Allgemein

Die Weltreisende Teil 1 (von 3)

Heute gedenken der Thýmos und sein Fischer Theresa. Sie ist vor zwei Jahren gestorben und diese Fortsetzungsgeschichte widmen wir ihr. Im Herzen war sie auch eine Weltreisende und hat viel erlebt auf Thassos. Sie wird immer in unseren Herzen bleiben.

 

Niemand weiß, was der Tod ist,
ob er nicht für den Menschen das größte ist unter den Gütern.
Sie fürchten ihn aber, als wüßten Sie gewiß,
dass er das größte Übel ist.

(Platon)

 

Die Weltreisende

 

Elena wuchs in einer großen Familie in Agios Georgios auf. Sie hatte sieben Brüder und sehr strenge Eltern. Ihre Brüder durften so gut wie alles, waren die kleinen Götter in ihrer Familie. Sie wuchsen halb wild und energisch auf. Elena erlebte schon als kleines Kind genau das Gegenteil. Sie durfte nicht alleine draußen spielen und rumbalgen wie ihre Brüder. Sie musste die meiste Zeit zu Hause bleiben und der Mutter bei den täglichen Arbeiten helfen. Außer an den Festtagen, da durfte sie mit der Familie in die Kirche oder den anderen Frauen bei den Vorbereitungen für die festlichen Tafeln an Feiertagen helfen, die oft auf der Platia in dem verlassen Dorf von Agios Georgios stattfanden. Ein kleiner schöner Platz, umgeben von sehr alten Platanen, Kastanien und anderen hohen Bäumen mit ein paar Häusern und einer alten, hübschen Kirche. Wasser welches aus einem Baum sprudelt und einem Grillplatz.

Elena liebte diesen Platz, denn dann bot sich die Gelegenheit, wenn die Eltern, Verwandten, Nachbarn und Freunde feierten, ein wenig durch den dichten Wald zu laufen. Schon sehr früh wusste sie, dass sie ein Freigeist war. Die strengen Regeln ihrer Eltern missfielen ihr, sie wollte hinaus in die Natur, die Pflanzen und Tiere kennenlernen. Sie wollte laufen, solange bis sie umfallen sollte. Die Welt da draußen in sich aufnehmen und sie wusste weiterhin, sie würde nie genug davon bekommen. Die Eltern wussten, dass Elena ein kluges, aufgewecktes und kreatives Kind war, aber sie hielten an den strengen Regeln fest und wollten Elena, sobald sie im heiratsfähigen Alter war, dem Mann geben, den eine Heiratsvermittlerin auserkoren hatte.

 

Kosta’s Mezé in Kastro

Elena wusste das schon sehr früh, was ihr bevorstand wenn sie nichts ändern würde und ihr wurde bei diesen Gedanken jedes Mal schlecht. Sie wollte dieses Leben einfach nicht, sie wollte ihr Leben alleine bestimmen. Lange dachte sie über diese Probleme nach und der Zufall kam ihr zur Hilfe, dass in einem anderen Dorf an einem der Festtage ein Stapel von Briefen auf den überladenen Tischen lag. Elena war fasziniert von den Briefen und schaute sie sich interessiert an. Dimi, ein alter Freund der Familie, ein offener und weit gereister Mann, flüsterte Elena zu: „das sind Briefe aus allen möglichen Ländern“. Diese Menschen suchen Freunde, denen sie schreiben können. Man nennt das Brieffreundschaft.

Brieffreundschaft fragte Elena überrascht zurück ? Ja, diese Menschen schreiben dir von ihrem Alltag, was sie erleben, was sie sich wünschen oder einfach nur kurze Grüße oder kleine Geschichten. Wenn du dir einen Brief aussuchen magst, dann kannst du den Brief lesen und diesem Menschen zurückschreiben. Je mehr ihr euch schreibt, umso tiefer entwickelt sich je nachdem, eine Freundschaft. Das heißt, lieber Onkel Dimi, wenn ich mir nun einen Brief herausziehe, darf ich diesem Menschen wirklich zurückschreiben ? Ja, das darfst du ………… und ich werde deinen Eltern auch nichts davon erzählen, das wird unser großes Geheimnis sein.

Thassos Limenaria

Dimi war sehr sozial und engagiert. Er war früher Dorflehrer auf Thassos und wusste von den Wünschen und Erwartungen, die seine Schüler an das Leben hatten. Er kannte sich auch mit ihren Sehnsüchten aus, mit kreativen Gedanken und freute sich immer noch, wenn er auf Kinder traf, die hinaus in die Welt gehen und nicht den Traditionen auf Thassos folgen wollten. Es war ihm immer eine Freude, diesen Kindern zu helfen, auch wenn er mit der Wut der Familien rechnen musste. Er wusste natürlich auch, dass die Kinder wichtig für die Thassioten waren. So einige Einheimische waren arm, mussten in den schweren Zeit schauen, wie sie ihr Geld nach Hause brachten. Aber es gab für ihn Ausnahmen. Kinder, denen von Anfang an anzusehen war, was sie brauchten, worüber sie sich Gedanken machten. Dimi sah es an den Augen, wenn er früher mit seinen Schülern durch die Natur ging und ihnen aus Abenteuerbüchern vorlas. Die kleinen aufmerksamen Ohren und Gehirne mit fremden Sprachen und Gebräuchen fütterte. Aber er vergaß nie, dass es auch auf Thassos eine wunderbare Welt gab. Eine einzigartige Natur und sehr schöne Traditionen – nur, wenn sie nicht so streng wären oder von einigen Eltern so streng aufgefasst wurden.

 

Dimi zeigte die Briefe Elena genauer. Einige Briefe waren bunt, andere verknickt, manche beklebt ein paar sahen einfach normal aus. Aus den einfach scheinenden Briefen suchte sie sich einen Brief aus. Dimi hatte Elena ein wenig Deutsch beigebracht. Er war oft in Deutschland gewesen und wollte ihr das Land ein wenig näher bringen und er brachte diese Briefe mit, die er in all den Städten gesammelt hatte. Briefe von Menschen wie Elena, die die Welt kennenlernen wollten und neue Freunde suchten.

Limenaria Tanzfestival im Juni 2017

Elena rannte, sie war zu der Zeit 13 Jahre alt, zu einer besonders schönen Platane. Es gibt sie leider heute nicht mehr, sie hatte Engelsflügel. Das Holz war gewachsen wie Flügel, unter denen sich Elena schützend niederlassen konnte. Sie schaute sich den Brief lange von allen Seiten an. Bewunderte die schöne, geschwungene Schrift, mit der ihr neuer, noch unbekannter Freund oder Freundin, ihr etwas mitteilen wollte. Sie ließ den Brief geschlossen, denn sie wollte ihn erst später lesen. Dann, wenn sie ganz alleine in der Dunkelheit auf ihrem harten Holzbett lag und das kleine zerschlissene Deutsch-Griechische Wörterbuch aus ihrem Versteck holen konnte, damit sie die Wörter auch wirklich verstehen würde.

Was für ein Geheimnis, was für eine Wohltat, dass sie etwas mit sich trug, was ab jetzt nur ihr alleine gehören würde. Sie fieberte der Nacht entgegen.

Es dauerte noch ein paar Tage, bis Elena endlich den Brief öffnen konnte, denn sie schlief vor lauter Aufregung erschöpft ein und die nächsten Tage waren ebenfalls so erfüllt von Arbeit, dass sie auch da einschlief.

Aber dann war es soweit, sie öffnete den Brief ………….

 

~ Fortsetzung folgt ~

Das alte Griechenland in Agios Georgios

Sakis und Stavroula aus Agios Georgios

Wer genau wie wir das alte Griechenland liebt, der sollte das kleine Bergdorf Agios Georgios nicht verpassen. Ein Halt in der Taverne „Christos“ bei den Eltern Sakis und Stavroula ist ein kleiner Geheimtipp. Wunderbar nette Menschen, liebenswert, Gastgeber in einer alten Taverne, die auch heute noch „auch“ die Postverteilungsstelle ist.

Es wird heute nicht mehr verraten, ein bisschen muss man Thassos auch selber entdecken, die Insel für sich erobern. Die kleinen, wunderbaren Momente, die man definitiv nie wieder vergisst. Aus den Kernen der „Mispel“  – μούσμουλο stellen Sakis und Stavroula einen süßen, äußerst leckeren Likör her. Er schmeckt samtig, ein wenig nach Mandeln und Kaffee. Wenn ihr diesen Likör spendiert bekommt, wisst ihr was griechische Gastfreundschaft bedeutet ……….. viel Freude in Agios Georgios.

 

17 replies »

      • Hallo liebe Ulla, das freut mich sehr :). Saloniki, also erst einmal Saloniki – ich liebe diese Stadt – und dann geht es weiter nach Thassos ???? Ich freue mich über deinen Kommentar, dass dir mein Inselchen gefällt, bzw. was ich darüber schreibe und zeigen ;). Liebe Grüße Ariane

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      • Hallo Ariane,
        von Saloniki werden wir zuerst zu unserem neuen Heim auf Kassandra fahren. Dort wird es vielleicht noch einiges zu tun geben. Mal sehn! Wir werden Griechenland aber sehr genießen. In den 4 Wochen im Oktober finden wir sicher mal Zeit auf deine Insel zu fahren und uns dort auf deinen Spuren um zusehen. Ich bin auf all dies sehr gespannt. Und auf deinen Teil 2 der Weltreisenden.
        Liebe Grüße von Ulla

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      • Uih ihr habt ein Haus auf Kassandra, wie schön liebe Ulla :). Ich wünsche dir, euch auf jeden Fall eine schöne Zeit und wenn ihr auf Thassos gewesen seit, dann freue ich mich auf Feedback :). Alles Liebe Ariane

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      • Liebe Ulla, ich bin bis 23. September auf der Insel, ich glaube das klappt nicht ;).

        Schau mal rechts, die Infofooterleiste, da habe ich meine Lieblingstavernen aufgelistet. Konditoreien gibt es genug auf Thassos und da habe ich keine spezielle Zuckerbäkerei. Ich würde dir empfehlen einfach zu probieren. Viele Dinge sind äußerst lecker. Wenn ihr in Kavala vorbeikommt solltet ihr unbedingt diese Bäckerei besuchen: schau mal hier auf Street View: https://www.google.de/maps/@40.9358964,24.4071119,3a,75y,154.88h,78.96t/data=!3m6!1e1!3m4!1sZbNUBZh3BnPVxAta0TMJaQ!2e0!7i13312!8i6656

        Ein herrliches Gedränge und wundervolles Brot und du bekommst immer etwas dazu geschenkt. Ich empfehle die Tiropitakia, darüber hatten wir schon mal geredet :). Hmm lecker.

        Am schönsten ist eine Inselrundfahrt – ca. 100km – einfach dort anhalten, wo es euch gefällt.

        Wenn du weitere Fragen hast, ich versuche gerne deine Fragen zu beantworten.

        Liebe Grüße Ariane

        Gefällt 1 Person

  1. Endlich 😉 … wieder so eine interessante neue Geschichte von Thassos.
    Ja, du machst es aufregend im positiven Sinne, liebe Ariane.
    Freu mich auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüße nach Köln
    Ingrid

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  2. The magic of your photos seep into the magic of your words ~ „Elena knew this very early, what would happen if she did not change“ and the beauty of life you create Ariane, there is the need of change to own the life in front of us 🙂 Wonderful post and look forward to the follow up.

    Gefällt 2 Personen

    • Thank you very much dear Randall, yes we have every day the chance to change our lives, make us aware, how beautiful is actually our life. Elena stands for a true story and also for the many stories that we carry in us. I am always happy about your very intense and thoughtful, lived, comments. Stay care and have a nice time 🙂

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