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Panagia ~ Παναγία

 Panagia die Allerheiligepanagia-21x

Das wunderschöne, saftig, grüne Bergdorf Panagia umrundet von alten Wäldern liegt im Nordosten von Thassos, östlich des Ipsarion Massives am Fuße des Berges Profiti Ilias. Das Dorf ist wie alle anderen Bergdörfer nicht vom Meer aus einsehbar und wurde erstmalig im 14. Jahrhundert erwähnt.  Da die Genuesen, Venezianer, Lombarden, Sikelern, Katalanen, Osmanen, Sarazenen und griechische Roumeliern ständig Thassos überfielen, wurde das Bergdorf Panagia als sicherer Rückzugsort errichtet. 300 Jahre bis die Lehensherrschaft der Ägypter begann, war Panagia der Hauptverwaltungssitz der Insel. 1837 und 1838 wurde Panagia jeweils geplündert und in Brand gesteckt. Panagia wurde als wohlhabend beschrieben. 1856 bestand das Dorf aus ca. 600 schiefergedeckten, aus marmornen Bruchsteinen erstellten Häusern. Die Funktion des Hauptverwaltungssitz verlor Pangia nach der Befreiung der osmanischen Besetzung an Theologos.

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Die Architektur (thrakisch-makedonisch) von Thassos – gerade in Panagia zeichnet sich durch Blau, Indigo (Ultramarin), Ocker und natürlichem weißen Kalk aus. Die Häuser haben in der Regel einen quadratischen / rechteckigen Grundriss. Schieferdächer, gepflasterte Wege und farbenfrohe Höfe runden die freundliche und einladende Atmosphäre von Panagia ab. Besonders erwähnenswert sind die Balkone, die man als Loggia bezeichnen kann. Tragend auf horizontalen Balken und durch vertikale Holzsäulen, die den Boden erreichen. In der Regel hatten die Balkone ein Dach. Steine und Marmor vereinen sich mit Holz in den gewölbten Türen, den Schieferdächern und den traditionellen Balkonen mit ihrem üppigen Blumenschmuck. Die extreme Angst vor Piraterie hatte einen starken Einfluss auf die Architektur der Insel, die in der Regel einen defensiven Charakter hatte.

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Panagia hat viele traditonelle Brunnen und kleine Wasserkanäle. Das Wasser strömt kühl und kristallklar von den Bergen herunter. Es wird gesagt, wer einmal von dem Wasser von Panagia getrunken hat, wird immer wieder nach Thassos zurückkehren oder heiraten. Dem Wasser werden auch heilende, belebende und reinigende Eigenschaften zugeschrieben. Viele Bräuche gehen auf diese Vorstellung zurück. Ob sie wirklich stimmen ………. weiß nur der, der das Wasser von Panagia genossen hat. Abgesehen davon ist die „Platia“ von Panagia sehr schön anzusehen. So einige Tavernen, Kafenions mit ihren typische blauen, griechischen Stühlchen, etc. und dem o. a. Brunnen runden das Bild harmonisch ab.

 

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In dem alten Ortskern befindet sich die um 1831 erbaute Marienkirche (Maria Himmelfahrt (Κοιμήσις της Παναγίας). Sie ist eine imposante Kirche und sehr beliebt. Sie wurde u. a. mit Marmor aus Ruinen von antiken Tempeln auf Thassos gebaut. So einige Ikonen aus dem 14. Jahrhundert, wie auch ein wertvolles Bild schmücken die Kirche. Zum weiteren Wahrzeichen der Kirche gehört eine Fahne, die Richard Löwenherz auf seinen Feldzügen mit sich führte. Am 15. August (Mariä Himmelfahrt) wird die mit vielen Blumen geschmückte Marienikone aus der Kirche vor dem Gotteshaus gestellt. Viele Pilger kommen an diesem Tag nach Panagia.

panagia-13xSehr sehenswert ist auch die Olivenmühle in Panagia: Olivenmühle Panagia

und die Drachenhöhle, bei der der Weg aber wesentlich interessanter ist, als die Höhle selber.

 

DER WEG ZUR DRACHENHÖHLE – VIDEO

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A. von Prokesch-Osten: Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus dem Orient, Band 3…….. Hat man den Höhenrücken erreicht, so steigt man südlich nach dem Dorfe Panagia hinab, das von der Lende 1 1/2 Stunde entfernt liegt. Der Ort sieht wohlhabend aus, hat durchaus steinerne mit Schiefer gedeckte Häuser. Rings sind nackte, felsige Abhänge, hohe Gipfel, Waldmassen und, nach Ost, ein Ausblick über eine tief liegende, mit Oliven bedeckte Ebene nach der See. Wir stiegen im Hause eines Bauern ab. Unser Wirth führte uns zu einer Quelle, am Orte selbst, die aus dem Felsen springt und in zierlichen Kanälen über das Feld vertheilt wird. Ein Gebet- und Ruheplatz, in heilige Schatten verhüllt, stößt daran. Wir wurden freundlich bewirthet mit Brod, Käse und Honig. Die unzählige Menge Schnacken ließ uns Nachts kein Auge schließen.

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In Panagia findet weiterhin eine große Karnevalsfeier am „Sauberen Montag“ (Rosenmontag) statt. Es ist die größte Veranstaltung des Karnevals auf Thassos. Die Menschen sind verkleidet und warten auf die große Parade die später durch das Dorf geht. Der Karnevalsumzug wird mit einem traditionellen Eröffnungstanz eröffnet. Überall im Dorf stehen Fässer oder andere Behältnisse aus denen kostenlos Wein geschöpft werden kann. Alle Tavernen haben geöffnet und später wird es schwer, noch einen guten Platz zu ergattern. Die Parade beginnt um 14 Uhr und dauert ca. 1 1/2 Stunden. Wie auch im deutschen Karneval werden Themen aus Politik, Tourismus, Kirche, Alltag etc., aufs Korn genommen. Die Autos sind dementsprechend geschmückt und es werden jeweils kleine Theaterstücke betreffend der Themen aufgeführt. Die satirischen Verse und bunten Kostüme der Darsteller sind sehr amüsant. Das traditionelle „Lagana“-Brot wird an diesem Tag in jeder Bäckerei zu finden sein.

 

carnevali-panagia-xDer Thýmos erzählt

Im September besuchte ich mit Tanja, http://act-thassos-german.blogspot.de/, einen Hund außerhalb von Panagia, der auf einem Platz mit einer langen Leine lebt, aber seine Wasserstelle schlecht aufgebaut, die Wasserbehältnisse klein und schief auf dem Boden standen. Tausende von Bienen, Hornissen und andere Insekten schwirrten bei der flimmernden Hitze um seine nicht standfesten Wassergefässe, die die Bienen in Besitz genommen hatten, so dass er kaum trinken konnte. Mir war aufgefallen, dass nach dem Brand eine Woche zuvor auf Thassos viele Bienen ausgeflogen sind. Auch an unserem Haus waren sehr viele Bienen, die sich Wasser aus den Näpfen für die Katzen holten. Der Hund war scheu, aber es schien ihm gut zu gehen. Zumindestens bestätigte das auch der später herbeieilende Besitzer des Hundes. Tanja sammelt immer größere Plastikbehältnisse, die sie gerne von den Tavernen bekommt. Sie eignen sich hervorragend als Wassernapf. Es passt viel an Wasser hinein und sie sind stabil. Da ich so oder so nochmal nach Panagia wollte, brachte ich dem Hund solch einen Napf und stellte ihn vor seiner Hütte aufgefüllt mit frischem Wasser ab.

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In Panagia angekommen fiel mir etwas Besonderes auf. Ich sah auf meinen Weg viele, ältere griechische Damen. Ich liebe sie, die alte Γιαγιά (Oma, Großmutter) und weil sie immer seltener zu sehen ist freue ich mich sehr, wenn ich sie auf meinen Spaziergängen entdecken kann. Irgendwie meine ich in ihnen noch die „griechischen Göttinnen“ zu erkennen. Liebevoll in ihrer Art, aber auch bestimmend im Festhalten der Traditionen. Ihre Seelen sind voll von dramtischen und bewegenden Lebensgeschichten und wenn man Glück hat, auf eine dieser wunderbaren Göttinen zu treffen, dann kann man getrost davon ausgehen, die griechische Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Wärme wirklich kennengelernt zu haben.

panagiaIch erinnere mich an eine Fahrt von Saloniki nach Kavala mit dem Bus. Es ist lange her und der Bus brauchte zu der Zeit noch ein paar Stunden und hielt an jeder Ecke. Die Autobahn war noch ein Traum und Klimaanlagen gab es nicht. In dem Bus stieg eine junge, deutsche Frau ein und blickte sich nervös um, wo sie sich hinsetzen könnte. Eine alte griechische Dame sah dies und lud sie mit Gesten ein, sich zu ihr zu setzen. Es dauerte nicht lange und die Blicke der Dame huschten ohne Scheu verschmitzt und liebevoll lächend über ihre Nachbarin, die sich unwohl zu fühlen schien. Das störte die Dame aber so gar nicht und sie fing an zu reden, melodisch, mit einer samtenen Stimme und ihre vom Leben gezeichnete Hand platschte auf die noch wenig erfahrene Hand der jungen Reisenden neben sich. Die junge Frau zuckte zusammen, fing aber im nächsten Moment zaghaft an zu lächeln.

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Ich hatte das Gefühl, als wenn in diesem Moment der Berührung zwischen den beiden Frauen etwas passiert ist. Selbst ich spürte weiter hinter ihnen die wärmende Ausstrahlung, die von der alten griechischen Dame ausging. Ab diesen Moment waren sie für den Rest der Reise ein Herz und eine Seele. Die griechische Dame sprach, lamentierte, gestikulierte so aus dem Herzen, dass die Sprachbarriere wie von Zauberhand fiel und ich mir – auch noch kostenlos ! – eine Vorstellung anschauen konnte, die ich nie vergessen sollte.

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Sie fing zwischendurch an, leise ein paar Lieder zu singen. Sie klangen fremdartig und vielleicht waren es Lieder, die sie früher ihren Kindern vorgesungen oder ihr die Angst in schlimmen Lebensmomenten genommen hatte. Vielleicht waren es auch Liebeslieder oder damals verbotene Lieder, die den Zauber eines schönen Momentes in ihrem Leben widerspiegelten.

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Die Lieder machten mich später etwas schläfrig und ich wachte kurz vor Kavala wieder auf. Als der Bus zum Stehen kam, sah ich wie die Γιαγιά der jungen Frau eine winzig, kleine Blume schenkte. Die junge Frau war so bewegt, dass ihr ein paar Tränen die Wange hinunterliefen und sie drückte die alte Frau sehr herzlich und fest. Wir stiegen aus und ich sah die alte Dame nicht mehr; sie war wie von Zauberhand verschwunden. Ich denke, ihre kleinen, aber kräftigen Beine haben sie schnell dorthin gebracht wo sie hin wollte.

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Ich denke manchmal an die kleine Blume. Ob die junge Frau die Blume behalten und getrocknet hat ? Sie wie ich, manchmal an diese Begegnung denkt ? Wenn ich so in mich hineinfühle bin ich davon überzeugt, dass sie dieses kleine Geschenk nicht weggeworfen hat und sie in ihrer Schatzkiste für die kleinen wunderbaren Geschenke in ihrem Leben, aufbewahrt. Ich für meinen Teil habe viel aus dieser Beobachtung gelernt und bin damals mit anderen Gefühlen aus dem Bus ausgestiegen. Manchmal ist mein Herz blind und ich brauche wieder einen Schubser in die richtige Richung, um wieder mit dem Herzen zu sehen. Da hatte ich diesmal in Pangia richtig Glück, gleich mehrere Γιαγιάδες (Großmütter) zu sehen. Dafür brauchte ich allerdings erst einmal meine Augen, damit mein Herz sich freuen konnte …………………

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8 replies »

  1. Wie immer – wunderschöne Bilder mit bewegendem Text! Nur die alte Dame, die vor der Taverne Elena sitzt, die Mutter des Besitzers, ist mir nicht so als Göttin in Erinnerung, sondern als Steinewerferin, wenn sich ein Hund in ihre Nähe verirrt.

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  2. Danke dir lieber Klaus :). Oh dann habe ich ja eine kleine Teufelin erwischt anstelle einer Göttin ……… hmmm. Wie immer gibt es leider auch da Menschen, die Tiere einfach nicht respektieren können. Da war die Mutter von unserem Fischer vollkommen anders. Sie hat ihre Tiere hingebungsvoll geliebt, wie der Fischer, seine Frau und der Thýmos. Allerdings schmatzte Großmütterken auch freudig vor sich hin, wenn einer ihrer Ziegen auf den Teller landete und der Fischer nebst Anhang keinen Bissen runterbekommen haben. Liebe Grüße an dich und deine Familie 🙂

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  3. Ich finde das Παναγία eines der schönsten Dörfer auf der Insel ist. Da wir immer Mitte/Ende Mai oder Ende September/Anfang Oktober auf Thasos sind, ist es dann dort auch immer sehr ruhig. In meinem ersten Jahr war ich im Juni dort und da waren natürlich Menschenmassen dort. Auch wenn ich weis, dass die Menschen davon leben das viele Touristen kommen (ich mache ja auch immer Werbung für die Insel) mag ich es lieber wenn es ruhiger/leerer ist. Besonders liebe ich oben den Platz an den 3 (oder sind es 4?) Quellen. Letztes Jahr sind wir durch den Wald hochgewandert, sehr zu empfehlen.

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    • Ja oberhalb von Panagia zu laufen und durch den Wald ist eines der schönesten Wanderwege auf Thassos. Auch in Potamia gibt es wunderschöne Wege. Sicher, in der Saison kann es schon mal recht voll werden, wenn man aber zu den richtigen Zeiten da ist, ist das kein Problem ;). Durch die engen Gassen und oberhalb von Panagia laufen die wenigsten Menschen. Meistens nur dort, wofür auch stark geworben wird. In der Saison ist es mir auch viel zu warm, ich bevorzug auch die von dir erwähnten Monate. Liebe Grüße

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  4. Liebe Ariane,
    es macht mir richtig Spaß, hier zu lesen und zu gucken …
    und du inspirierst mich dazu im Mai nächsten Jahres unbedingt einen Abstecher nach Panagia zu machen. Da kommt doch jetzt schon, hier im kalten November, eine kleine Vorfreude auf.
    Liebe Grüße
    Ingrid

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    • Liebe Ingrid, ich danke dir und bei dir freut es mich ganz besonders, da ich dich ja kennenlernen durfte :). Panagia ist auf jeden Fall ein Ausflug wert. Gerade der Wanderweg oberhalb von Panagia ist wunderschön, weil das Dorf in seiner vollen Pracht dir zu Füßen liegt. Aber nun müssen wir erst einmal durch den Winter kommen, brrrrrrrrr ;). Liebe Grüße auch an deinen Mann 🙂

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