre Muskeln spielen ließen und lernten langsam das kleine Einmaleins des Flirtens. Erst Jahre später erfuhr ich, dass eine Einladung zum Kaffee schon eine gewisse Erwartung enthielt, eine Einladung zum Abendessen noch viel mehr.

View Point

Was ist ein Kamaki ?

 

Mein Georg war kein Kamaki, zumindestens nicht in der Zeit, als wir uns kennenlernten.

Livadi

In diesem Urlaub haben wir viel unternommen. Entweder saßen wir mit der immer größer werdenden Clique von Jugendlichen in dem alten Café, liefen die kleine Treppe herunter und badeten im Meer oder wir unternahmen Streifzüge in die nähere Umgebung. Die Strände damals waren kaum bewirtschaftet und Metalia war meine Lieblingsbucht. Kein Mensch verirrte sich dorthin. Der Weg war viel zu anstrengend und ich hatte, wenn ich alleine sein wollte, meine Ruhe. Abends trafen wir uns zum Spaziergang durch Limenaria. Wir spazierten 2 – 6 x an meinen Eltern vorbei und dann verdrückten wir uns mit den anderen Freunden hoch zum Palataki, wo unser auserkorener Abenteuerspielplatz war.  Wir streiften durch das große Haus und machten Blödsinn, lachten und ab und zu gingen wir zaghaft händchenhaltend durch die Hallen. Das Palataki war gruselig. Es gab kein Licht, unsere Schatten waren groß an den Wänden und unsere Stimmen hallten laut durch die Räume. Ein Rascheln in den Ecken versetzte uns in Panik und wir stoben auseinander. Die älteren Menschen, die hier hoch kamen um wirklich ein paar ungestörte Minuten zu verbringen, nervten wir und sie erschreckten uns mit ihren Taschenlampen. Wir haben es nie gewagt, die alte Wendeltreppe hoch in das obere Geschoss hinaufzugehen. Sie lag dunkel und gespenstisch zur Meerseite hin und es roch sehr komisch dort. Wenn wir genug vom Palatiki hatten, setzten wir uns in den angrenzenden Kiefernwald und erzählten uns gegenseitig unsere Erlebnisse. Natürlich schmückten wir das Erlebte sehr lebhaft aus. Die griechischen Jungs ärgerten uns manchmal mit Witzen, die sie erzählten. Wir konnten sie nicht verstehen und sie zeigten uns anschaulich was sie meinten. Wir waren eher noch große Kinder als angehende Jugendliche. Es war eine wunderbare, unbeschwerte Zeit.

Palati Limenaria

Die Zeit der Abreise kam immer näher. Vor mir fuhren die zwei deutschen Mädels wieder nach Hause und an ihrem letzten Abend heulten wir zusammen die Straße von Limenaria hoch und runter und lamentierten was wir unternehmen könnten, um auf Thassos zu bleiben. Ein paar Tage später war es dann soweit, wir fuhren ab. Ich habe den ganzen, langen Weg von Thassos bis nach Hause im Auto geheult. Meine Eltern waren mehr als genervt und schimpften mit mir, was das Zeug hielt. Mein jüngerer Bruder, den ich so oder so nie mochte, hatte die besondere Gelegenheit mich die ganze Fahrt über zu ärgern, wozu er – wenn ich bei Verstand gewesen wäre – kein Chance gehabt hätte. Ich war sehr angreifbar in meinem ersten, furchbar süßen Liebeskummer.

Prinos Olivenhain

 

Georg und ich hatten uns im Urlaub schon viele, kleine Briefchen geschrieben und Fotos ausgetauscht, die mir Kosta immer wieder übersetzte. Als ich wieder zu Hause war schrieben wir uns jeden zweiten Tag. Georg auf Griechisch, die Kosta in die deutsche Sprache übertrug und ich auf Englisch. Das ging zwei Jahre so und ich hatte einen großen Aktenkoffer voller Liebesbriefe, den ich hütete wie einen Schatz. Natürlich hat Kosta nicht alle Briefe übersetzt, aber fast alle. Der arme Kerl ……….. was muss Georg ihn ständig gernervt haben. In dieser kummervollen Zeit fing ich an, Theresa, der Frau des Fischers zu schreiben. Sie wurde meine innigste Vertraute, meine Ersatzmama und ich lernte nebenbei das Tippen auf einer Schreibmaschine, denn Theresa schrieb immer auf ihrer alten Büroschreibmaschine, auch noch vor einigen Jahren. Ich kann mich sehr gut an das Schriftbild der Maschine erinnern, denn ein paar der Buchstaben tanzten auf dem Papier und gaben dem Dokument ein unverwechselbares Bild.

Prinos

Als ich nach zwei Jahren wieder nach Thassos kam, war unsere Liebe verflogen, bzw. hatte sich Georg verändert. Auch er war zu einem Kamaki (ob erfahren oder nicht, kann ich nicht beantworten) geworden und hatte nicht mehr die Absicht mit mir spazieren zu gehen, Blödsinn im Palatiki zu veranstalten oder mit dem alten Fischerboot rauszufahren, sondern wollte mit mir lieber abends essen gehen. Was ich aber dankend ablehnte, da ich die Erwartungshaltung in seinen Augen sah.

Skala Marion Sunset

In den vielen folgenden Jahren waren mir diese Briefe von Georg und Theresa weiter heilig. Ich habe sie gehütet, versteckt im Keller meiner späteren, ersten Wohnung. Ich holte sie in emotionalen Momenten hervor und ließ den Liebesfilm lesend vor meinen Augen abspielen. Dann passierte das Drama ! Mein damaliger Freund meinte, meinen Keller aufräumen zu müssen und schmieß den Aktenkoffer, wie auch ein paar andere sehr liebgewordene Dinge auf den Sperrmüll. Mir fiel das erst auf, als ich mal wieder einen dieser emotionalen Momente hatte und in die Vergangenheit reisen wollte. Ich fand den Koffer nicht …….. ich habe meinen Keller ein paar Mal ausgeräumt, um den Koffer zu finden, er war nicht mehr aufzufinden.

Trauminsel

Wir hatten an dem folgenden Wochenende Gäste und ich fragte meinen Freund, wo denn der schwarze, große Aktenkoffer wäre im Keller. Oh meinte er, den hätte er auf den Sperrmüll letzte Woche gelegt, da er so zerfressen ausgesehen hatte. Die Gäste suchten freiwillig das Weite, als mein Wutausbruch meinen Freund traf. Ich habe mehr als drei Wochen nicht mit ihm geredet.

Möwenvielfalt

Ein paar Erinnerungsstücke sind mir geblieben, ein Tagebuch welches ich über diesen Urlaub geführt hatte. Er, Georg, war meine erste, kleine Liebe auf Thassos und Thassos wurde meine große Liebe und die ist zum Glück nicht auf den Sperrmüll gelandet, sondern immer noch tief in meinem Herzen (die Krake ist mächtig und stark) und ab und zu benötige ich das ultimative Heilmittel gegen den Thassos-Virus und es ist jedes Mal nicht nur eine Reise in die Vergangenheit wenn ich ein paar liebgewonnene Protagonisten oder Nebendarsteller von früher sehe, sondern auch ein nach Hause kommen.

Loutra

Ich weiß heute, dass die Kamakis auch auf Thassos eine zentrale Rolle in den 1980er Jahren gespielt haben. Es gab eine hierarchische Struktur und einer der Jungs war immer der Chef im Dorf und leitete die anderen Jungs an oder angelte sich mit der Harpune den für sich besten Leckerbissen, denn „Kamaki“ bedeutet übersetzt „Harpune“. Nicht selten sind aus diesen in der Regel kurzfristigen Begegnungen Ehen entstanden, die bis heute gehalten haben. Dann hieß es: ich habe meinen Jungs eindeutig klargemacht, dass ich meine Harpune, meinen Dreizack (Waffe des Meeresgottes Poseidon) abgegeben habe, für immer. Das hieß allerdings nicht, dass der Chef nicht mehr Chef war im Dorf, auch da galt: für immer. Manchmal frage ich mich allerdings leise lächelnd, wer hat den nun wen geangelt, der Kamaki oder die selbstbewusste ausländische Frau.

Harpune

Wer noch tiefer in die Welt der Kamakis eintauchen möchte dem sei die Dokumentation von Arte „Colossi of Love“ empfohlen. Im Griechenland der 1970 und ’80er Jahre waren voreheliche Beziehungen verpönt. In den Großstädten wird es etwas lockerer zugegangen sein, aber nicht auf den Inseln oder abgelegenen Bergdörfern. Der Tourismus florierte nach dem Ende der Militärjunta und angesichts der Fülle der weiblichen Touristinnen, hatten die griechischen Gigolos leichtes Spiel.

Colossi of Love

Der berühmte Autor Vasilis Vasilikos (Kavala) – der Roman „Z“ und auch der gleichnamige Film dürfte einigen ein Begriff sein, beschreibt in seinem Buch „The Lotus Eaters“, „Tα Kαμάκια“, sehr humorvoll, mit satirischem Ansatz und chirugischer Präzision den saisonalen Schmelztigel durch die Kamikis und Touristinnen der 1980er Jahre. In seiner lebhaften Beschreibung über die Kamakis, gewürzt mit scharfer Beobachtungsgabe werden die sozialen Schichten Griechenlands durchschnitten und entblößen ihren „Kern“, im wahrsten Sinne des Wortes. Leider ist das wirklich gute Buch nur in griechischer Sprache erhältlich.

Ypsario

6 replies »

  1. wieder so viele schöne Fotos und deine Geschichte, die kann ich sehr gut nachvollziehen. Zum Glück bedeutet der Verlust eines schwarzen Koffers voller alter liebgewonnener Briefe nicht den Verlust der Erinnerung.
    Du machst mir immer wieder Lust, nochmals nach Thassos zu reisen, vielleicht auch nur um zu sehen, was aus den Kamakis von damals heute geworden ist.

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    • Der größte Schatz sind die Erinnerungen, da gebe ich dir vollkommen recht :). Wenn die Zeit da ist, wirst du wohl noch mal nach den Kamakis von früher schauen, vor Ort. Ich danke dir und freue mich, dass ich auch bei dir ein bisschen Lust auf Thassos aufrechterhalten kann. 🙂

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  2. Du hast wunderschöne Fotos gezeigt. Die Landschaft gibt dir solche wunderbaren Motive. Du hast ein gutes Auge es auch zu sehen was schön ist. Ich gestehe, zum lesen bin ich noch nicht gekommen. Wir waren in unseren jungen Jahren auch Griechenlandfans. Haben mit dem Rucksack viele Inseln besucht. Dahin wo nicht so viel los war wollten wir immer hin.

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    • Danke dir :), das freut mich. Ja ich mag es auch lieber einsam. Jetzt war es schon recht voll auf Thassos, eigentlich nicht meine Zeit, aber halt auch „anders“ wundervoll. Am liebsten reise ich im späten Winter oder Frühling. Lesen oder Betrachten, dafür ist der Blog da, LG

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  3. You once again show Thassos in a light that is seldom imagined (not to mentioned seen). Incredible photos crisp with detail and with these photos alone, how could one not fall in love and wish to spend the days in this magical world. I do believe I need to visit this magical place 🙂 Wish you a great summer!

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    • Thanks a lot dear Randall :). Who knows wherever life may lead us ………. However, I am pleased that my feelings arrives. I wish you also a great summer and looking forward to your next article.

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