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Eine Sommerliebe auf Thassos oder was ist ein Kamaki ?

Was f├╝r ein herrlicher Sommer auf Thassos. Fast ein wenig zu hei├č, aber der Wind k├╝hlt und das smaragdfarbene, seidig, klare Wasser l├Ądt ein, hineinzuspringen und glitzert in allen Schattierungen. Wer nicht arbeiten muss, der darf die sommerliche Sch├Ânheit von Thassos nun genie├čen, denkt sich unser Fischer und r├╝ckt seinen alten, kleinen Sessel aus den 1970er Jahren noch tiefer in den Schatten und nimmt eine Kleinigkeit zu sich.

Kleines Mezze H├Ąhnchenkeule, Auberginen, Schafsk├Ąse, Trumbaoliven x

Er muss schon lange nicht mehr arbeiten und sinniert mit seinem Freund, dem Th├Żmos ├╝ber vergangene Zeiten. Wie in seiner heutigen Geschichte, die sich wohl in den 1980er Jahren abgespielt haben wird. Er hat sie mir vor einiger Zeit schon erz├Ąhlt und heute ist der passende Tag, diese Geschichte niederzuschreiben. Der Fischer und seine Frau hatten viele G├Ąste in ihrer Pension auf Thassos und diese G├Ąste hatten oft Kinder oder angehende Jugendliche und die verliebten sich manchmal nicht nur in die Insel, sondern auch in einen Thassioten.

M├ÂwenLZBSkala Marion Beach

Es ist schon schlimm genug, sich in Thassos zu verlieben ÔÇô denn jeder verliebte Mensch bekommt diesen hundsgemeinen Thassos-Virus einfach nicht in den Griff. Er klammert sich wie eine ├╝berdimensionierte Krake an dein Herz. Diese Thassos-Viren, die die Krake mitschleppt, sind immun gegen jegliche Hilfsmittel (sie helfen wenn ├╝berhaupt nur kurz), au├čer dem grandiosen Heilmittel, wiederzukommen.

Pyrofani

K├Ątzchen

Wenn man sich auch noch in jungen Jahren ganz langsam in einen Menschen verliebt, der vor Ort lebt, dann wird es ganz b├Âse. Doppelte Verkettungen von Emotionen durch die erste, kleine, zaghafte Liebe, der Insel, Sommer, Sonne, Strand, Kr├Ąuterduft, Sternenn├Ąchte, Fischerb├Â├Âtchen, Glitzern, griechische Musik, nette Menschen, gutes Essen ÔÇŽÔÇŽÔÇŽ.., dann ist der Kummer gro├č, wenn diese doppelt infizierten Menschen Thassos wieder verlassen.

Skala Sotiras

Der Fischer und seine Frau haben in der Vergangenheit oft versucht, ├╝ber so manchen Kummer und gro├čen Tr├Ąnen hinwegzuhelfen. Bei einigen, ehemaligen G├Ąsten ist dadurch im Laufe der Zeit ein langer Briefwechsel entstanden. Ein paar wenige Menschen sind dem Ruf der Krake an ihrem Herzen weiter gefolgt und fahren immer noch nach Thassos oder leben sogar mittlerweile dort.

Skala Marion Centrum

An eine Geschichte erinnert sich der Fischer ganz besonders. Er hatte das junge M├Ądchen in sein Herz geschlossen, wie seine Frau auch. Eigentlich war das im Grunde nicht schwer, denn beide waren offene und sehr liebe Menschen und versuchten zu helfen wo sie nur konnten, um ihren G├Ąsten einen unvergesslichen Urlaub zu bereiten.

Kiefernbucht

Ort des Geschehens: Limenaria

Limenaria ╬Ť╬╣╬╝╬Á╬Ż╬Ȥü╬╣╬▒ ist ein beschauliches St├Ądtchen. Limenaria bedeutet ├╝bersetzt „zweiter Hafen“. Limenas ╬Ť╬╣╬╝╬ş╬Ż╬▒¤é (Limin) von Limani ╬Ť╬╣╬╝╬Č╬Ż╬╣, der Hauptstadt von Thassos, ist somit die „erste Stadt“. Neben der guten Lage im S├╝den der Insel (h├Ąufig besseres Wetter als im Norden der Insel)┬á hat Limenaria so einiges zu bieten. Neben h├╝bschen, alten H├Ąusern, Gassen und einem sch├Ân, angelegten Hafen, befindet sich das alte Verwaltungsgeb├Ąude von Speidel, welches pr├Ąsentabel auf einem H├╝gel ├╝ber dem Hafen steht und langsam aber sicher immer mehr verf├Ąllt.

Thassos - Palataki Limenaria xLeider, denn es ist ein sch├Âner Bau aus dem letzten Jahrhundert, z├Ąhlt zur „Industriearchitektur“. Er ist zwar vor einiger Zeit mit EU-Geldern ein wenig aufgefrischt, aber sp├Ąter nicht weiter restauriert worden. Hinzu ist ein Teil des Sedimenth├╝gels, auf dem das Palataki (Schl├Âsschen) / Palati steht, vor ca. 12 Jahren herabgefallen, so dass ein Rundgang au├čerhalb des Palatakis am Rand des H├╝gels┬á nicht mehr m├Âglich ist. Fr├╝her war das Palataki ein Ort f├╝r die Verliebten. Man traf sich dort, um den Sonnenuntergang zu beobachen, was bedeutete, dass man┬á ein bisschen n├Ąher zusammenr├╝cken konnte, was unten im Dorf nicht m├Âglich war. Das Palataki war Ort der ersten zaghaften K├╝sse, romantischen Begegnungen und so manchen Liebesabenteuern. Die gro├čen, widerhallenden R├Ąume k├Ânnten mit Sicherheit viele Geheinmnisse preisgeben, was sie aber bestimmt nicht tun werden.

Limenaria hat sehr viel zu bieten und wird in einem der n├Ąchsten Artikel n├Ąher beschrieben. Heute geht es um Sommer, Leichtigkeit, Liebe und Sehnsucht und vielen, sch├Ânen, einsamen Stellen auf Thassos.

Thassos - Lykos Rachoni x

Thassos - Skala Sotiras Festland x

Thassos - Skala Sotiras x

Thassos - Sotiras LP x

Thassos - Ypsario x

Thassos-Sommer 1x

Ein Gast erz├Ąhlt

Ich bin mit meinen Eltern in den 1970er Jahren das erste Mal nach Thassos gefahren. Klassisch, mit dem Auto ├╝ber den Autoput quer durch das ehemalige Jugoslawien. Es war eine Horrorstrecke und so einige Horrorstrecken sollten noch folgen, denn wir hatten uns von Anfang an in diese Insel verliebt und sind sehr viele Jahre sp├Ąter noch nach Thassos gefahren.

Thassos - LImenaria Athos x

M├Âwe

Ich habe auf Thassos mit 13 Jahren meinen ersten Kuss erhalten. Ich erinnere mich, als wenn es gestern war. Wir waren G├Ąste bei dem Fischer und seiner deutschen Frau und haben uns von Anfang an sehr wohl dort gef├╝hlt und sind all die Jahre immer wieder dorthin zur├╝ckgekehrt. Neben uns gab es auch eine ├Âsterreichische Familie, die einen Sohn in meinem Alter hatten. Wir freundeten uns alle an und waren tags├╝ber oft zusammen und abends immer in der Taverne bei Georg und seiner Frau Maria in Limenaria, die es heute nicht mehr gibt. Ich verliebte mich in den jungen ├ľsterreicher und irgendwann vor einem H├╝gel k├╝sste er mich. Na ja, es war ein Hauch von einem Teenie-Kuss, aber f├╝r mich war das so aufregend, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Ich habe ihn nach diesem Urlaub nie wiedergesehen.

Thassos - Grand Beach x

Zwei Jahre sp├Ąter, mit 15 als wir wieder auf Thassos waren und abends bei Georg in seiner Taverna sa├čen fiel uns auf, dass ein junger Grieche immer wieder vorbei an unserem Tisch lief, irgendwie nerv├Âs, als wenn er etwas suchen w├╝rde. Ein paar Tage sp├Ąter kam Georg zu meinem Vater an den Tisch und fragte ihn ob Georg (es hei├čen wohl viele Griechen Georg) mit mir hier auf der Stra├če in Limenaria spazierengehen d├╝rfte. Mein Vater hatte nichts dagegen, aber ich hatte etwas dagegen. Was sollte ich als junges M├Ądchen mit einem wildfremden Jungen, der mich linkisch aus den Augenwinkel anschaute ? Ich fand das so ziemlich bl├Âd und wusste nicht was ich sagen sollte. Meine Eltern und Georg fanden das sehr lustig und lachten uns aus. Ich bin dann doch mit ihm spazieren gegangen, denn das Lachen meiner Eltern ├╝ber mich fand ich noch bl├Âder als, mit dem Jungen aus Limenaria spazieren zu gehen.

Athos Abendlicht

Eigentlich hatten wir uns nichts zu sagen. Sein Englisch war begrenzt, ich konnte kein Griechisch und hatte so gar keine Lust mich mit ihm zu unterhalten. Also gingen wir die Stra├če durch Limenaria – die untere Strandstra├če gab es da noch nicht – immer wieder hoch und runter ………. bis meine Eltern sich erbarmten aufzubrechen. Was bei dem ├Ąu├čerst guten Essen, dem anscheinend noch besseren Wein und der anderen G├Ąsten von Georg STUNDEN dauerte. Wie peinlich war das f├╝r mich, oberpeinlich und ich w├╝nschte mir, dass das am n├Ąchsten Tag nicht wieder passieren w├╝rde. Leider hatte ich Pech, denn George, der Junge aus Limenaria stand kurze Zeit sp├Ąter wieder an unserem Tisch. Diesmal war er selbstsicherer und begr├╝├čte meinen Vater mit Handschlag und nickte mit dem Kopf in meine Richtung, ob er wieder mit mir spazierengehen d├╝rfte. Alles lachte wieder und ich gl├╝hte vor Wut. Ein weiteres Mal gingen wir wieder stumm die Stra├če hoch und runter, bis er einen Freund traf, der Deutsch konnte. Kosta, ein etwas ├Ąlterer Junge – den ich ├╝brigens damals viel attraktiver fand in meiner pubert├Ąren Phase – hatte eine deutsche Mutter und sprach beide Sprachen und fing an, Georgs Fragen und Bitten an mich zu ├╝bersetzen. Irgendwie wurde ich diesen Jungen einfach nicht los und da ich Kosta nicht entt├Ąuschen wollte, ich fand ihn ja viiieeell netter, habe ich die Fragen von Georg an mich, beantwortet.

Thassos - Mohnblume xFog in Limenaria

Das wiederholte sich nun die n├Ąchsten Tage. Wir gingen essen, Georg, der Junge, kam, begr├╝├čte meine Eltern und nahm mich mit. Da ich die Aussicht toll fand, Kosta wiederzusehen, bin ich dann doch gerne mitgegangen. An einem dieser Abende fragte mich Kosta ob ich Lust h├Ątte – besser gesagt, ├╝berhaupt d├╝rfte – mit Georg am n├Ąchsten Tag nachmittags mit einem Fischerboot die K├╝ste ein wenig entlangzufahren. In der Annahme das Kosta mitkommen w├╝rde, habe ich freudig mit Ja geantwortet. Kosta kam sogar mit um meine Eltern zu fragen, die mich dorthin fahren mussten, da es zu weit zu Fu├č war und auch viel zu hei├č. Meine Eltern willigten ein und ich hatte eine schlaflose Nacht.

Schiffswerft PrinosNat├╝rlich ist Kosta am n├Ąchsten Nachmittag nicht mitgekommen, sondern ich traf Georg alleine am Strand. Er stand l├Ąssig an einem riesigen, alten Fischerboot gelehnt und grinste wieder so bl├Âd ├╝ber das ganze Gesicht. Das Grinsen ist ihm aber bald vergangen, da er das riesige Boot keinen Millimeter vom Fleck bewegt bekam und nach einiger Zeit schwitzend und rot im Gesicht wie ein Pavianhintern, w├╝tend davonstampfte und mich in der Hitze stehen lie├č. Ich war so sauer, dass ich mich erst mal selber w├╝tend in den Sand setze und vor mich hingrummelte. Nach einer gef├╝hlten Ewigkeit wollte ich gehen, aber da sah ich von Weitem Georg mit ein paar Freunden kommen, die ihm dann halfen, das Boot zu Wasser zu lassen. Eher ungalant half er mir ├╝ber die rissige Reeling des Bootes und ich f├╝hlte mich so bl├Âd, wie schon lange nicht mehr. Eigentlich wollte ich ├╝berhaupt nicht mitfahren, traute mich aber nicht, einen R├╝ckzieher zu machen.

Limenas

Gysir Beach

Grand Beach Limenaria Stelakis

Ein Gl├╝ck war das Meer ruhig und wir kamen mit dem gro├čen, alten Boot und den riesigen Paddeln recht gut voran. An diesen Nachmittag verliebte ich mich ein bisschen in Georg. Er zeigte mir wundersch├Âne Stellen, H├Âhleneing├Ąnge, durch die wir mit dem Boot fahren konnten und uns sp├Ąter auf einem ganz kleinen, sandigen Strand wiederfanden, halb offen, halb in einer H├Âhle. Ich erinnere mich heute gerne an diese Stelle, allerdings bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das wirklich so war, denn ich habe diesen Eingang nie wiedergefunden und weit konnten wir nicht gepaddelt sein, h├Âchstens etwas bis hinter der Metalia Bucht. Auch Jahre sp├Ąter, als ich bei einem Diskothekentanzwettbewerb einen Boostausflug gewonnen hatte und eine Freundin mitnahm, habe ich die Stelle nicht gefunden. Aber sie existiert in meinem Kopf und ann├Ąhernd so etwas Sch├Ânes muss mir Georg dort zwischen Limenaria und Metalia Bucht gezeigt haben. Vielleicht habe ich es aber auch nur getr├Ąumt ?

Potos

Als wir wieder am Strand von Limenaria eintrafen gab er mir den ersten Kuss. Ich dachte zwar immer noch in meinem jugendlichen Eifer an Kosta, aber nach diesem Kuss entschwand der verliebte Schmetterling f├╝r Kosta aus meinem Bauch vollst├Ąndig und viele Schmetterlinge f├╝r Georg lie├čen sich in mir nieder. Nach diesem Ausflug waren wir unzertrennlich.

Skala Marion

Durch ihn habe ich eine nette Clique kennengelernt, die sich gegen Mittags immer in einem alten Cafe von Limenaria traf und chillte, wie es heute hei├čt. Da wir immer die ganzen Sommerferien auf Thassos waren, fanden sich in den 6 Wochen immer weitere Jugendliche ein, die auch auf Thassos ihren Urlaub verbrachten. Ich lernte zwei M├Ądchen aus Deutschland kennen, die sich wie ich in griechischen Jungs verliebt hatten, aber diese Jungs waren wesentlich ├Ąlter und erfahrener, wie ich sp├Ąter durch einen Briefwechsel erfahren habe. Es waren angehende Kamakis, die typisch muskelbespannten, braungebrannten Jungs (Waschbrettb├Ąuche wurden auch fr├╝her schon bevorzugt als Waschb├Ąrb├Ąuche) die von sich meinten, sie w├Ąren die besten und sch├Ânsten jungen M├Ąnner auf der Welt. Wenn ich mir heute die alten Fotos anschaue muss ich zugeben, sie sahen sehr gut aus.

Limenaria Grand Beach

Ein Kamaki ist ein netter Aufrei├čer, ein griechischer Gigolo was der folgende Artikel sehr sch├Ân beschreibt, allerdings waren unsere Jungs aus Limenaria keine Profi-Aufrei├čer, sondern nette, unerfahrene Jungs, die den ausl├Ąndischen wie auch einheimischen M├Ądchen gefielen. Wir waren aber noch viel zu jung und wir hatten kichernd unseren Spa├č wenn sie ihre Muskeln spielen lie├čen und lernten langsam das kleine Einmaleins des Flirtens. Erst Jahre sp├Ąter erfuhr ich, dass eine Einladung zum Kaffee schon eine gewisse Erwartung enthielt, eine Einladung zum Abendessen noch viel mehr.

View Point

Was ist ein Kamaki ?

Mein Georg war kein Kamaki, zumindestens nicht in der Zeit, als wir uns kennenlernten.

Livadi

In diesem Urlaub haben wir viel unternommen. Entweder sa├čen wir mit der immer gr├Â├čer werdenden Clique von Jugendlichen in dem alten Caf├ę, liefen die kleine Treppe herunter und badeten im Meer oder wir unternahmen Streifz├╝ge in die n├Ąhere Umgebung. Die Str├Ąnde damals waren kaum bewirtschaftet und Metalia war meine Lieblingsbucht. Kein Mensch verirrte sich dorthin. Der Weg war viel zu anstrengend und ich hatte, wenn ich alleine sein wollte, meine Ruhe. Abends trafen wir uns zum Spaziergang durch Limenaria. Wir spazierten 2 – 6 x an meinen Eltern vorbei und dann verdr├╝ckten wir uns mit den anderen Freunden hoch zum Palataki, wo unser auserkorener Abenteuerspielplatz war.┬á Wir streiften durch das gro├če Haus und machten Bl├Âdsinn, lachten und ab und zu gingen wir zaghaft h├Ąndchenhaltend durch die Hallen. Das Palataki war gruselig. Es gab kein Licht, unsere Schatten waren gro├č an den W├Ąnden und unsere Stimmen hallten laut durch die R├Ąume. Ein Rascheln in den Ecken versetzte uns in Panik und wir stoben auseinander. Die ├Ąlteren Menschen, die hier hoch kamen um wirklich ein paar ungest├Ârte Minuten zu verbringen, nervten wir und sie erschreckten uns mit ihren Taschenlampen. Wir haben es nie gewagt, die alte Wendeltreppe hoch in das obere Geschoss hinaufzugehen. Sie lag dunkel und gespenstisch zur Meerseite hin und es roch sehr komisch dort. Wenn wir genug vom Palatiki hatten, setzten wir uns in den angrenzenden Kiefernwald und erz├Ąhlten uns gegenseitig unsere Erlebnisse. Nat├╝rlich schm├╝ckten wir das Erlebte sehr lebhaft aus. Die griechischen Jungs ├Ąrgerten uns manchmal mit Witzen, die sie erz├Ąhlten. Wir konnten sie nicht verstehen und sie zeigten uns anschaulich was sie meinten. Wir waren eher noch gro├če Kinder als angehende Jugendliche. Es war eine wunderbare, unbeschwerte Zeit.

Palati Limenaria

Die Zeit der Abreise kam immer n├Ąher. Vor mir fuhren die zwei deutschen M├Ądels wieder nach Hause und an ihrem letzten Abend heulten wir zusammen die Stra├če von Limenaria hoch und runter und lamentierten was wir unternehmen k├Ânnten, um auf Thassos zu bleiben. Ein paar Tage sp├Ąter war es dann soweit, wir fuhren ab. Ich habe den ganzen, langen Weg von Thassos bis nach Hause im Auto geheult. Meine Eltern waren mehr als genervt und schimpften mit mir, was das Zeug hielt. Mein j├╝ngerer Bruder, den ich so oder so nie mochte, hatte die besondere Gelegenheit mich die ganze Fahrt ├╝ber zu ├Ąrgern, wozu er – wenn ich bei Verstand gewesen w├Ąre – kein Chance gehabt h├Ątte. Ich war sehr angreifbar in meinem ersten, furchbar s├╝├čen Liebeskummer.

Prinos Olivenhain

Georg und ich hatten uns im Urlaub schon viele, kleine Briefchen geschrieben und Fotos ausgetauscht, die mir Kosta immer wieder ├╝bersetzte. Als ich wieder zu Hause war schrieben wir uns jeden zweiten Tag. Georg auf Griechisch, die Kosta in die deutsche Sprache ├╝bertrug und ich auf Englisch. Das ging zwei Jahre so und ich hatte einen gro├čen Aktenkoffer voller Liebesbriefe, den ich h├╝tete wie einen Schatz. Nat├╝rlich hat Kosta nicht alle Briefe ├╝bersetzt, aber fast alle. Der arme Kerl ……….. was muss Georg ihn st├Ąndig gernervt haben. In dieser kummervollen Zeit fing ich an, Theresa, der Frau des Fischers zu schreiben. Sie wurde meine innigste Vertraute, meine Ersatzmama und ich lernte nebenbei das Tippen auf einer Schreibmaschine, denn Theresa schrieb immer auf ihrer alten B├╝roschreibmaschine, auch noch vor einigen Jahren. Ich kann mich sehr gut an das Schriftbild der Maschine erinnern, denn ein paar der Buchstaben tanzten auf dem Papier und gaben dem Dokument ein unverwechselbares Bild.

Prinos

Als ich nach zwei Jahren wieder nach Thassos kam, war unsere Liebe verflogen, bzw. hatte sich Georg ver├Ąndert. Auch er war zu einem Kamaki (ob erfahren oder nicht, kann ich nicht beantworten) geworden und hatte nicht mehr die Absicht mit mir spazieren zu gehen, Bl├Âdsinn im Palatiki zu veranstalten oder mit dem alten Fischerboot rauszufahren, sondern wollte mit mir lieber abends essen gehen. Was ich aber dankend ablehnte, da ich die Erwartungshaltung in seinen Augen sah.

Skala Marion Sunset

In den vielen folgenden Jahren waren mir diese Briefe von Georg und Theresa weiter heilig. Ich habe sie geh├╝tet, versteckt im Keller meiner sp├Ąteren, ersten Wohnung. Ich holte sie in emotionalen Momenten hervor und lie├č den Liebesfilm lesend vor meinen Augen abspielen. Dann passierte das Drama ! Mein damaliger Freund meinte, meinen Keller aufr├Ąumen zu m├╝ssen und schmie├č den Aktenkoffer, wie auch ein paar andere sehr liebgewordene Dinge auf den Sperrm├╝ll. Mir fiel das erst auf, als ich mal wieder einen dieser emotionalen Momente hatte und in die Vergangenheit reisen wollte. Ich fand den Koffer nicht …….. ich habe meinen Keller ein paar Mal ausger├Ąumt, um den Koffer zu finden, er war nicht mehr aufzufinden.

Trauminsel

Wir hatten an dem folgenden Wochenende G├Ąste und ich fragte meinen Freund, wo denn der schwarze, gro├če Aktenkoffer w├Ąre im Keller. Oh meinte er, den h├Ątte er auf den Sperrm├╝ll letzte Woche gelegt, da er so zerfressen ausgesehen hatte. Die G├Ąste suchten freiwillig das Weite, als mein Wutausbruch meinen Freund traf. Ich habe mehr als drei Wochen nicht mit ihm geredet.

M├Âwenvielfalt

Ein paar Erinnerungsst├╝cke sind mir geblieben, ein Tagebuch welches ich ├╝ber diesen Urlaub gef├╝hrt hatte. Er, Georg, war meine erste, kleine Liebe auf Thassos und Thassos wurde meine gro├če Liebe und die ist zum Gl├╝ck nicht auf den Sperrm├╝ll gelandet, sondern immer noch tief in meinem Herzen (die Krake ist m├Ąchtig und stark) und ab und zu ben├Âtige ich das ultimative Heilmittel gegen den Thassos-Virus und es ist jedes Mal nicht nur eine Reise in die Vergangenheit wenn ich ein paar liebgewonnene Protagonisten oder Nebendarsteller von fr├╝her sehe, sondern auch ein nach Hause kommen.

Loutra

Ich wei├č heute, dass die Kamakis auch auf Thassos eine zentrale Rolle in den 1980er Jahren gespielt haben. Es gab eine hierarchische Struktur und einer der Jungs war immer der Chef im Dorf und leitete die anderen Jungs an oder angelte sich mit der Harpune den f├╝r sich besten Leckerbissen, denn „Kamaki“ bedeutet ├╝bersetzt „Harpune“. Nicht selten sind aus diesen in der Regel kurzfristigen Begegnungen Ehen entstanden, die bis heute gehalten haben. Dann hie├č es: ich habe meinen Jungs eindeutig klargemacht, dass ich meine Harpune, meinen Dreizack (Waffe des Meeresgottes Poseidon) abgegeben habe, f├╝r immer. Das hie├č allerdings nicht, dass der Chef nicht mehr Chef war im Dorf, auch da galt: f├╝r immer. Manchmal frage ich mich allerdings leise l├Ąchelnd, wer hat den nun wen geangelt, der Kamaki oder die selbstbewusste ausl├Ąndische Frau.

Harpune

Wer noch tiefer in die Welt der Kamakis eintauchen m├Âchte dem sei die Dokumentation von Arte „Colossi of Love“ empfohlen. Im Griechenland der 1970 und ’80er Jahre waren voreheliche Beziehungen verp├Ânt. In den Gro├čst├Ądten wird es etwas lockerer zugegangen sein, aber nicht auf den Inseln oder abgelegenen Bergd├Ârfern. Der Tourismus florierte nach dem Ende der Milit├Ąrjunta und angesichts der F├╝lle der weiblichen Touristinnen, hatten die griechischen Gigolos leichtes Spiel.

Colossi of Love

Der ber├╝hmte Autor Vasilis Vasilikos (Kavala) – der Roman „Z“ und auch der gleichnamige Film d├╝rfte einigen ein Begriff sein, beschreibt in seinem Buch „The Lotus Eaters“, „T╬▒ K╬▒╬╝╬Č╬║╬╣╬▒“, sehr humorvoll, mit satirischem Ansatz und chirugischer Pr├Ązision den saisonalen Schmelztigel durch die Kamikis und Touristinnen der 1980er Jahre. In seiner lebhaften Beschreibung ├╝ber die Kamakis, gew├╝rzt mit scharfer Beobachtungsgabe werden die sozialen Schichten Griechenlands durchschnitten und entbl├Â├čen ihren „Kern“, im wahrsten Sinne des Wortes. Leider ist das wirklich gute Buch nur in griechischer Sprache erh├Ąltlich.

Ypsario

6 replies »

  1. wieder so viele sch├Âne Fotos und deine Geschichte, die kann ich sehr gut nachvollziehen. Zum Gl├╝ck bedeutet der Verlust eines schwarzen Koffers voller alter liebgewonnener Briefe nicht den Verlust der Erinnerung.
    Du machst mir immer wieder Lust, nochmals nach Thassos zu reisen, vielleicht auch nur um zu sehen, was aus den Kamakis von damals heute geworden ist.

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    • Der gr├Â├čte Schatz sind die Erinnerungen, da gebe ich dir vollkommen recht :). Wenn die Zeit da ist, wirst du wohl noch mal nach den Kamakis von fr├╝her schauen, vor Ort. Ich danke dir und freue mich, dass ich auch bei dir ein bisschen Lust auf Thassos aufrechterhalten kann. ­čÖé

      Gef├Ąllt 1 Person

  2. Du hast wundersch├Âne Fotos gezeigt. Die Landschaft gibt dir solche wunderbaren Motive. Du hast ein gutes Auge es auch zu sehen was sch├Ân ist. Ich gestehe, zum lesen bin ich noch nicht gekommen. Wir waren in unseren jungen Jahren auch Griechenlandfans. Haben mit dem Rucksack viele Inseln besucht. Dahin wo nicht so viel los war wollten wir immer hin.

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    • Danke dir :), das freut mich. Ja ich mag es auch lieber einsam. Jetzt war es schon recht voll auf Thassos, eigentlich nicht meine Zeit, aber halt auch „anders“ wundervoll. Am liebsten reise ich im sp├Ąten Winter oder Fr├╝hling. Lesen oder Betrachten, daf├╝r ist der Blog da, LG

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  3. You once again show Thassos in a light that is seldom imagined (not to mentioned seen). Incredible photos crisp with detail and with these photos alone, how could one not fall in love and wish to spend the days in this magical world. I do believe I need to visit this magical place ­čÖé Wish you a great summer!

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    • Thanks a lot dear Randall :). Who knows wherever life may lead us ………. However, I am pleased that my feelings arrives. I wish you also a great summer and looking forward to your next article.

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