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Eine Freundin, oder: Thassos im April

Ein Gast erzählt

 

Es ist nachmittags und ich treffe mich an einer Bushaltestelle mit Elsa, einer ehemals kleinen und nun großen Freundin. Ich habe Elsa 2006 kennengelernt. Eine damals 6 jährige Maus mit wehenden blonden Haaren. Ich weiß noch, wie sie mich das erste Mal sah und meinte: ah da ist ja das Mariellchen. Ab diesen Zeitpunkt sah ich sie öfters und ich durfte sie 2010 das erste Mal alleine mit nach Thassos nehmen. Ich fahre schon sehr lange nach Thassos und war mit knapp 8 Jahren das erste Mal dort und diese Insel hat mich nie wieder losgelassen. Elsa fuhr das erste Mal mit 8 Jahren nach Thassos und anscheinend hat sich auch bei ihr der berühmt, berüchtigte Thassos-Virus eingepflanzt. Entweder man hasst oder liebt die Insel, dazwischen gibt es wenig …….. sehrrr wenig.

 

2010 war Elsa dann 10 Jahre alt und es wurde ein großes Abenteuer. Ich hatte zwar ein mulmiges Gefühl, ein Kind eines damaligen Freundes mitzunehmen, aber das Vertrauen war so groß, dass ich diesen Schritt wagte. Natürlich hatte der Flieger Verspätung, natürlich kamen wir nicht auf die Insel, natürlich war es extrem schwül in Keramoti, natürlich waren wir überglücklich, zu mindestens schon mal „vor“ Thassos gelandet zu sein. Wir nahmen an diesem Abend Platz am Fährhafen und mir schmeckte mein Bierchen sehr gut und Elsa nahm sich ihr erstes Käsesandwi“tsche“, viele derer Sandwi“tsche“ folgten, wie Sn“nnnitzel, Spaaaaghheettii im Töpfchen oder natürlich die geniale Pizza von Georg, dessen Laden es heute leider nicht mehr in Limenaria gibt.

Wir übernachteten in dem Hotel Filippion Keramoti. Ein kleines und einfaches Hotel, aber die Lage, vor dem Fährhafen, ist unschlagbar. So verbrachten wir, nachdem das noch kleine Mädchen klugerweise die Klimaanlage in Gang brachte (ich dachte das wäre eine Fernbedienung), eine etwas unruhige Nacht dort. Sie bekam Nasenbluten und ich war sofort erschrocken, was passiert denn da nun ? Aber es hörte schnell wieder auf. Wir waren sehr glücklich, als wir am nächsten Morgen die Fähre betraten. Am Fährhafen stand wie immer mein Auto und wir fuhren los. Da ich zwei größere Laster vor mir hatte, hielten wir an der Seite an und die kleine Elsa bekam einen Lachflash, da so einige meine Haare den Weg aus dem Pferdeschwanz fanden und hoch zu Berge standen.

Schon 2010 fingen wir an, Lieder zu singen. So richtige Texte kannte ich nicht, aber das war nicht schlimm. So wurden die Strophen, die uns einfielen halt tausendmal wiederholt. Ob das die Wanze auf der Mauer war; irgendwas mit goldenem Wagen (nein nicht hoch auf dem goldenen Wagen, das hätte ich nicht über mein Herz gebracht), ah nein, es waren goldene Waren glaube ich, nein halt, jetzt weiß ich es, die goldenen Gaben. Dann gab es einen Song über eine Clopapierrolle, die auf Wanderschaft ging und diese Litanei, durfte ich besonders oft genießen. Natürlich durften die Affen nicht fehlen, die durch den Wald rannten und geschätzte abertausende von Eiern, die der Hund dem Koch klaute. Ach ja, chinesische und französische Sprache war auch im Programm, die dro Chonosen mit dem Kontroboss und natürlich das Brüderchen Jakob, der immer die Glöckchen verschläft. Huch, ich glaube auf Französisch konnten wir das gar nicht singen.

Auf jeden Fall tourten wir so 10 Tage lang auf dem Inselchen umher und es war ein wunderschöner Urlaub. 2016 waren wir mit meiner Mutter da und jetzt im April 2018 waren wir wieder zu zweit unterwegs.

Wir übernachteten wieder im Hotel Fillippion, nicht weil der Flieger Verspätung hatte, sondern weil im April am späten Abend keine Fähren mehr fahren. Wir sind in Keramoti sehr lecker essen gegangen und es wurde ein lustiger Abend. Diesmal wussten wir wie die Klimaanlage funktionierte, aber dafür bekamen wir in der Nacht um 3h einen Anruf und wurden durch das Klingeln unsanft aus unserem Schlaf gerissen. Natürlich war am anderen Ende keiner.

Und wie beim ersten Mal, fuhren wir wieder durch die Gegend und ließen uns treiben. Im April sangen wir auch im Wagen, allerdings mit bombastischer Beschallung. So ein rundes Boxen-Ding, was sich mit dem Handy verbindet und die Musik mit heftigem Wums wiedergibt. Die 1980er – 2000 wurden aufgeweckt, wie auch diese eher monotone aktuelle Musik. Allerdings muss ich zugeben, konnte ich mir dadurch die Texte ein wenig näher anhören, und fand sie gar nicht mal schlecht.

2010 hatten wir ein sehr starkes Gewitter und ich kann mich sehr gut erinnern, dass mich ein Blitz so sehr erschreckte, dass ich Elsa wiederum erschreckte und sie rückwärts auf unser Bett fiel. Wir haben danach so dermaßen lachen müssen, dass wir uns noch heute gerne daran erinnern.

Im April nun haben wir es uns mit Zigaretten, Mythos, Coca-Cola Zero, Chips und co. auf dem Balkon gut gehen lassen – Decken und Wärmeflasche inklusive und hatten wie im Jahre 2010 ein Gewitter. Allerdings ohne besonderen Konsequenzen. Es war sehr schön, weil wir die Blitze vom Balkon aus auf dem Meer und in den Bergen stundenlang beobachten konnten. Ein Blitz (ohne folgende Donnergeräusche) war schöner als der andere.

Wo mir vor 8 Jahren Elsa aus Versehen mal in das Lenkrad griff und ich ihr sagen musste: he, das ist nicht gut, wenn du das beim Fahren machst, passte sie jetzt im April mit darauf auf, dass wir sicher und gut auf den Straßen unterwegs waren. Sie hatte zuvor erfolgreich ihren Führerschein bestanden und da sie in Griechenland noch nicht fahren darf, konnte sie so schon mal gut mit aufpassen.

Zum Frühstück gab es immer ein leckeres Rührei, welches Elsa herzhaft zubereitete, früher war das mein Part, da ich die Kleene nur schwer aus dem Bett bekam.

Es war sehr heiß 2010 und wir lagen meistens nach unseren Erkundigungen platt im Bett oder ließen den Laptop mit Gilmore Girls heiß laufen. Jetzt im April hatten wir sehr schönes, mildes Wetter, perfekt für Ausflüge, wie hier auf dem Weg zwischen Makryammos und Skala Potamias.

Katzen streicheln, Hunde im Gehege von ACT Animal Care besuchen. Mit Freunden essen gehen ……. auch das haben wir im April ebenso gerne unternommen wie 2010.

Essen gegangen sind wir immer, früher wie heute, in der Taverne Alfas (Skala Marion). Es war einfach immer unser Lieblingsplatz und neben dem guten Essen, dem wunderschönen Blick sind wir immer wie Freunde behandelt worden. Eines der schönsten Plätze zum Verweilen auf Thassos, inklusive einer wunderbaren Gastfreundlichkeit. Elsa ist seit ein paar Jahren Vegetarierin, was ich immer wieder bewundere, weil sie so früh in ihrem Leben damit angefangen hat und auch hier, in der Taverne Alfas gibt es mannigfaltige, wunderbare vegetarische Speisen. Alle Wünsche, wenn möglich, werden erfüllt.

An eine Situation erinnere ich mich aus dem Jahre 2010 auch gerne. Ich hatte Elsa dazu überreden können, ein wenig zu „wandern“. Das ist ja bekanntlich bei Kindern nicht so einfach, sie zum längeren Laufen zu bringen. Wir wanderten einmal rund um den Stausee bei Maries und erklommen die kleine, aber mit großen Steinen versehene Staumauer, um zu dem hinteren Wasserfall zu kommen. Elsa fand ein Stück Rinde, welche wie eine Brille aussah, sie hielt sie sich vor ihre Augen und ich filmte sie beim Singen und Schunkeln. Es war einfach nur schön.

2010 hatten wir uns ein Tagebuch mitgenommen, um unsere Erlebnisse aufzuschreiben. Leider hatten wir es nun 2018 vergessen, mitzunehmen. Ein kleiner Auzug mag verdeutlichen, wie sehr sich die kleine Elsa damals auf Thassos wohl gefühlt hatte.

19. Juli 2010 Elsa:

„Am Flughafen haben wir schnell unsere Koffer abgegeben. Schnell mussten wir auch zur Kontrolle. Der Abschied kam und ich  hatte schon Pippi in den Augen. Endlich durften wir rein in den Flieger. Im Flieger mussten wir mindestens 45 min warten. Es war eine Lampe an, die nicht an sein sollte. Endlich setzte er sich in Bewegung. Die Frau neben Mariellchen hatte Stinkefüße. Sie hat sogar die Schuhe ausgezogen. Am Fenster war ein kleiner Käfer, der sich ziemlich lange festhielt draußen. Doch flog er noch weg. Wir sind abgehoben. Als wir in Kavala gelandet sind, war es schon dunkel. Unser Taxifahrer hat ein Schild hochgehalten, wo Mariellchen draufstand. Wir sind schnell zum Fährhafen gefahren, aber die Fähre war schon weg. Wir haben im Hotel Fillippion übernachtet, Zimmer 5. Dort gab es eine Klimaanlage. Wir wussten nicht wie sie funktionierte. Wir sind noch raus gegangen. Ich habe ein Käsesandwich gegessen. Es kam ein schwarzer Hund zu mir. Der Kellner hat ihn gelockt, damit ich ihn streicheln kann. Es war ok. Er legte seinen Kopf in meinen Schoß und ich krabbelte ihn. Er war sehr schmutzig. Als wir gegangen sind, kam mir der Hund bis ins Hotel nach. Als wir im Hotel waren, wusste Mariellchen nicht, wo der Lichtschalter war. Sie drückte auf einen Knopf, der aber eine Klingel war und eine verpennte Frau kam heraus. Sie ging wieder in ihr Zimmer. Als wir im Zimmer waren sind wir schlafen gegangen. Später habe ich eine Fernbedienung gefunden, die für die Klimaanlage war. Mitten in der Nacht bekam ich von der trockenen Luft Nasenbluten. Am nächsten Tag sind wir zu Theresa gefahren. Es war einen Überraschung, dass ich mitgekommen bin und sie hat mit mir geredet, als wäre ich Jesus und hat mir zwei feuchte Küsschen gegeben. Im Meer gibt es ganz große Fische, ca. sooo groß (Bild). Am Abend war mir vor Hunger schlecht. Ich war unterzuckert. Nach einem Löffel Spaghetti war ich schon wieder satt. Theresa hat mir eine Puppe geschenkt. Sie ist sehr hässelich. Sie dachte sich schon, dass sie mir nicht gefällt, aber ihre griechische Schwägerin hatte sie dazu überredet. Theresa tauscht die Puppe um. Für Mariellchen hat sie Schlüsselhäusschen gekauft. Das gefällt uns allen.

Wir waren am Freitag im Café Stelakis. Dort gibt es sehr leckeres Erdbeereis. Theresas Lieblingssendung ist „Two and a Half Men“. Ich habe über 10 Mückenstiche. Es gibt ein süßes, schwarzes Kätzchen.  Heute Morgen waren wir einkaufen, um die hässliche Puppe umzutauschen. Ich habe mir eine wunderschöne Glibberkerze und einen Delfin gekauft. Mariellchen habe ich einen Anhänger geschenkt. Sie meinte, er wäre zu teuer, aber ich sagte, das geht schon. Wir waren heute am Strand, Metalia Beach. Dort habe ich 2 Käsesannnnnddwwwiiitsscchhe gegessen.“ …………..

 

 

Der Urlaub ging dann auch schnell wieder vorbei. Die kleine, nun große Elsa musste wieder nach Hause und ich blieb noch eine Woche länger. Liebe Elsa, du bist und warst mir immer eine Freude und ich hoffe, wir können uns irgendwann wieder zu einem neuen Abenteuer auf Thassos treffen. Ich bin gespannt, was dir das Leben noch an weiteren, schönen Überraschungen bereithält. Auf jeden Fall bist du immer WILLKOMMEN und ich wünsche dir für deine Zukunft alles erdenkliche Schöne und Gute und natürlich ix von tausenden Thassos-Besuchen, mit Freunden, Partner, Familie, Tieren und oder was sich alles so einfinden mag, um den grässlichen, furchtbaren, nicht behandelbaren Thassos-Virus weiterzugeben.

Ich selber habe die restliche Zeit mit Ostern, Fastenbrechen mit vielen, lieben Menschen, dem Regenfest in Kalivia, etc. verbracht. Aber seht selber, Bilder sprechen mehr als meine Worte.  

3 replies »

  1. Liebe Ariane,

    wunderschön geschrieben, mit atemberaubenden Bildern, die süchtig machen.
    Man spürt, wie sehr du die Insel liebst.
    Freu mich jetzt schon auf Thassos Ende Sept./ Anfang Oktober.
    Vielleicht bist du ja dann auch dort. Würde mich echt freuen, dich zu sehen.

    Vorher wird aber noch je eine Woche Wörthersee und Carolinensiel eingeschoben.

    Komm gut durch den Sommer.
    Vielleicht können wir auch mal wieder über whatsapp kommunizieren.

    Herzliche Grüße
    Ingrid

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  2. Sehr interessante Bilder, und ein sehr schöner Bericht.
    Mittlerweile liebe ich es, weit vor der Saison die griechischen Inseln zu bereisen.
    Für mich kommt nur noch Mitte März bis Mitte Mai in Frage.
    Es soll für 10 Tage Mitte Januar auch die Eisvogeltage als Alternative geben.
    Auf Thassos waren wir jeweils Anfang Mai 2001 + 2004 (gewohnt in Panagia, Aliki, Potos und Pefkari).
    Unter anderem haben wir zwei Wochen im Haus Ekton bei Kalle gewohnt. Damals hat er mit Kerstin (lebt mittlerweile in Kavala?) von FOS die Pension betrieben. In dieser Zeit waren wir auch oben in Rachoni bei Susanne, in Begleitung mit Manuela aus Potos, und den (damaligen?) Betreibern der Thassos-Island-Seite.
    Auch ein Österreicher mit seinem Chevy Van war mit, der uns durch die Gebirgszüge im Norden mitnahm. Ich habe auch bei einer Wanderung die Mutter von Kerstin kennengelernt, oben in Theologos.
    Und 2004 habe ich das Zooom in Potos noch in Erinnerung – mit Jimmy.
    Ich glaube schon, das es für Thassos auch etwas anderes als schwarz oder weiß gibt, also lieben oder hassen.
    Es wird für mich in näherer Zukunft eine Wiederkehr nach Thassos geben, auch wenn die griechische Inselwelt für mich so vielseitig ist, das ich Bedenken habe, alles wirklich in diesem Leben zu schaffen.
    Ein Thassos-Besuch wird in Verbindung mit Limnos, Lesvos und Chios sein.
    Hellenic Seaways fährt mittlerweile wieder die große Route quer durch die Ägäis mit An,-und Abfahrt Kavala.
    Viele Grüße aus Hamburg, John

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    • Hallo John, danke dir. Dann kennen wir uns vielleicht. Ich war lange Moderatorin im Thassos -Forum und kenne alle Leute, die du genannt hast. Wo Kerstin nun lebt weiß ich nicht, aber Manu. Wolfgang und co sind noch da. Auch wenn ich sie länger nicht mehr gesehen habe. Die Zeiten die du genannt hast sind auch meine Favoriten, genieße es aber auch immer mehr jenseits von Thassos kennenzulernen, wenn ich auch tief verwurzelt mit ihr bin. Sicher gibt es noch mehr dazwischen, das muss jeder für sich entdecken. Ich war mit 8 Jahren bewusst das erste Mal auf Thassos. Die Insel hat mich nie mehr losgelassen egal wo ich war. So kehre ich immer wieder zurück, wenn mir auch so einiges missfällt. Die Schönheit der Natur ist immer noch da und wenn man die harten touristischen Zeiten meidet ist sie fast wie man sie kennengelernt hat. Ein schönes Gefühl. Vielen Menschen habe ich Thassos gezeigt, sie lieben sie alle….. Ich wünsche euch auch jeden Fall eine tolle Zeit dort. Fürs mich geht es nächste Woche wieder los. Ach so, dass Zoom gibt es schon lange nicht mehr. Ist jetzt ein Supermarkt. Bob ist sehr schlank ;-). War auch mein Lieblingslokal. Liebe Grüße Ariane

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