Thassos - Agios Georgios

Das Bergdorf Rachoni ~ Ραχώνι

Griechische Küstenfahrten von Löher, Franz von Bielefeld, 1876

„Ich habe auf diesem kleinen Erdenrund schon so manche hübsche Reise gemacht …………, doch niemals erlebte ich eine Reise so erfüllt von Glück und Schönheit, so ganz im reinen seligen Genießen, wie im Juni auf und zwischen den griechischen Inseln. Längst hatte ich mir einige davon ausgesucht die aus den grauen Schleiern des Alterthums lockend herüber grüßten, das reiche üppige Thassos ……….. „

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So beschrieb Herr Franz von Bielefeld schon vor langer Zeit seine Reise nach Thassos und es ist immer noch so. Thassos, mit seiner üppigen Schönheit und seinen tiefen Geheimnissen, locken weiterhin Menschen an, die sich unsterblich in die grüne Insel verlieben. Die Sirenen und Tritonen von Thassos rufen weiterhin und es gibt auch heute noch Stellen auf Thassos, die in der Saison von Touristen kaum besucht werden, dazu gehört Rachoni, ein weiteres Bergdorf auf Thassos. Rachoni liegt ca. vier Kilometer entfernt von der Küstenstraße. Gegenüber dem Supermarkt Latzouris (Skala Rachoni) aus geht von der Küstenstraße eine kleine Straße sanft hoch vorbei an Olivenhainen bis Agios Georgios, das kleine Dorf welches linker Hand liegt und Rachoni.

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Hinter einer scharfen Rechtkurve und der Panagia-Kirche fährt man geradewegs auf Rachoni zu. Rachoni ruht buchstäblich vor dem Grat des Berges Túmba, eingetaucht in einer spektakulären Flora neben Olivenbäumen, allen Arten von Obstbäumen, Sträuchern, Blumen und vielen Kastanienbäumen. Die Panagia-Kirche ist eine besondere Kirche. Sie liegt umrundet von großen, alten Platanen auf der Platia vor Rachoni, neben einer netten, alten Taverne, in der sich ein Besuch auf jeden Fall ebenfalls lohnt. Direkt gegenüber gibt es ein Verkaufslager von Olivenöl und Oliven. Hier kann man gerne die Oliven, welche in großen Fässern oder Tonnen lagern, besichtigen.

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Wer den Innenhof der Panagi-Kirche betritt wird erst einmal von dem vielen Wasser überrascht sein. Das Erstaunliche daran ist, dass sich die Quelle im Innern der Kirche befindet, im Altarraum, und die darf nur der Pope sehen. Wenn es im Winter und Frühling viel regnet sprudelt diese Quelle über und das Wasser drängt nicht nur nach draußen, sondern überschwemmt auch den Boden des Kirchraumes.

Eine Legende besagt, dass man eine blinde Bulgarin einst zu der Quelle geschickt hatte, damit sie zur heiligen Panagia beten konnte. Sie hatte wohl Durst oder ihr war heiß und somit kamen ihre Augen mit dem Wasser in Berührung. Kurze Zeit später soll sie wieder ihr Augenlicht zurückerhalten haben. Sie zog in die Nähe dieser Quelle und wurde die erste Einwohnerin Rachonis. Später (19. Jahrhundert) baute man über die Quelle die Panagia-Kirche.

Am 15. August wird „Mariä Himmelfahrt“ gefeiert. Die einheimischen Frauen bereiten an diesem Tag das „Kourbani“ (Eintopf aus Fleisch mit Weizen) zu, welches nach der Messe auf dem Kirchhof kostenlos verteilt wird. Dieses gemeinsame Essen, Feiern und die Freude geben den Menschen neben ihrer Religiosität, Hoffnung und Auftrieb für den Rest des Jahres.

15. August – Mariä Himmelfahrt
„Mariä Himmelfahrt“ (griechisch: Kímisi tis Theotókou) zählt zu den bedeutendsten Griechisch Orthodoxen Feiertagen. In allen Kirchen und insbesondere den zahlreichen der heiligen Jungfrau geweihten Kathedralen, Kirchen, Kapellen und Klöstern finden feierliche Messen und liturgische Zeremonien statt.

Rachoni 44Rachoni ist ein Bergdorf im Nordwesten von Thassos. Rachoni hat ca. 650 Einwohner und diese sind neben dem Tourismus hauptsächlich in der Ölivenölproduktion, Imkerei und Fischerei beschäftigt. Die Olivenbäume in dieser Region am Fuße der Berge sollen ca. 900 Jahre alt sein. Ebenso wie alle anderen Bergdörfer auf Thassos ist auch Rachoni so gebaut worden, dass es mind. eine halbe Stunde weit entfernt von der Küste ist, um die Stürmung von Piraten, Besatzern vor langer Zeit zu verhindern. Das heißt, dass die Dörfer nicht sichtbar von der Küste angelegt worden sind und die Thassister Zeit hatten Vorsorge zu treffen, sich zu schützen und wehren. Das Frühwarnsystem waren Wachtürme, auf denen sie ein Feuer entfachten, um die Bewohner zu warnen. Die Taverne Vigli z. B. in Skala Potamia hat den Namen nicht umsonst, denn auch dort stand ein Wachturm und das entfachte Feuer – Licht wurde Vigla genannt. Es sind leide keine Überreste des Turmes gefunden worden. Nachdem die Warnung die Bewohner in den Bergdörfern erreicht hatte, flüchteten die Frauen und Kinder in die Berge, wo sie in Höhlen oder teilweise in unterirdischen Gängen, die angelegt worden waren, um Ortschaften auf Thassos zu verbinden. Währenddessen versuchten die Männer, die Piraten oder Besatzer in die Flucht zu schlagen.

A. Conze „Reise auf den Inseln des Thrakischen Meeres“ 1860 beschreibt kurz, dass es vier „getrennte Abtheilungen“ in dieser Gegend gab. Also vier Dörfer und Agios Georgios, das verlassene Dorf  in den Bergen und das neu besiedelte Agios Georgios.

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Die engen Gassen auf Thassos, wie auch in Rachoni sind nicht immer gerade, sondern oft der Bewegung einer Schlange nachgeahmt. Diese Form beruht im Wesentlichen auf der Geomorphologie (Lehre von den Oberflächenformen der Erde), Beschaffenheit des Bodens. Die Gassen folgen dem Gelände und sind daneben ein weiterer Schutz gewesen gegen Eindringlinge. Die Dörfer sollten vom Meer uneinsehbar sein und da die Häuser sehr dicht aneinander gebaut worden und die Gassen nicht gerade waren, war das nächste Haus nicht sofort sichtbar. Die meisten Gassen waren gepflastert, heute sind sie in den meisten Fällen zementiert. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass die Dörfer genügend Wasser zur Verfügung hatten.

Die bevorzugte Ausrichtung der Dörfer war in Richtung Süden. Wegen der Angst vor den Piraten und der Geormorphologie der Insel wurden einige Siedlungen in Positionen ausgewählt, die keine günstige Orientierung hatten. Zum Beispiel Maries und Potamia nach Osten hin und hier, Rachoni im Nordwesten.

Der Bedeutung der Dorfnamen von Rachoni wie auch Kallirachi ist, dass die Orte auf gutem Terrain stehen.

 

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Rachoni ist ideal für Liebhaber der Ruhe und Entspannung. Als der Fischer und sein Thymos im Juni letzten Jahres dort oben waren, begegneten sie, außer Katzen, keinem Menschen bei ihrem Spaziergang.

Quirlig wird Rachoni am letzten Sonntag des Karnevals. Es findet ein Umzug statt, der mit lokalen Folklore-Tänzen, Musik und einer improvisierten Parade humoristische, satirische Dialoge dem Publikum präsentieren, neben reichlich kostenlosen Wein, der an die Zuschauer verteilt wird.

Ebenso findet einmal im Jahr das Festival der traditionellen Tänze „Farben und Düfte“ in Rachoni statt. Die Besucher lernen die Sitten und Gebräuche, Tänze und Trachten der verschiedenen Regionen Griechenlands kennen. Es lohnt sich diese große Veranstaltung anzuschauen.

 Ganz neu: Rachoni startet sein erstes Fest über die traditionelle griechische Küche. Eine Veranstaltung die mit Sicherheit sehr spannend werden wird für Menschen, die die griechische Küche lieben. Weitere Informationen finden sich immer mal wieder auf der Facebook-Seite von Rachoni – Agios Georgios.

Rachoni Festivals Facebook

Rachoni

Rachoni Hauptplatz, 3. September 2016, 20:30

Rachoni 2Bleiben wir doch noch kurz beim Essen 🍴

To Steki tis Katerinas in Rachoni ist eine schöne, kleine Taverne. Wir (der Fischer und sein Thýmos) waren im März mit Freunden dort und hatten die Möglichkeit Katarina bei der Herstellung ihrer Dolmades zuzuschauen. Sie macht die Dolmades (gefüllte Weinblätter) sehr schmal, fast sahen sie aus wie etwas dickere Zigaretten. Nebenbei kam ihr Mann nach Hause und begrüßte uns mehr als freundlich. Währenddessen Katarina die Dolmades rollte, erzählten sie uns von ihrer Zeit in Deutschland, wie sie hierher gekommen sind und das sie nie wieder weg wollen aus ihrem Dorf. Wir haben uns sofort wie zu Hause gefühlt und lauschten gebannt ihren Erzählungen. Wir hatten ein einfaches Abendessen bestellt und es schmeckte uns hervorragend. Es gab lediglich ein Reisgericht, zwei verschiedene Salate, etwas Fisch, geschmortes Gemüse und Tzatziki. Der Reis interessierte uns, weil wir ihn so auf Thassos noch nicht gegessen hatten. Das Gericht ähnelte einem Risotto. Cremig, leicht zimtig, mit verschiedenen Gemüsesorten und getrockneten Früchten.Rachoni 3Nachdem wir wieder zu Hause waren, schnappten wir uns ein paar alte Bücher und versuchten über Reis auf Thassos etwas in Erfahrung zu bringen. Griechische Küstenfahrten von Löher, Franz von Bielefeld, beschrieb 1878: „Das Abendessen bestand aus Pilaw, Hammelfleisch in Brühe, gebackenen Fisch und einem seltsamen Eierkuchen, und Früchten. Für uns waren die Zinntellerchen mit Besteck gelegt, dazu als Servietten eine Art Handtücher mit rot eingewirkten Kanten, wie sie auf Thassos gewebt werden. Die Hausherren schlürfen ihre Essen mit einem Holzlöffelchen und den Salat nahmen sie zierlich mit drei Fingern und einem Brotstück. Dazu gab es Wein und Wasser.“

Wir erfuhren weiterhin, dass ein Reis Pilaw auf Thassos manchmal noch auf alter Rezeptur basierend, gekocht wird. Oft mit einer Brühe aus Hähnchenfleisch, da Hammel doch eher heute zu intensiv schmeckt. In Verbindung mit einer Zimtstange, verschiedenen saisonalen Gemüsesorten und getrockneten Früchten, etwas Wein und je nach Gusto Kräutern ergibt es ein äußerst, schmackhaftes Pilaw. So schmackhaft wird auch Herr Löher 1878 in einem thassitischem Haus gespeist haben.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch bei Katerina und ihren hausgemachten Speisen im ruhigen Rachoni. Ein kleiner Auszug einer Bewertung aus Facebook lässt erahnen, wie familiär es dort zugeht:

„Katarinas“ by night…“we“ had a wonderful experience in this local taverna years ago. „We“ were there in March (very early spring) and it was cold. We went to the only place in Rachoni village that stays open all year and hoped for a meal. There was nobody (guests) there and „Katarina“ had gone upstairs to „do“ her hair. She came down – hair full of curlers – and cooked a meal for us. Nice, simple and fresh made. „We“ were very grateful.

To Steki tis Katerinas – Rachoni

Rundkornreispilaw.3jpgRachoni 4

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Rachoni 9Die Region rund um Rachoni in den Bergen ist von der Existenz bedrohter Vogelarten international von Bedeutung:

Der Lanner oder Lannerfalke (Falco biarmicus)

Der Adlerbussard (Buteo rufinus)

Die Krähenscharbe (Phalacrocorax aristotelis)

Der Wanderfalke (Falco peregrinus)

Der Habicht (Accipiter gentilis)

Der Steinadler (Aquila chrysaetos)

Der Eleonorenfalke (Falco eleonorae)

Der Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Der Wespenbussard (Pernis apivorus)

Singvögel

 

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Weiterhin ist Rachoni das Partnerdorf von Bönningstedt in Deutschland

Die Partnerschaft zwischen Bönningstedt und Rachoni war die erste Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer griechischen Gemeinde.

Die Gemeinde Rachoni liegt auf der Insel Thassos im nördlichen Teil Griechenlands und ist 2.599 km von Bönningstedt entfernt. Die gemeinsame Partnerschaft wurde im Oktober 1991 mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden durch die Bürgermeister besiegelt.

Die gemeinsame Partnerschaft soll auch an diejenigen erinnern, die aus ihrer griechischen Heimat, überwiegend aus dem Norden Griechenlands, hier als Gastarbeiter über viele Jahrzehnte in Bönningstedt gearbeitet haben. Mehr als 120 Familien lebten seit Ende der 60er Jahre in Bönningstedt und arbeiteten überwiegend in der Brotfabrik Rugenberger Mühle. Nach dem Konkurs dieses Betriebes fanden viele in der Nähe unserer Gemeinde einen neuen Arbeitsplatz. Einige sind aus Altersgründen in die Heimat zurückgekehrt. Viele junge Familien leben in unserer Gemeinde und die Gemeinde Bönningstedt unterstützt ebenfalls seit vielen Jahren den Unterricht für griechische Kinder an unserer Grundschule, der überwiegend nachmittags erfolgt.

Die Gemeinde Rachoni hat etwa 650 Einwohner und hat sich in den letzten zwanzig Jahren zu einem attraktiven Urlaubsort entwickelt, der noch auf die ursprüngliche und schonende Entwicklung des Ortes Rücksicht nimmt und somit auch die Entwicklung der Infrastruktur für den Tourismus vorsichtig vorantreibt.

In Strandnähe bieten kleine Hotels und Pensionen mit moderner Ausstattung einen ausreichenden Komfort für Urlaubsgäste. Seit vielen Jahren nutzen auch Bönningstedter Familien und Einzelreisende dieses attraktive Angebot und verbringen oft ihren Urlaub in unserer Partnergemeinde.

Quelle:
http://www.boenningstedt.de/B%C3%B6nningstedt/Partnerst%C3%A4dte.html
Rachoni 11In den letzten Jahren wird intensiv danach gesucht, einen Weg des „Ökologischen Tourismus“ auf Thassos zu finden, die Thassos nicht nur als günstige Bade- und Urlaubsinsel präsentiert, sondern auch der Versuch die im Inland liegende Schönheit der Bergwelt den Menschen nahe zu bringen. Dazu gehört ein besonderes Interesse an der Flora und Fauna im Zuge des Umweltschutzes.  Rachoni ist ein sehr gutes Ausgangsziel die Schönheit der Berge, ihre Pflanzen- und Tierwelt kennenzulernen. Es gibt mittlerweile sehr gute Wanderkarten zu kaufen, aber auch im Internet gibt es viele nützliche Informationen und Karten.

http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.mappery.com/maps/Thassos-Topo-Map.png&imgrefurl=http://www.mappery.com/map-of/Thassos-Topo-Map&h=4524&w=3774&tbnid=P_kHrmK7hGDfjM:&tbnh=90&tbnw=75&docid=poAvvC3DSNPtLM&client=firefox-b&usg=__bsw7o8yxal0Q_5WRLpYX9PoR7Vw=&sa=X&ved=0ahUKEwi39P_L0tfOAhXFchQKHb8CDnAQ9QEIMjAC

Rachoni 12Das Dorf ist ein weiteres Musterbeispiel alter Architektur (wie sie auf Thassos einmalig ist) und viele der alten Häuser sind mittlerweile liebevoll restauriert, renoviert worden und mit netten Accessoires geschmückt. Aber lassen wir weiter die Bilder für Rachoni sprechen ……………Rachoni 13

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4 replies »

  1. You show the lush beauty of Thassos that is unmatched ~ I’ve enjoyed your photography for so long. You show the new & old, broken down and the beauty of nature taking over. Simply magical. Your last photo is how I feel after reading & viewing this great post…

    Gefällt 1 Person

    • Dear Randall, I feel honoured about you comment and I would like to thank you. It’s nice of such a good well-traveled photographer like you to get a comment on my photos. I wish you a good start in the fall and furthermore a lot of traveling.

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