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Abenteuer, Anreise, Ancona, Ankommen, Abfahrt oder was macht eine Ameise in der Hose ?

Endlich war es soweit unsere Anreise ├╝ber Deutschland, die Schweiz, Italien Ancona, Igoumenitsa nach Thassos konnte beginnen und ……. es wurde ein winterliches Abenteuer.

Das letzte Mal mit einem Auto bin ich 1991 mit meinem Vater nach Thassos gefahren. Es war zu der Zeit des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Ich hatte mir geschworen, nie wieder solch eine Reise zu starten. Aber meine Kindheitserinnerungen an sch├Âne Reisen mit dem Auto nach Thassos lie├č meine Sehnsucht von Jahr zu Jahr immer st├Ąrker werden, doch noch mal mit dem Auto zu reisen. Wie immer, Herzensw├╝nsche gehen oft in Erf├╝llung und so durfte ich mit Freunden, die ihren Wunsch Thassos im Winter zu erleben nachgehen wollten und einem Hund die etwas l├Ąngere aber daf├╝r bequemere Reise mit der F├Ąhre von Italien aus antreten.

Thassos im Winter ist f├╝r mich mit die sch├Ânste Zeit. Eine eigenartige Ruhe erf├╝llt die Insel, die Natur ist grandios. Man kann getrost sagen, dass man einsam dann dort ist. Aber ich m├Âchte es Einssein nennen, denn es ist mein gesch├╝tzter Raum, der mich alles, was hinter mir liegt, vergessen l├Ąsst.

Farbenspiel

Das Wetter war regnerisch, als wir ankamen, aber den ersten Tag konnte ich direkt mit meinen Freunden auf dem Balkon im strahlensten Sonnenschein beginnen.

Kein Urlaub auf Thassos ohne Spa├č und Spa├č sollten wir die ganze Zeit ├╝ber haben. Dazu m├Âchte ich eine kleine Geschichte erz├Ąhlen. Es gibt bei mir unten auf der Stra├če eine ganz besondere Taverne. Sie f├Ąllt nicht auf, nur wer wei├č, dass dort eine Taverne ist, f├Ąhrt nicht daran vorbei. Ich bin all die Jahre daran vorbeigefahren und ich bin heute sehr froh dar├╝ber, dass mir meine Freunde auf Thassos diesen speziellen Platz gezeigt haben.

Sobald es warm wird, spielt sich das Leben drau├čen ab, aber im Winter sitzen alle drinnen und genie├čen das wunderbare Essen, welches die Frau des Besitzers, Sakis, jeden Tag kocht. Nicht nur wegen des Essens, sondern auch wegen Katharina, der besten Kellnerin, die ich je kennenlernen durfte lohnt sich ein Besuch.

Die Einheimischen staunten sehr, als wir am ersten Tag gegen Nachmittag die Taverne aufsuchten, um ein paar Mezedes zu uns zu nehmen. Es finden sich nicht viele G├Ąste im Winter auf Thassos und schon gar nicht bei Sakis. ├ťber Sakis selber gibt es im Grunde nur zu sagen, diesen Menschen muss man er-(leben), ich meine wirklich erleben (oder seinen Mund zu halten), und wer das nicht schafft, hat dort auch nichts zu suchen. Das wird einem unmissverst├Ąndlich klar gemacht und so streut sich dort manchmal die Spreu vom Weizen. Die Menschen kommen nicht wegen der Sch├Ânheit des Platzes, sie kommen weil der Ort und seine Menschen speziell sind. Ich liebe diesen Ort. Und, es gibt den dicksten Chefkater dort, den ich seit langem auf Thassos mal wieder gesehen habe.

Jeden Sonntag gibt es dort Live-Musik. Eleni singt und ihr Mann Giorgo spielt die Bouzouki. Manchmal werden sie von einem Keyboard begleitet und wenn man ganz viel Gl├╝ck hat spielt die kleine Tochter Fedra von den beiden Bouzouki, was wirklich nur sch├Ân anzusehen ist. Ich habe dort so manche, heimliche Tr├Ąne vergossen, dachte ich, bis ich sah oder darauf aufmerksam gemacht worden bin, dass es vielen so geht wie mir. Diese Stimmung kann man einfach nicht beschreiben. Das Herz quillt ├╝ber und das erlebe ich in Deutschland nicht, ich finde nur dort zu dieser Musik einen inneren, intensiven Zugang, der schon fast spirituell ist, weil diese Menschen, die Insel, diese Musik etwas mit mir macht und ich freue mich immer sehr, dass ich ein Teil davon sein darf, es zu erleben.

An einem anderen Tag waren wir mit einer kleinen Parea dort. Ich sa├č neben einem meiner Freunde und er bewegte sich sehr komisch auf seinem Stuhl hin und her. Ok, ich dachte mir, diese verdammten griechischen St├╝hle tun auch meinem Hinterteil nicht unbedingt gut, aber solch eine Rutscherei auf den kleinen Unget├╝men hatte ich noch nie bei einem Menschen gesehen. Ich wollte schon darauf hinweisen, dass er gerne die untere Strebe meines Stuhles als St├╝tze f├╝r sein linkes Bein nutzen k├Ânnte, als ich sah, dass er sich doch sehr markant in seinen unteren Gefilden bewegte. Was bewegte diesen Menschen …?, meine Augen wurden immer gr├Â├čer und ich wollte schon laut loslachen.

Es fiel auch seiner Frau auf und sie sprach in darauf an. Da ist irgendwas in meiner Hose, es piekst und dr├╝ckt, ich versuche gerade den Schl├╝ssel zurechtzur├╝cken, meinte er. Ok, wir richteten unsere Aufmerksamkeit wieder auf das leckere Essen. Nach ein paar Minuten ging das Spiel von vorne los und wir prusteten los, weil das einfach nur komisch aussah. Irgendjemand kam dann auf die Idee, dass er doch einfach mal zur Toilette gehen sollte – oder war er es selber ?! – um nachzuschauen, was sein Innenleben in der Hose so maltr├Ątierte.

Gesagt, getan und er kam fassungslos wieder zur├╝ck und meinte nur trocken: da hat sich doch glatt eine Riesenameise in meine Unterhose verirrt und suchte eine k├Ąmpfende Fluchtm├Âglichkeit, die sich ihr anscheinend aber nicht geboten hatte. Bei Sakis zu sitzen, gut zu essen, Musik zu h├Âren und dann noch einen Ausflug in die Tierwelt mitzuerleben, lie├č uns aufschreien vor Lachen. Wir konnten uns nicht mehr halten, der Nachmittag war f├╝r unseren Freund gelaufen, jedes Mal wenn wir versuchten uns zu unterhalten, ging das kreischende Lachen wieder los. Leider durften wir die Ameise nicht kennenlernen …….

Na wenigstens war es keine Gottesanbeterin, die mir ein paar Tage sp├Ąter begegnete ….. diese kleine Geschichte und viele andere begleiteten uns die wundervollen Wintertage auf Thassos die wir mit unseren Freunden Weihnachten und Silvester erleben durften.

Heiligabend wird in Griechenland nicht gefeiert. Auch stellte ich fest, dass in diesem Winter sehr wenige Tavernen ge├Âffnet hatten. Da auch an diesem Tag kein Ausgehen in Sicht war, genossen wir den Abend mit einem sehr einfachen, aber leckeren Essen in unserer K├╝che. Zu meinem Leid musste ich Canasta spielen lernen und wer mich kennt wei├č, dass ich Kartenspiele eher meide, weil sich mir die Logik von Kartenspielen nicht offenbart. Allerdings bin ich mittlerweile zur weltbesten Canastaspielerin geworden, zwecks einer App in meinem Handy ……

Den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachten wir mit einer Gruppe von lieben Menschen in Potos in der Taverne Klimataria. Es gab wunderbare Ofengerichte, Wildschwein, gef├╝llter Truthahn, Reh, Rind in Tomatensosse und Schwein in selbstgemachter Bratensosse, neben leckeren vegetarischen Gerichten wie Chorta und selbstgemachtem Knusperbrot.

Nicht zu vergessen ein wunderbares Essen vor Silvester, welches unsere Freundin f├╝r uns zubereitet hatte. Ich hatte meiner Freundin auf Thassos asiatische Lebensmittel mitgebracht, die dort nicht zu kaufen sind. Sie ├╝berraschte uns mit einem herrlich, leckeren indonesischen Essen, an das ich heute noch gerne denke.

Silvester haben wir in Kalivia verbracht. Wir traffen uns in der Taverne Triantamia und hatten wieder eine wunderbare Parea. Allerdings waren wir die einzige G├Ąste in der riesigen Taverne. Auch an diesem Tag hatte so gut wie keine Taverne offen und wir waren froh, dort herzlich empfangen worden zu sein. Es gab unter anderem Hasenstifado, frisch geschossen (es wurde sehr viel gejagt, was mich oft davon abhielt, durch die Natur zu streifen). Es war sehr lecker, bis auf die Schrotkugeln, die sich gerne in unseren Zahnzwischenr├Ąumen ablegten. Zum Nachtisch gabe es Quitte in allen Variationen.

Wir hatten nach dem Essen die Taverne im wahrsten Sinne f├╝r uns alleine. Wir durften die Musikanlage benutzen und jeder rannte mindestens einmal zum Laptop, um seine Lieblingsmusik abzuspielen. Elton John kam bei den Engl├Ąndern nicht gut an. Rozas von Mitropanos bei Sotiri dem Besitzer allerdings sehr wohl. Bei der Musik der Horror Picture Show wurden so einige ├Ąltere H├╝ften wieder jung und tanzten den legend├Ąren Tanz des Kultmusicals.

Der Lautsprechenregler der Anlage wurde gerne in die H├Âhe getrieben und Kalivia wurde von unserer Musik laut beschallt. Ich hoffe heute noch, dass sie uns unsere Party verziehen haben. Kurz: es war wundersch├Ân und es gab kein Feuerwerk, nur ein paar Gewehrsch├╝sse und viele K├╝sse. Die Vasilopita war auch mit dabei und der Gl├╝ckskuchen schmeckte uns nach dem Quittenerlebnis ├Ąu├čerst gut.

Ab diesen Winter herrscht nun strengstes Rauchverbot in den Tavernen. Viele Schilder weisen daraufhin und es wird auch hart verfolgt, wenn ein Besitzer gemeldet wird. Sind Kontrollen vor Ort, wird auch dem Raucher neben dem Besitzer ein Bu├čgeld auferlegt.

Tomaten gab es in den Bergg├Ąrten auch noch

Neben der Arbeit, dem wieder sehr sch├Ânen Beisammensein mit Freunden konnte ich trotzdem ein wenig die magische Sch├Ânheit der Natur von Thassos einfangen. Das Wetter war in der Nacht empfindlich kalt, aber die Schw├Ąrze umh├╝llt von tausenden Sternen, die sehr klar zu sehen waren. Tags├╝ber war es fr├╝hlingshaft warm und auch die Wolken ergaben ein wunderbares Naturschauspiel.

Die ├ťberschwemmungen haben einiges angerichtet. Es gibt noch viel zu tun, um die Sch├Ąden wieder in Ordnung zu bringen. Das Wasser l├Ąuft immer noch aus den Bergen hinab in die T├Ąler.

Ich m├Âchte nun meine Erz├Ąhlung hier schlie├čen ├╝ber einen weiteren, sehr intensiven und sch├Ânen Winter auf Thassos. Ich bedanke mich bei meinen Freunden, die mich mitgenommen haben auf die abenteuerliche Reise und meinen lieben Freunden auf Thassos, die tief in meinem Herzen sind.

Ganz besonderen Dank gilt Charly, dem Hund meiner Freunde, nat├╝rlich aus Thassos, der mir ├╝ber viele Stunden eine meiner K├Ârperseiten im Auto gew├Ąrmt und mit seiner wunderbaren Seele unsere Zeit dort bereichert hat.

Die n├Ąchsten Fotos sprechen f├╝r sich. Die einzigartige Natur, die Stille, die Tiere …. ich liebe es einfach.

Nachtrag 18. Januar Festtag auf Thassos

Kastro

Kastro wird zum Leben erweckt
Am 17. und 18 Januar wird der Festtag des heiligen Athanasius auf Thassos gefeiert. Das ist eine alte Tradition und jedes Jahr wird Kastro an diesen Tagen zu einem besonderen Leben erweckt. Das Dorf wird gereinigt, am 12. findet vorab ein Volksfest statt, welches der Dorfverein sponsert. Wein und Souvlaki gibt es kostenlos. Der heilige Athanasius ist der Schutzpatron der Kirche des Dorfes. Sein Andenken wird in der gleichnamigen Kirche hoch oben in Kastro geehrt. Am Vorabend des 18. Januars findet ein weiteres Fest statt. Alle Bewohner, Besucher, Gemeinderat und der B├╝rgermeister von Thassos, Herr Kyriakides Elefhterios nehmen daran teil.

Am 18. Januar wird die g├Âttliche Liturgie gefeiert. Nach dem Brauch fahren alle Bewohner sowie weitere Bewohner der anderen D├Ârfer der Insel hoch nach Kastro und versammeln sich dort. Nach der Prozession findet ein gro├čes Essen mit traditionellen Leckereien, sowie T├Ąnzen und Liedern statt, welches von den Bewohnern organisiert wird. Die Menschenmenge ist jedes Jahr sehr gro├č und zeigt, dass die Stra├čen des Dorfes mit der Region untrennbar miteinander verbunden sind.

Die Geschichte sagt, dass die Kirche von dem Schutzpatron Agios Athanasius 1804 in 40 Tagen erbaut wurde mit der Unterst├╝tzung des ganzen Dorfes. Das Baumaterial hierf├╝r wurde von dem Gel├Ąnde rund um Kastro und aus Ruinen herangeschafft. Kastro hat einen besonders architektonischen Charakter und seine bewegende Geschichte zog immer wieder interessierte Menschen an. Kastro befindet sich ca. 500 m ├╝ber dem Meeresspiegel. Im S├╝dosten befand sich eine nat├╝rliche Erhebung auf der, laut einer Inschrift 1403, eine Burg errichtet worden ist, um die S├╝dseite der Insel zu kontrollieren, da Kastro von der Meerseite aus nicht zu sehen war. Auf den ├ťberresten der Burg steht heute das Gebeinehaus des Dorfes. Kastro wurde zum ersten Mal von Kyriakos Agonitis als „Neokastro“ bezeichnet, der zwischen 1444 und 1445 Thassos bereiste.

Ein Besuch dieses wichtigen Festtages ist ein einzigartiges Erlebnis, da jeder Besucher sofort gastfreundlich aufgenommen und eingebunden wird. Der Gemeinderat sorgt daf├╝r, das diese wunderbare Tradition nicht verloren geht.

Kastro bedeutet Burg.

7 replies »

      • eigentlich haben mir die ersten beiden Fotos schon eine Menge erz├Ąhlt, denn wir sind in diesem Herbst auch nach fast 50 Jahren mal wieder mit dem Auto ├╝ber Ancona nach Igoumenitsa Griechenland gefahren. Unter anderem auch wegen unserem Hund Bella. Die Hinfahrt mit 10 Std. Schiffspassage war toll. Alles sehr gut gelaufen. Aber zur├╝ck war es nicht so gut. Deshalb wird Bella sich im Fr├╝hjahr mal an fliegen gew├Âhnen m├╝ssen. Na f├╝r 6 Wochen Urlaub denken wir ist die Strapaze f├╝r sie nicht zu gro├č. Es ist einen Versuch wert.
        Alles Gute dir. Nun werde ich den gro├čen Rest von dir weiter lesen. Danke f├╝r den tollen Bericht.

        Gef├Ąllt 1 Person

      • 16 Stunden sind wir gefahren ;). Wir hatten eine Hundekabine. Den Hund oben in einen K├Ąfig h├Ątten wir nicht gemacht. Fliegen ist f├╝r die Hunde auch eine Qual ……… ich w├╝nsche dir, dass es klappt :). Wir hatten auch sehr schweren Seegang und ich musste mich erst mal daran gew├Âhnen. Die Kabine war sehr hei├č und eng …….. ich war immer noch vergrippt und habe kaum Luft bekommen ;). Aber sehr interessant die Fahrt. Danke dir f├╝r deine Worte, ich freue mich sehr dar├╝ber :*

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  1. Ich ├╝berlege schon lange dass wir mal in den Fr├╝hjahrswinter Monaten nach Thasos fahren sollten, aber von Hannover ist so schlecht hinkommen. Man k├Ânnte nur ├╝ber Thessaloniki fliegen, dann mit dem Bus nach Kavala und mit der F├Ąhre r├╝ber, denn nach Kavala direkt kann man nicht fliegen au├čerhalb der Saison.

    Gef├Ąllt 1 Person

    • Du das ist im Grunde kein Problem ├╝ber Saloniki. Ich bin auch diese Strecke gef├╝hlte tausendmal schon gefahren und eigentlich mag ich sie sehr gerne. Wenn du den langsameren Bus nimmst, siehtst du sehr viel. Hinzu kommt, dass ich Saloniki auch sehr liebe und gerne dort bin, ich nehme das zum Anlass, immer ein paar Tage dort zu sein. Ich bin froh, dass im Winter keine Flieger nach Kavala fliegen, dann ist dort wenigstens Ruhe ;). Liebe Gr├╝├če

      Gef├Ąllt 2 Personen

      • Ja wir sind schon ├Âfter mal ├╝ber Saloniki gekommen oder weg geflogen ( wir kommen ja immer eher kurz vor der Sitzung und danach Ende, nur bisher noch nie im Winter)und haben das auch mit ├ťbernachtung verbunden. Wenn man wei├č wo man hin muss, ist das alles kein Problem. Die Busfahrten haben auch was

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